Karasek

„Ödipus, Schnödipus!“ – Befreiendes zum Muttertag

Hellmuth Karasek

Hellmuth Karasek

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Hellmuth Karasek und seine nicht ganz ernst zu nehmenden Gedanken zum Muttertag.

Morgen ist „Muttertag“. Deshalb hat die „Zeit“ 13 Reporter zu 13 „Reportagen“ über die „wichtigste Frau der Welt“ animiert. Ihr Kolumnist Harald Martenstein nimmt als später Vater das Babygeschrei zum Anlass, um zu schreiben, wie das nervt. Selber schuld! Doch zurück zur Mutter, deren Festtag ich, da ich abergläubisch bin, mit einem 14. Beitrag begehe. Nicht ganz ernst gemeint, aber Mütter können Spaß vertragen und müssen es im Witz auch, wo ihre Übermacht für einen befreienden Moment gebrochen wird.

Zum Beispiel freudianisch, weil der Übervater der Psychoanalyse den Ödipus-Komplex (Sohn tötet Vater, um Mutter heiraten zu können, natürlich unbewusst) zum Scheitelpunkt seines Kulturverständnisses gemacht hat. Aber auf nach Schwaben. Der Sohn kommt bedrückt vom Arzt heim: „Du Mutter, der Arzt sagt, i ham ein Ödipus-Komplex.“ Die Mama winkt seine Bedenken weg: „Ödipus! Schnödipus! Hauptsach, du hasch dei Mutter lieb!“

Zu Freuds Wiener Zeiten, als Karl Kraus über das Wort „Familienbande“ finster sinnierte, lebte der berühmte Reporter Egon Erwin Kisch. Als Revolutionär stürmte er 1918 das Kriegsministerium, wo sein Bruder als Beamter arbeitete. Und schrie den Bruder an: „Im Namen der Revolution, du bist verhaftet!“ „Gut“, sagte der, „ich füge mich der Gewalt. Aber ich werd’s der Mama sagen!“ Die jüdische Mama wirft hier ihren gewaltigen Schatten der Liebe. Wie in der Geschichte, in der sie ihrem Sohn zum Geburtstag zwei Krawatten geschenkt hat, eine rot gepunktete und eine grün gestreifte. Beim nächsten Besuch trägt er die grüne. Darauf die Mutter vorwurfsvoll: „Die rot gepunktete gefällt dir wohl nicht!“

Ebenso allgewaltig ist im katholischen Italien die Mamma! Kein Wunder! Ohne die Mutter Maria wäre Gott nicht als Mensch geboren worden. Darüber dürfen Menschen Witze machen. Wie den über die berühmte Szene mit der Ehebrecherin. Jesus hat die zum Steinigen bereite Menge beruhigt: „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!“ Ergriffene Stille. Da fällt aus einer Ecke ein Steinchen. Jesus schaut in die Richtung: „Mama, du nervst!“ Einen gesegneten Muttertag. Und über die Schwiegermutter ein anderes Mal.