Kinder helfen Kindern
Unterstützung für Kinder und Jugendliche
Der Verein unterstützt bedürftige, kranke sowie behinderte Kinder und Jugendliche der Metropolregion Hamburg.

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Sportprojekt

„Jeder geht hier als Sieger vom Platz“

Schüler der Förderschule Boerns Soll trainieren mit Spielerinnen der Handball-Luchse  in Buchholz

Schüler der Förderschule Boerns Soll trainieren mit Spielerinnen der Handball-Luchse in Buchholz

Foto: Marcelo Hernandez

Die Zweitliga-Damen der Handball-Luchse trainieren behinderte Jugendliche. Das Angebot soll auf Hamburger Schulen ausgeweitet werden.

Hamoud hat sein neonfarbenes Sportshirt angezogen, die schwarzen Adidas-Shorts, blaue Turnschuhe. Die ganze Woche hat sich der Zwölfjährige auf diesen Vormittag gefreut. Jetzt steht der kleine Junge mit den schwarzen Haaren auf dem Spielfeld der Nordheidehalle. In der Hand hält er einen orange-blauen Ball. Er nimmt Anlauf und wirft. „Tor!“, rufen die anderen Kinder. Lynn Schneider hebt den Daumen, hält die Hand zum Abklatschen hoch. Es ist ein guter Moment. Für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung genauso wie für die Handball-Profis, die an diesem Vormittag zum Training mit den Kindern zusammengekommen sind.

Kinder wie Hamoud, der entwicklungsverzögert ist, unter epileptischen Anfällen leidet, Kinder wie Dominique, der das Down-Syndrom hat, oder Bjarne, der gehbehindert ist und nicht richtig zugreifen kann. Und der dennoch ­genau wie die anderen an diesem Vormittag unbändigen Spaß am Handballspielen hat.

„Handball bedeutet für uns viel, nicht nur sportlich. Es ist uns wichtig, auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen“, sagt Lynn Schneider. Sie ist Kreisläuferin der Bundesliga-Mannschaft der Handball Luchse Buchholz 08-Rosengarten. Einmal im Monat trainiert sie mit ihren Teamkolleginnen Paula Prior und Meike Schult Kinder mit Behinderungen in der Nordheidehalle am Stadtrand.

Ziel ist es, den Schülern Freude am Sport zu vermitteln

Jeden Dienstag wird darüber hinaus in einer von den Handballspielerinnen geleiteten AG an der Schule trainiert. Die Kooperation, die derzeit mit der Buchholzer Förderschule An Boerns Soll läuft und von der Spethmann-Stiftung finanziert wird, soll mit Unterstützung des Abendblatt-Vereins „Kinder helfen Kindern“ auch auf Fördereinrichtungen in Hamburg ausgeweitet werden.

Ziel des ehrenamtlichen Engagements ist es, den Kindern Freude am Sport zu vermitteln, ihnen zu zeigen, dass sie mitspielen können, ganz gleich, welche Behinderung sie mitbringen. „Wir wollen die Kinder starkmachen, ihr Selbstbewusstsein fördern und sie motivieren, sich etwas zuzutrauen“, sagt Lynn Schneider, die selbst sechsmal die Woche mit ihren Teamkolleginnen trainiert. Als Tabellenführer wollen sie in der kommenden Saison in der Ersten Bundesliga angreifen.

Trotz der sportlichen Belastung haben die Damen im vergangenen Sommer beschlossen, ihre Begeisterung für das Handballspielen an jene weiterzugeben, für die es eben nicht selbstverständlich ist, am Nachmittag und an den Wochenenden zum Sport zu fahren. Kinder wie Hamoud, der vor vier Jahren mit seinen Eltern aus Syrien nach Deutschland geflohen ist. Und der darauf angewiesen ist, dass ihn ein Bus zum Training abholt. „Viele Eltern können ihre Kinder nicht selbst bringen“, sagt Claudia König-Roy. „Sie brauchen jemanden, der sie betreut.“ Die pädagogische Mitarbeiterin unterstützt das Projekt, wo sie nur kann. Weil sie weiß, dass diese Erfahrung für die Schüler etwas sehr Wertvolles ist. „Hier erleben die Kinder, dass sie Fehler machen können ohne Folgen. Sie erfahren im Spiel, dass jeder dem anderen hilft. Und sie haben Erfolgserlebnisse. Im Leben spüren sie oft, dass sie an ihre Grenzen stoßen. Hier ist das anders. Hier geht jeder als Sieger vom Platz.“

