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Manege frei für das große Jubiläum

Probe Zirkus Willibald im Buergerhaus Wilhelmsburg; der Zirkus feiert sein 25 jaehriges Jubilaeum; Mensch / Ann-Brit Petersen

Foto: Andreas Laible

Probe Zirkus Willibald im Buergerhaus Wilhelmsburg; der Zirkus feiert sein 25 jaehriges Jubilaeum; Mensch / Ann-Brit Petersen Foto: Andreas Laible

Der Wilhelmsburger Zirkus Willibald feiert seinen 25. Geburtstag, unterstützt vom Abendblatt-Verein.

Von Anspannung keine Spur. Laut und ein wenig chaotisch geht es zu bei der Probe im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Dabei sind es nur noch wenige Wochen bis zur großen Jubiläumsvorstellung von Zirkus Willibald. Seinen 25. Geburtstag will der Kinderzirkus auf der Elbinsel am ersten Juni-Wochenende mit zwei großen Auftritten im Bürgerhaus unter dem Motto „Die Reise“ feiern und dabei einen kleinen Rückblick bieten. Aber bis dahin ist noch einiges zu tun.

Zumindest bei der kleinen Gruppe angehender Akrobatinnen, die heute zur Probe ins Bürgerhaus gekommen ist. Sieben Mädchen aus der vierten Klasse der Stadtteilschule Wilhelmsburg haben sich auf den Turnmatten zusammengestellt, um an ihrer Pyramiden-Nummer zu feilen. Ein paar Einzelfiguren haben die Zehnjährigen schon geprobt. Jetzt drehen die Gymnastic Girls, wie sie sich nennen, alle nacheinander ein Rad und stellen sich mit ihrem Namen vor. Dann formieren sie sich zu zwei sich gegenüberstehenden Grüppchen. Einige sind diszipliniert, andere machen Scherze und ein Mädchen springt eine Extra-Pirouette. Die weiteren Elemente der Nummer wirken etwas wackelig.

„Die Kinder kommen nach sechs Stunden Schulunterricht zur Probe, da sind sie ziemlich bewegungshungrig, müssen erst mal etwas Dampf ablassen“, sagt Wilhelm Kelber-Bretz. Der Sport- und Mathelehrer von der Stadtteilschule Wilhelmsburg hat den Zirkus Willibald 1993 gegründet. Damals hatte er bereits Erfahrungen in der Zirkusarbeit, denn nach seinem Studium arbeitete er eine Weile als Jongleur und Zauberer mit Kindern, unter anderem in einem Sportverein. Und erlebte, wie die Kinder an kleinen spielerischen Aufgaben wachsen. Deswegen stand bei seinem Zirkusprojekt von Anfang an nicht die perfekte Nummer, sondern das soziale Engagement im Vordergrund. „Wir wollen die Kinder in ihren motorischen und sozialen Fähigkeiten fördern und stärken“, sagt der Pädagoge. Damit sollen vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien eine Chance bekommen, sich auszuprobieren und zu erfahren, welche Talente in ihnen stecken. Auch die Integration in dem von Einwandererfamilien geprägten Stadtteil ist ein Ziel des Projekts. Zunächst als reines Schulprojekt gestartet, vernetzte Kelber-Bretz den Zirkus in Wilhelmsburg mit weiteren Einrichtungen, wie dem Turnclub Wilhelmsburg. 2001 wurde aus Zirkus Willibald ein Stadtteilprojekt. Das Bürgerhaus Wilhelmsburg hat die Trägerschaft übernommen.

Mittlerweile gehören zum Team um Zirkusdirektor Kelber-Bretz bis zu zehn Trainer, die mit fünf verschiedenen Gruppen Zirkusnummern einstudieren. Neben den Kindern der vierten Klasse der Stadtteilschule Wilhelmsburg sowie Kindern aus der Kita im Bürgerhaus Wilhelmsburg trainiert eine weitere Gruppe in der Stadtteilschule Veddel, eine im Kulturzentrum Honigfabrik und eine im Haus der Jugend in Wilhelmsburg. Einmal im Jahr treten sie gemeinsam im Bürgerhaus Wilhelmsburg auf, es gibt auch Aufführungen an anderen Orten wie in einem Seniorenheim.

Doch vor dem Auftritt steht das Üben. Zwei Schülerinnen bilden je eine Brücke, aber wann das nächste Kind auf die Brücke steigen soll, darüber diskutieren die Mädchen jetzt heftig. Die beiden Trainer Michael Sandfort und Mona Hirsch besprechen mit ihnen eine neue Abfolge und vor allem machen sie ihnen deutlich: „Wenn ihr auftreten wollt, dann müssen wir das jetzt konzentriert durchprobieren, das heißt: nicht so viel reden und bei der Sache bleiben“, sagt Michael Sandfort, Sport- und Gymnastiklehrer, Zirkuspädagoge und seit rund sieben Jahren als Trainer bei Zirkus Willibald. Tatsächlich klappt die Pyramide nun besser.

„Noch nehmen sie das Training leicht, aber spätestens bei der gemeinsamen Probe mit den anderen Gruppen kurz vor der Aufführung merken alle, jetzt wird es ernst“, weiß Wilhelm Kelber-Bretz aus seiner langen Erfahrung. Er hat mit dem Zirkus an Festivals teilgenommen, Ferienprojekte im Inland und Reisen ins Ausland zu Projekten in Prag oder Peru unternommen. Und auch die Vernetzung mit anderen Zirkussen betrieben. „Unser erster Auftritt fand im Zirkus Roncalli statt, dessen Mitbegründer Bernhard Paul übernahm die Schirmherrschaft für unser Projekt“, sagt Kelber-Bretz. Mit vielen Spenden wie vom Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“, der den Zirkus seit der Gründung unterstützt, konnten kulturelle Kooperationen möglich gemacht und Trainerstunden finanziert werden.

Ab November gibt Kelber-Bretz seinen Posten an Trainer Michael Sandfort weiter. „Es ist Zeit, den Zylinder an Jüngere abzugeben, die für das Projekt brennen und viele neue Elemente einbringen“, sagt Kelber-Bretz. Aber auch wenn er von der aktiven Zeit auf der Bühne abtritt, wird er weiter ansprechbar sein. Zwei Generationen hat er bei ihrem Ausflug in die Zirkuswelt begleitet. „Einige von den ersten Teilnehmern, die inzwischen selber Eltern sind, wollen ihre Kinder ebenfalls zu unserem Zirkus schicken“, sagt er. Und freut sich darüber, dass die Kinder den Zirkus mit ihren vielfältigen Talenten zu einer Institution auf der Elbinsel gemacht haben.

Jubiläumssvorstellung „Die Reise“ am 2.6. um 15 Uhr mit Kinder- und Jugendzirkusfestival. 3.6., 15 Uhr, Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestr. 20, Kartentel. 752 01 70, www.buewi.de