Menschlich gesehen

Tote Hose Campino

"Am Anfang war der Lärm, und dieser Lärm hört niemals auf", sang Andreas Frege, 49, alias Campino 2008 im Lied "Strom". Und dass der Frontmann der Düsseldorfer Rockband Die Toten Hosen immer unter Strom steht, zeigt das neue Album "Ballast der Republik".

Seit mehr als drei Dekaden geht der Lautsprecher, der schon als naschendes Kind seinen bonbonbunten Spitznamen bekam, an seine Grenzen und darüber hinaus, zuerst 1978 mit den Deutschpunk-Pionieren ZK und seit 1982 mit den Toten Hosen. Dabei sammelte Campino diverse Knochenbrüche, Bänderrisse, Platz- und Fleischwunden, sei es, weil er es auf der Bühne zu wild trieb oder weil er vor Wut gegen einbetonierte Mülleimer trat. Denn Campino hasst Niederlagen, insbesondere die von Fortuna Düsseldorf, DEG und - seine Mutter war gebürtige Engländerin - Liverpool FC.

"Steh auf, wenn du am Boden bist" und "You'll Never Walk Alone" sind zwei seiner Leitmotive, und so geht er dann eben auf Krücken auf die Bühne von "Rock am Ring" und engagiert sich zugunsten kriselnder Sportklubs - und gegen Nazis. Die Kraft tankt der ledige Dauerrenner und Gelegenheitsschauspieler ("Palermo Shooting") weniger mit eisgekühltem Bommerlunder und Altbier als vielmehr beim Spiel: mit Sohn Lenny, 8, und mit den Toten Hosen. Die sind ein gewaltiges Energiereservoir. Denn "alles steht unter Strom. Vom ersten bis zum letzten Ton".