Es ist 11 Uhr am Sonnabendvormittag. Aus der Musikbox dröhnt der Hit „Leiser“ von der Sängerin Lea. Doch die zehn Teilnehmer dürfen laut sein. Der jüngste ist elf, die älteste 26 Jahre alt. Sie laufen sich gemeinsam warm, spielen Abklatschen. Mitten unter ihnen Lynn Schneider und Meike Schult sowie Dalia Alruzzi und Marieke Ratfeld von der weiblichen A-Jugend.

Handball eignet sich als Sport besonders gut für Behinderte

Sie feuern die Kinder an, machen ihnen Mut, aus sich herauszukommen. Dann kommt der Ball ins Spiel. Prellen, werfen, fangen. Die Trainerinnen bauen einen Parcours zur Torwurfübung auf, stellen eine Bank mit drei Hütchen auf die Torlinie. Bjarne nimmt Anlauf, macht drei Schritte bis zum Kreis. Fest umklammert er den kleinen Ball mit seiner Hand, nimmt alle Kraft zusammen und wirft Richtung Tor. Ein Hütchen fällt. Der kleine Junge macht vor Freude einen Luftsprung. Er weiß, dass er alles richtig gemacht hat. Eineinhalb Stunden wird gespielt, 90 Minuten lang sind alle auf dem Platz ein Team.

„Handball eignet sich besonders gut als Sport für Menschen mit Behinderung“, sagt Lynn Schneider. „Einen Ball mit der Hand zu werfen ist für viele einfacher, als ihn mit dem Fuß zu führen.“ Die 22 Jahre alte Bundesliga-Spielerin studiert Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Sport. Sie möchte später einmal mit Kindern arbeiten, ihnen helfen, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Und ihren Teil dazu beitragen, dass sie wie ganz normale Menschen behandelt werden.

Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, keine Unterschiede zu machen. Ihre ältere Schwester Denise ist mehrfachbehindert, hat eine zerebrale Bewegungsstörung, kann nicht richtig laufen, hat Rheumaschübe und ist geistig zurückgeblieben. „Ihr Kurzzeitgedächtnis ist nicht ausgereift, sie hat autistische Züge und einen Waschzwang“, sagt Lynn Schneider. Beim gemeinsamen Training mit den Förderschülern ist Denise dabei.

Schulleiter Martin Ihlius, der das Projekt im vergangenen Jahr mit angeschoben hat, ist dankbar für das Engagement der Luchse. „Unsere Schüler kommen zum Teil aus schwierigen Verhältnissen, in denen die Unterstützung durch die Eltern fehlt“, sagt er. „Sie können so etwas nur erleben, wenn andere sie begleiten.“ Es sei mehr als nur das sportliche Erlebnis, welches die Kinder erfahren. „Sie erleben, dass sie eingebunden werden in einen ganz normalen Betrieb. Und dass sie ernst genommen werden, egal, wie schwer ihre Behinderung auch ist.“

Training mit den Handball-Profis

Die Bundesligamannschaft der Handball-Luchse und der Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“ ermöglichen ab sofort Hamburger Schulklassen mit behinderten Kindern ein Training mit den Profi-Handballerinnen. Der Abendblatt-Verein übernimmt dafür die Fahrtkosten mit dem HVV. Interessierte melden sich bitte bei: Manfred Popp,
Tel. 0152 22 99 66 38, E-Mail: manfred.popp @handball-luchse.de

Am 7. Juli organisieren die Handball-Luchse eine Benefiz-Radtour durch die Nordheide. Ziel der Rundtour ist, Geld für die Handball AG an der Förderschule An Boerns Soll sowie für den Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“ zu sammeln. Sponsoren werden dringend gesucht. Informationen gibt es unter Telefon 04181 - 939 92 80 oder E-Mail: info@handball-luchse.de, www.handball-luchse.de