Hilfe für bedürftige Menschen in Hamburg
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Verein Parksportinsel

Freizeitideen – statt Spaziergang lieber Sport und Spiele

Angebote des Parksportinsel e.V. im Inselpark in Wilhelmsburg. Sebastian Spohr, Jantje Egermann, Jakob und Helferin Lina beim Discgolf.

Angebote des Parksportinsel e.V. im Inselpark in Wilhelmsburg. Sebastian Spohr, Jantje Egermann, Jakob und Helferin Lina beim Discgolf.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

In vier Grünanlagen bietet der Verein Parksportinsel ein kostenfreies Bewegungsangebot für Jedermann an und bildet Jugendliche aus.

Langsam läuft die junge Familie auf dem Spazierweg durch den Wilhelmsburger Inselspark. Interessiert schaut sie einem Paar zu, das abwechselnd auf einem zwischen Stangen gespannten Gummiband, einer sogenannten Slackline, balanciert. „Wollen Sie das auch mal ausprobieren?“, spricht Bomik Sharma das Ehepaar mit ihrem dreijährigen Sohn an. „Sie können auch Wikingerschach spielen oder Discgolf“, wirbt der 27-Jährige weiter. Der kleine Junge ist sofort dabei, er schnappt sich von Sharma eine Frisbee und schleudert sie in Richtung des Discgolf-Korbs.

Sein Vater macht mit und trifft auf Anhieb das Metallgestänge. Schon bald ist auch die Mutter eifrig dabei. Bomik Sharma nickt zufrieden und steuert gleichzeitig auf die nächste Gruppe zu, die am Rand stehen geblieben ist. „Na, Lust auf Wikingerschach? Kann man super zu viert spielen, man muss dabei alle Holzklötze der Gegenseite umwerfen“, erklärt Sharma mit einem breiten Lächeln.

Die Besucher werden offensiv angesprochen, um mitzumachen

Der Student ist offenbar ein Profi im Anwerben von Spaziergängern. Das ist auch genau sein Job als Parksportpilot. Gemeinsam mit der 15 Jahre alten Schülerin Lina hat er heute die Aufsicht über verschiedene Bewegungsangebote, die auf dem Terrain der „Welt der Bewegung“ vom Inselsportpark e. V. angeboten werden. Und sie sollen die Besucher dazu animieren, mitzumachen.

Jedes Wochenende von Mai bis Oktober bieten jugendliche Parksportpiloten des Vereins in diesem und drei weiteren städtischen Parks einfache Sportspiele, Minifußball und Kletterparcours an, die jeder Besucher kostenfrei ausprobieren kann. „Wir haben uns Grünflächen in Stadtteilen ausgesucht, die noch gut ein weiteres Bewegungsangebot vertragen können und zeigen den Menschen dort, wie viel Freude Sport machen kann“, sagt Beate Wagner-Hauthal, die den Parksportinsel-Verein leitet.

Er entstand 2014 als Nachfolgeinitiative der Internationalen Gartenschau (IGS), für die der Wilhelmsburger Inselpark angelegt wurde. Neben Spielplätzen, Gärten, Wasserläufen und Teichen wurde damals auch die „Welt der Bewegung“ geschaffen mit einem Multifunktionsfeld, niedrigem Wasserbecken, angrenzendem Skatepark, einem Hochseilgarten und einer Kletterwand in der Nordwandhalle.

Überwiegend kostenfreies Programm mit Yoga und Fitnesskursen

„Alle diese Sportanbieter und etliche lokale Vereine sind Mitglieder bei uns“, erklärt Wagner-Hauthal, die auch schon während der IGS die Welt der Bewegung koordinierte.

Danach fand sie es reizvoll, „bewegungsfreudigen Menschen, aber auch solchen, die sich noch nie ausprobiert haben, Sport näherzubringen und gleichzeitig den Inselpark zu einem wichtigen Lebensort für die Anwohner mitzugestalten“.

