Abschiedstournee: 25 Jahre lang moderierte er den "Musikantenstadl"

Sind Sie ein Jodel-Jedi, Herr Moik?

Wer schon in Peking und Dubai schunkeln ließ, hat was zu erzählen: Karl Moik über Peinlichkeit, indische Testbilder, Groupies und seine Parallelen zu Josef Stalin.

Hamburg. Stefan Raab dichtete dem Moderator Karl Moik vor einiger Zeit ein Ständchen: "Der Karl, der Karl, der Moik-Moik-Moik . . ." Im Abendblatt-Interview singt Moik schmerzfrei weiter: " . . . der kifft das schärfste Zeug-Zeug-Zeug!" - und lacht. Fraglos ein entspannter Typ. An Silvester hat der 68-Jährige den letzten "Musikantenstadl" moderiert, jetzt ist er auf Abschiedstournee. Heute gastiert er mit "Servus Karl" im CCH.

ABENDBLATT: Jodel-Jedi, Gaudi-Kaspar, Trachten-Gottschalk, Hanswurst im Trachtenjanker. Suchen Sie sich etwas aus - es sind jedes Mal Sie gemeint.

KARL MOIK: Das mit den Trachten stimmt nicht. Ich hab seit 15 Jahren keinen Trachtenanzug angehabt.

ABENDBLATT: Sind Sie gar nicht beleidigt, wenn so über Sie geschrieben wird?

MOIK: Des is' ma wurscht. Diese Art der Musik gab es vor mir, und die wird's nach mir geben. Ich bin ein Mensch, der gern in die Zukunft blickt und die Gegenwart liebt. Die Vergangenheit ist mir relativ gleichgültig. Dinge, die waren, haben für mich den Reiz verloren.

ABENDBLATT: Wenn Sie Volksmusik-Sendungen anschauen - finden Sie das nicht selbst manchmal grotesk? Oder peinlich?

MOIK: Peinlich nicht. Mich interessiert's nicht. Ich schau lieber technische Sendungen. Oder "Derrick".

ABENDBLATT: Als Sie den "Musikantenstadl" moderiert haben - immerhin 25 Jahre lang -, muss es Sie ja schon interessiert haben. Gab es da nie Momente, die Ihnen heute peinlich sind?

MOIK: Natürlich hat es Dinge gegeben, wo ich im Nachhinein gedacht hab, das hättest du nicht so machen sollen. Ich hab immer frei gesprochen - dass da manchmal Blödsinn rauskommt, ist klar. Gemma net so ins Detail, bittschön!

ABENDBLATT: Ach, gemma doch ruhig ins Detail! Die Italiener haben Sie mal als "Spaghettifresser" bezeichnet. Kam nicht so super an.

MOIK: Eine Zeitung hat das aufgebauscht, ja. Ich hab mich ja schon in der Sendung gleich entschuldigt. Mir ist das rausgerutscht.

ABENDBLATT: Was einem so rausrutscht, muss ja vorher auch drin gewesen sein.

MOIK: Bei uns in Österreich ist das ein völlig normaler Ausdruck, nicht einmal bös' gemeint.

ABENDBLATT: Mal ehrlich: Wenn Sie Florian Silbereisen sehen, denken Sie da nicht auch: Was für ein Schmierlappen! Ich kann gar nicht hinsehen!

MOIK: Natürlich gibt's das. Aber auch bei anderen Shows. Wenn sich ein Moderator etwas ausdenkt, muss es ja mir nicht gefallen.

ABENDBLATT: Gelegenheit zum Umschalten haben Sie genug: Sie haben acht Antennen im Garten stehen. Wie viele Sender können Sie empfangen?

MOIK: So 2000, 2500 . . .

ABENDBLATT: Bis man sich durch 2500 Sender durchgezappt hat, ist ja schon übermorgen!

MOIK: Wenn ich halt ein Hobby hab! Wenn einer Briefmarken sammelt und die Blaue Mauritius kriegt, flippt er doch auch aus!

ABENDBLATT: Und was ist die Blaue Mauritius der Fernsehprogramme?

MOIK: Ein Testbild aus Indien. Und den Andre Rieu hab ich dank meiner Schüsseln in einem kleinen Sender aus Holland entdeckt.

ABENDBLATT: Fernsehen und Volksmusik haben ja etwas gemeinsam: Sie sind der natürliche Feind der Intellektuellen.

MOIK: Ich lese auch unheimlich gern. Am liebsten Biografien. Kohl, Edison, Stalin. Mich interessiert das, weil ich so viele Parallelen zu meinem Leben finde.

ABENDBLATT: Aha. Wo liegen Ihre Parallelen zu Stalin?

MOIK: Er war in der Schule auch nicht der Beste. Und er hat sich mit harter Arbeit durch viele Intrigen durchkämpfen müssen.

ABENDBLATT: Und Kohl? Was verbindet Sie mit dem?

MOIK: Der war ein raffinierter Hund. Wenn man 25 Jahre im Fernsehgeschäft ganz oben ist, muss man auch eine gewisse Raffinesse haben.

ABENDBLATT: Stimmt es eigentlich, dass es Karl-Moik-Groupies gibt?

MOIK: Das ist doch ganz logisch. Du stehst auf einem Podest, wirst als Übermensch gesehen. Angst hat mir das nie gemacht. Meine Frau war ja immer dabei.

ABENDBLATT: Als ich Kollegen erzählte, dass ich Sie interviewen würde, fanden die das brüllend komisch.

MOIK: Das war schon immer so. Von allen geliebt zu werden - das gibt's halt nicht. Der liebe Gott hat auch nicht nur Freunde.

ABENDBLATT: Als Mensch kann man sich vieles versüßen. Wann war Ihre erste Million auf dem Konto?

MOIK: Vor 17 Jahren hab ich zu meiner Frau gesagt: Jetzt sind wir über'n Berg. Man ist halt unabhängig. Und kann sagen: Wisst ihr was? Habt's mich gern!