Abendblatt-Bibliothek, Band 9: Michael Degen

Karaseks Kritik

Es gibt in der großzügig ausgedehnten, mit wunderbaren Grüngebieten und Baumalleen bepflanzten Hansestadt viele teure und exklusive Wohngebiete. Wer in diesen Vierteln, zum Beispiel am noblen Leinpfad, wohnt, hat es geschafft.

Hier wohnt Jan Claas, der Hamburger Oberfinanzpräsident, eine makellose Erscheinung der Hamburger Beamten-Elite. Eines Tages wird er Opfer eines hinterhältigen Mordversuchs - die Täter kommen aus den undurchsichtigen Zonen im Hafen, wo es nicht ganz so fein hergeht und das Geld noch nicht so sauber gewaschen ist, dass man am Leinpfad wohnen kann.

Ach ja, und der Herr Oberfinanzpräsident hat auch ein gespanntes Verhältnis zu seinem Sohn. Den hat er mit einer ledigen Mutter, weil er bei seinem Karriereaufstieg keine Muße zum Heiraten fand. Als die Mutter an Krebs stirbt, adoptiert er den leiblichen Sohn. Der kämpft später mit dem und gegen den Alten und erlebt dabei, dass auch der Staat in schmutzigen Geschäften watet.

Michael Degen, grandioser Schauspieler und herzbewegender Autobiograf seiner jüdischen Kindheit, hat hier einen satirischen und verschlungenen Roman über das Verbrechen verfasst, das vor gesellschaftlichen Schranken keinen Halt macht. Einen Roman der Abgründe hinter blendend weißen Fassaden.