Wolfgang Joop - Wunderkind: Serie, Folge 3

Im Secondhand-Pelz nach Paris zu Lagerfeld

Wolfgang und Karin fuhren zu den Modeschauen nach Paris, Ende der 70er, wo Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld gerade in Position gingen. Lagerfeld, damals noch mit Vollbart, blieb auf der Straße stehen und lud sie gleich auf sein Schloss ein.

Saint Laurent haben die beiden auch auf der Straße kennengelernt. Vor seinem Showroom. Karin und Wolfgang hatten keine Einladung, die waren extrem schwer zu bekommen, wie auch für Kenzo. Aber "the beautiful couple" war angezogen im Geist der Zeit, wenn auch alles secondhand, das entdeckte man damals. Wolfgang trug einen Anzug aus den 40er-Jahren mit breiten Schultern und breitem Revers, Karin einen Pelzmantel vom Auktionshaus Schlüter, einen Silberfuchs.

Saint Laurent sprang aus seinem schwarzen Käfer und zog uns in die Show. Denn wir passten perfekt in die Kulisse der 70er, so wie wir aussahen. Obwohl wir innerlich noch zurückgeblieben waren, einer anderen Zeit verhaftet. Bin ich heute noch immer.

Eine der wenigen, die sich nicht festlegen ließ und zwischen den Cliquen hin- und herpendelte, war Loulou de la Falaise. Wolfgang zeichnete damals schon für die "Welt am Sonntag" bei den Schauen, auch bei Lagerfeld, und jeder wollte ein Original. So lernte er die berühmte Loulou kennen. Sie gingen abends manchmal aus und saßen mit den anderen im Club Set. Also dort, wo die Modeszene Hof hielt. Lagerfeld lud die Joops auch ein zu sich in die Rue Université und wies darauf hin, dass es gerade eine Ausstellung von David Hockney in der Stadt gebe. Wolfgang sah die Bilder des Amerikaners zum ersten Mal und fühlte sich bestätigt in seiner Art zu zeichnen. Sie schien seiner ähnlich. Und alles, was man ihm auf der Kunsthochschule erzählt hatte, war auf einmal sehr von gestern.