Zudem hat die Sportpädagogin auch eine sehr soziale Funktion, denn viele finanziell Schwache, Migranten und vor allem auch Flüchtlinge freuen sich über das überwiegend kostenfreie Programm, das unter der Woche mit Yoga- und Fitnesskursen, Sport für 50plus und Laufgruppen ergänzt wird. Möglich ist das nur durch Spenden – auch der Verein Hamburger Abendblatt hilft gehört zu den Förderern des Parksportinsel e. V.

Fahrradkurse speziell für Frauen auf dem Multifunktionsfeld

Auf dem Multifunktionsfeld finden seit 2018 zudem regelmäßig Fahrradkurse unter anderem nur für Frauen statt. „Die Frauen bleiben oft im Hintergrund, deswegen wollten wir sie speziell ansprechen. Wir bekommen dabei so viel positive Rückmeldungen und kleine Filme, in denen uns die Teilnehmerinnen zeigen, wie sie durch die Straßen radeln. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein enorm. Dieses Jahr bilden wir auch eine Geflüchtete zu einer Radlehrerin aus“, sagt Wagner-Hauthal sichtlich stolz.

Um die Betreuung der vielen Bewegungsangebote zu bewerkstelligen, gibt es seit acht Jahren die Ausbildung der Parksportpiloten, die der Kooperationspartner „Sportjobs Bildung und Bewegung“ übernimmt. Die Firma arbeitet mit Schulen in Wilhelmsburg, Öjendorf, St. Georg und Horn zusammen, geht dort in die Klassen, macht Projekte mit den Sportprofilkursen und bietet 75 besonders engagierten und interessierten Jugendlichen pro Jahr dann die Qualifizierung zum Parksportpiloten an.

Junge, engagierte Schüler werden zu Jugendgruppenleitern

„Dafür muss der oder die Jugendliche rund 90 Unterrichtseinheiten absolvieren, bekommt dann den Schein als Jugendgruppenleiter und eine Erste-Hilfe-Qualifikation. Gleichzeitig lernen die Teilnehmer, wie wichtig Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamarbeit sind, das nutzt ihnen auch im Beruf viel“, erklärt Projektleiter Alexander Frantz. Für ihren Einsatz am Wochenende oder bei besonderen Sportevents werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Mindeststundenlohn bezahlt.

Student Bomik Sharma war einer der ersten, der qualifiziert wurde. „Ich war damals in der Oberstufe und fand es cool, Sport mit einem Job zu verbinden. Außerdem habe ich hier jede Menge neue Leute kennengelernt, wir sind ein tolles Team und das half mir sehr, mich hier zu integrieren“, sagt der gebürtige Afghane, der 2009 nach Hamburg kam.

Er arbeitet sonst sonntags überwiegend im Lohmühlenpark in St. Georg. „Da gibt es viele Wiederkommer, vor allem Familien, die sehr dankbar dafür sind, dass etwas für sie angeboten wird und die Kinder beschäftigt sind. Aber es kommen auch Senioren, die wollen vor allem reden“, sagt der junge Mann, dem es viel Spaß macht, Menschen anzusprechen und zu motivieren.

„Etwas Mut braucht man dafür schon“, sagt seine Teamkollegin Lina. Sie hilft das dritte Mal mit aus und will möglichst bald mit der Parksportpiloten-Ausbildung beginnen. Sie geht auf die Schule Stübenhofer Weg in Kirchdorf-Süd und ist oft mit ihrer Freundin im Inselpark. „Ich habe die tollen Sportangebote hier alle mitgemacht. Und da ich Menschen gern etwas erkläre, habe ich dann nachgefragt, ob ich helfen darf. Ich möchte später im sozialen Bereich arbeiten und das ist doch der perfekte Einstieg“, sagt die Zehntklässlerin.

Sport und Spiel mit der Parksportinsel gibt es jeweils von 14–18 Uhr in folgenden Parks: Wilhelmsburger Inselpark: sonntags, Öjendorfer Park: sonntags, Lohmühlenpark: sonnabends & sonntags, Hammer Park: samstags. Weitere Infos: www.parksportinsel.de