Zwischenruf

Tosender Applaus für einen einzelnen Koffer

Ein einziger Koffer wird gefeiert – nachdem sich die leeren Bänder auf dem Hamburger Flughafen 30 Minuten gedreht haben.

Hamburg. Ein kluger Mensch hat mal bemängelt, dass Dichter so gut wie nie die Arbeit unserer Füße hervorheben, die doch täglich sozusagen Übermenschliches leisten müssen. Mit Reisekoffern ist es so ähnlich. Die werden bis zum Beinahe-Bersten vollgestopft, auf Flughäfen herumgeschmissen und in kalte Laderäume verfrachtet. Nach getaner Arbeit müssen sie dann wieder in Kellern, Schränken und sonstigen Stauräumen ein Schattendasein fristen, bis der ganze Zirkus wieder von vorne losgeht.

Nur ein einziger Koffer wurde neulich mal gebührend gewürdigt. Das war, nachdem sich die leeren Bänder auf dem Hamburger Flughafen ungefähr 30 Minuten gedreht hatten. Ungeduldige Menschen (es waren Hunderte) werden in solchen Situationen ja oft geradezu anarchistisch.

Wildes Hohngelächter nach Bitte um Verständnis

Da wurde zum Beispiel auf eine Durchsage statt wie erbeten „mit Verständnis“ nur mit wildem Hohngelächter reagiert, und ein „nicht zuständiger“ Uniformträger mit großem Namensschild war minutenlang bösem Spott ausgesetzt. Das mag daran gelegen haben, dass die Kofferrückgabe – wie sich bei den überall zwangsweise angeknüpften Gesprächen herausstellte – offenbar nur auf dem „Airport“ Hamburg so lange dauert(e). Ist aber auch egal.

Entscheidend, und darum soll es hier ja gehen, war Folgendes: Irgendwann erschien ein einziger Koffer auf der Bildfläche, der von einigen nun schon wieder urlaubsreifen Heimgekehrten mit tosendem Applaus und Jubelrufen begrüßt wurde. Immer mehr stimmten mit ein, und plötzlich kochte die Ankunftshalle über. Ganz alleine drehte das quietschgrüne Kunstlederteil seine Runden – und der Jubel nahm kein Ende.