Hilfe für Alleinerziehende

„Das ist menschenunwürdig, so kann man nicht hausen“

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Sabine Tesche
So sah die Wohnung vor der Renovierung aus - in der die Familie mehrere Monate ohne Möbel und Bodenbelag leben musste

So sah die Wohnung vor der Renovierung aus - in der die Familie mehrere Monate ohne Möbel und Bodenbelag leben musste

Foto: Thomas Rath GmbH

Mit vereinten Kräften halfen der Abendblatt-Verein sowie ehrenamtliche Maler und Bodenleger einem Alleinerziehenden und seinen Kindern.

Die Wände waren ohne Tapeten und Farbe, ein roher Betonfußboden, keinerlei Möbel in der Dreizimmerwohnung, außer drei Matratzen, auf denen Mark Alfonso (Name geändert) mit seinen beiden Kindern seit ein paar Wochen schlief. Als Thomas Rath Anfang Dezember die Bilder von der Wohnung sah, wusste er sofort, dass er hier helfen wollte, um dem Vater und seinen beiden Söhnen „ein schönes Zuhause zu schaffen“.

Der Obermeister der Maler- und Lackiererinnung mobilisierte sofort Mitarbeiter seiner Malerfirma Thomas Rath GmbH, holte zudem Nicolai Voss von der Otto Gerber Gruppe und Volker König, Vorstandsvorsitzender von MEGA, einen Großhändler für Maler-, Bodenleger- und Stuckateurbedarf, mit ins Boot. Die Renovierung der Sozialwohnung wurde zur Teamarbeit. „Sonst hätten wir das vor Weihnachten gar nicht mehr hinbekommen, denn eigentlich ist das für uns die absolute Hochphase“, erklärt der engagierte Malermeister Rath. Aber ihm war es wichtig, dass auch der alleinerziehende Vater mit seinen Jungs ein frohes Fest „in einer vernünftigen Umgebung“ feiern konnte. Über den Verein „Hamburger Abendblatt hilft“ hatte Rath von dem dramatischen Fall erfahren.

Vater körperlich behindert und ohne Geld

Der Abendblatt-Verein war von einer Hamburger Beratungsstelle angesprochen worden, ob er Möbel und Elektrogeräte spenden könne – denn Mark Alfonso musste ohne irgendwelchen Besitz in die Sozialwohnung ziehen, auch ein Antrag auf Erstausstattung war zunächst vom Jobcenter abgelehnt worden. Die Mutter der beiden Jungen war mit ihren kleineren Kindern aus Flucht vor ihrem aktuellen Partner ins Frauenhaus gezogen, hatte die alte Wohnung gekündigt und Alfonso gebeten, sich um seine Söhne fortan zu kümmern.

Er zog daraufhin im Herbst aus einer anderen Stadt zu ihnen nach Hamburg, fand zum Glück schnell eine neue Wohnung, hatte aber keine finanziellen Möglichkeiten, sie wohnlich zu gestalten. Ihm, der eine schwere Behinderung hat, war jedoch zunächst am wichtigsten, dass seine Kinder in der gewohnten Umgebung blieben, sie sind beide gut in der Schule, treiben intensiv Sport im Verein. Zum Glück fand er eine engagierte Sozialarbeiterin, die sich seither sehr für die kleine Familie einsetzt.

Bodenleger verschob seinen Urlaub

„Als ich das erste Mal in die Wohnung kam, war ich schockiert und dachte, das ist menschenunwürdig, so kann man nicht hausen. Es gab noch nicht einmal einen Stuhl“, berichtet Rath. Aber ihm fiel auf, wie ordentlich die Kleidung der Kinder gefaltet war, die Betten gemacht, die Jungen und der Vater ausgesprochen höflich und voller Dankbarkeit über so viel Hilfe. Rath schickte schon wenige Tage später Maler in die Wohnung.

Um die Bodenverlegung kümmerten sich zwei Anwendungstechniker der MEGA. Sie besorgten und montierten auch noch eine kleine Küche, die nun die Wohnung der Familie schmückt. „Die Kollegen haben selber Kinder und alle wollten hier ihr Bestes geben. Der Bodenleger hat sogar seinen Weihnachtsurlaub nach hinten verschoben“, berichtet Rath, der sich sehr gern sozial engagiert und viele Ehrenämter bekleidet.

Als am 17. Dezember die Möbel geliefert wurden, die sich Alfonso gemeinsam mit der Sozialarbeiterin in der sozialen Möbelkiste in Barmbek ausgesucht hatte, war die zuvor schäbige Wohnung schon in ein gepflegtes Zuhause verwandelt worden. Am 23. Dezember kam zudem die Nachricht, dass das Jobcenter nun doch die Kosten für die Elektrogeräte übernimmt – für Mark Alfonso wurde der anfängliche Alptraum also zu einem richtigen Weihnachtswunder.