Die drei ??? und der seltsame Wecker - live

"Wir übernehmen jeden Fall!"

Nach sieben Jahren sind "Die drei ???" 2009 wieder auf Tournee und inszenieren eine moderne Version einer der ersten Folgen der Kult Hörspiele.

Hamburg. "Und wofür stehen die drei Fragezeichen? Ihr wisst wohl selber nicht, was ihr da tut!“

Oh doch, das wissen sie nur zu gut. Immerhin begleiten Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihre Fans bereits seit vielen Jahren; ob ganz retro auf Kassette oder modern auf CD ist dabei fast egal. Die drei Detektive einmal live zu erleben, ist für die meisten Fans ein gleichermaßen wahrwerdender Traum.

Noch vor Beginn von "Die drei ??? und der seltsame Wecker - Live and Ticking“ am Samstag, erfüllten Anfeuerungspfiffe und Jubel die ausverkaufte Color Line Arena. Die Vorfreude der Fangemeinde war regelrecht greifbar. Drei Fragezeichen schmückten so manches T-Shirt und die Fangemeinde glich der einer Boyband. Nur etwa 25 Jahre älter.

Pünktlich um 20:00 Uhr fuhr ein gellender Schrei dem Publikum durch Mark und Bein. Als dann die Original Hörspiel-Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich in blau-weiß-roten Blaumännern in ihre Hamburger "Zentrale" rutschten (aus einem "Kanalrohr“, in welches Papageiendame Becky geflogen war), wurden sie empfangen wie Popstars. Standing Ovations inklusive.

Was den Rätsel-Fans dann geboten wurde, war ein Live-Hörspiel der Extraklasse: Unterstützt durch modernste Technik verwandelten die drei Detektive die Arena in ein riesiges Wohnzimmer, in dem Tausende gebannt die Lösung um den so markerschütternd schreienden Wecker verfolgten. Doch es war nicht einfach nur ein Hörspiel, es war eine actionreiche Lesung, bei der sich Spannung und Witz abwechselten. Da wurde gequetschtes Stehen in einer Telefonzelle gespielt (die Zuschauer waren glücklicherweise alle in einem Alter, in dem man noch weiß, was eine Telefonzelle ist) und auch die Entstehung des Hitchcock Klassikers "Die Vögel“ wurde geklärt: Peter war der Meinung, Vögel seien doch weitaus gruseliger als die Eichhörnchen, die Hitchcock zunächst für seinen Film angedacht hatte.

Zwischen Eierschaumvinaigrette und Kunstdiebstahl, Nacktyoga und schreienden Weckern zauberten die Macher einen Seh- und Hörspielgenuss auf die Bühne, der die gewohnt gruselige Spannung der Geschichten in die Arena transportierte und ohne großes Bühnenbild auskam. Allein eine LED-Leinwand im Hintergrund unterstütze die Stimmung, wäre aber aufgrund der Leistungen aller Beteiligten gar nicht nötig gewesen.

Die drei Fragezeichen haben gezeigt, was mit Minimal-Schauspiel alles dargestellt werden kann und der Geräuschemacher bewies, dass es auch in der heutigen Zeit nicht immer einen Computer braucht, um unter anderem die Geräusche eines Pferdestalls zu imitieren. Überhaupt wurde jede bekannte Figur (beispielsweise Hauptkommissar Reynolds) mit euphorischem Applaus begrüßt, schließlich wurde hier ein Stück Jugend zum Leben erweckt. Zum Teil geschah dies so realistisch, dass sich, als Becky durch den Kanal flatterte, manch einer umguckte, ob nicht tatsächlich ein Vogel über die Köpfe der Zuschauer flog.

Es war ein Klassiker von 1968, aber ein Hörspiel von 2009, welches die Fans mit tosendem Applaus und mehrfach Standing Ovations feierten. Nach zweieinhalb Stunden schloss Justus Jonas den Fall: "Wir haben es, Kollegen!“