Menschlich gesehen

Deutschlehrer

Als Hüseyin Dörtyol 1973 nach Deutschland kam, konnte er Dankeschön und Guten Tag sagen. 41 Jahre später bringt Dörtyol Einwanderern Deutsch bei. Im Verein Arbeit, Bildung, Integration am Steindamm unterrichtet der 65-Jährige Polen, Rumänen, Syrer. Und den Spanier Isaac Rafael Bañuls Llacer, den das Abendblatt seit September in einer Serie begleitet.

Dörtyol stammt aus Anatolien. Er verließ seine Heimat aus politischen Gründen und landete in Rheinland-Pfalz, jobbte auf Baustellen, später in Rüsselsheim bei Opel. Neben der Arbeit paukte er Deutsch: Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, sagt er. Dörtyol ist eigentlich Lehrer für Türkisch und Literatur. Unterrichten ist seine Berufung. Erst gab er Türkischkurse an der Volkshochschule. Drei Jahre nach seiner Einreise war sein Deutsch so gut, dass er selbst Deutsch lehren konnte. „Am Anfang war es schwer. Ich habe während des Unterrichtes selbst weiter Deutsch gelernt.“

In Hamburg lebt Dörtyol seit 22 Jahren. Der Vater von drei erwachsenen Kindern war Sozialarbeiter und hat eine norddeutsche Regionalzeitung in türkischer Sprache herausgegeben. Und immer Sprachkurse gegeben. Dass er selbst kein Deutscher ist, verschafft ihm Respekt bei seinen Schülern. Über sie sagt Hüseyin Dörtyol: „Wenn man alle Kulturen dieser Welt kennenlernen will, muss man weit reisen. Ich nicht. Alle Kulturen kommen zu mir in den Unterricht.“