Hamburg. Stadt erwartet weniger Schiffsanläufe, aber mehr Gäste. Warum sich Disney-Fans freuen können – und was am neuen Terminal geplant ist.

Mag Hamburgs Wirtschaft über die konjunkturelle Flaute stöhnen, eine Branche in der Stadt kennt aktuell nur Wachstum: das Kreuzfahrtgeschäft. Exakt 1.204.089 Passagiere gingen im vergangenen Jahr von Hamburg aus auf Kreuzfahrt. Das war ein Rekord, wie die Wirtschaftsbehörde, die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority und der städtische Terminalbetreiber Cruise Gate Hamburg (CGH) am Montag mitteilten. Hamburgs ärgster Konkurrent Kiel zählte im vergangenen Jahr nur 1,19 Millionen Passagiere.

Entsprechend wohlgelaunt trat der Chef der Hamburg Port Authority (HPA), Jens Meier, der ja vor gar nicht allzu langer Zeit noch Präsident des HSV war, vor die Presse, um mit Genugtuung zu verkünden: „Am Wochenende hat der HSV gegen Kiel bekanntlich verloren. Aber im Kreuzfahrtbereich haben wir gegen Kiel gewonnen.“

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Das sagt sich leichthin, doch wer sich die Zahlen genauer ansieht, stellt fest, dass es in Nordeuropa kaum einen Hafen gibt, der so viele Kreuzfahrtpassagiere zählt wie Hamburg. „Man denkt immer an Kopenhagen und Stockholm“, so Meier. Tatsächlich hat Kopenhagen im vergangenen Jahr nur rund 770.000 und Stockholm lediglich 256.000 Gäste gezählt. In Rostock, dem Hauptsitz von Aida Cruises waren es 420.000. In der Ostsee kann keine Destination Hamburg das Wasser reichen, und ein Blick weiter westlich auf der Weltkarte zeigt, in Nordeuropa ist mit etwa zwei Millionen Passagieren nur ein Hafen noch beliebter: Southampton in England.

Das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“ vor Blankenese.
Das Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“ vor Blankenese. © HA / Klaus Bodig | Klaus Bodig

Was gut läuft, muss man pflegen. Um seine führende Position zu behalten, will Hamburg das Kreuzfahrtgeschäft ausbauen. Die Hansestadt will noch mehr Gäste an die Elbe locken und geht mit Hochdruck an die Fertigstellung des neuen Kreuzfahrtterminals in der HafenCity. Auch das Landstromangebot wird deutlich erweitert. Um zu zeigen, dass man es ernst meint, luden die Veranstalter die Presse in den Rohbau des neuen Terminals.

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„Wir setzen in diesem Jahr auf einen weiteren Passagieranstieg“, sagte Simone Maraschi, Geschäftsführer von Cruise Gate Hamburg (CGH). „Denn das Interesse der deutschen Urlauber wächst weiter.“ Nach den USA sei Deutschland inzwischen der zweitgrößte Kreuzfahrtmarkt.

278 Anläufe von Hochseeschiffen habe man im vergangenen Jahr gezählt und 62 Flusskreuzfahrten. Für dieses Jahr erwartet Maraschi etwas weniger Schiffsanläufe, dafür aber mehr Gäste: „Wir werden mehr Passagierwechsel in Hamburg haben, nicht nur Tagesgäste“, erklärt er. Und Wechselgäste würden doppelt gezählt, bei der An- und bei der Abreise.

Disney Cruise Line schickt erstmals Schiff nach Hamburg

Zudem wächst die Zahl der Erstanläufe. Im vergangenen Jahr kamen acht Schiffe erstmals nach Hamburg, in diesem Jahr sind zehn Erstanläufe geplant. Zum ersten Mal können die Hamburger die „Ocean Albatros“, die „Seaborn Quest“, „Villa Vie Odyssey“, die „Sirena“, „Azamara Onward“, „Mein Schiff 7“ und die „Sky Princess“ auf der Elbe bewundern. Mit der „Disney Dream“ schickt die Reederei Disney Cruise Line zudem erstmals überhaupt ein Kreuzfahrtschiff ihrer Flotte nach Hamburg.

Senatorin Melanie Leonhard (2.v.l.) zusammen mit  den Cruise-Gate-Hamburg-Geschäftsführern Simone Maraschi und Iris Scheel sowie HPA-Chef Jens Meier im Rohbau des neuen Kreuzfahrtterminals (v.l.).
Senatorin Melanie Leonhard (2.v.l.) zusammen mit den Cruise-Gate-Hamburg-Geschäftsführern Simone Maraschi und Iris Scheel sowie HPA-Chef Jens Meier im Rohbau des neuen Kreuzfahrtterminals (v.l.). © HPA / Andreas Schmidt-Wiethoff | HPA / Andreas Schmidt-Wiethoff

So etwas adelt. Den Titel „Destination des Jahres“ habe die Branche der Hansestadt im vergangenen Jahr verliehen, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) nicht ohne Stolz, die sich selbst mit Warnweste, Helm und Sicherheitsschuhen ausgestattet, ein Bild vom neuen Terminal machte. „Hamburg gehört europaweit zu den beliebtesten Kreuzfahrtdestinationen. Die Kreuzfahrtbranche trägt erheblich zur Wertschöpfung und Beschäftigung rund um unseren Hafen bei“, sagte sie. „Deshalb freue ich mich, dass wir ab 2025 eines der modernsten Kreuzfahrtterminals in der HafenCity und damit im Herzen unserer Stadt haben.“

Neues Kreuzfahrtterminal in Hamburg erhält Tiefgarage mit Busbahnhof

Das neue Terminal mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern soll mit Start der neuen Frühjahrssaison 2025 eröffnen und ist am Anfang für 2000 Passagiere ausgelegt. Um den Verkehr in der HafenCity gering zu halten, erhält es zwei unterirdische Stockwerke für eine Tiefgarage. Hier soll auch ein Busbahnhof mit zwölf Parkbuchten entstehen.

Zwei Servicetechniker stehen am Cruise Center Altona neben der Stromverbindung zur „Aidasol“.
Zwei Servicetechniker stehen am Cruise Center Altona neben der Stromverbindung zur „Aidasol“. © picture alliance/dpa | Christian Charisius

Auch mit dem ÖPNV ist das Terminal gut zu erreichen: Die U-Bahn-Station Überseequartier ist weniger als 100 Meter entfernt. Das Obergeschoss wird an einen Caterer vermietet. Es verfügt über eine große Glasfront, aus der man einen schönen Blick auf die Kreuzfahrtschiffe haben wird.

Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe in Hamburg wird ausgebaut

Der gesamte Gebäudekomplex, zu dem neben dem Terminal auch das Westfield-Einkaufszentrum und Hotels gehören, wird derzeit zwar von Anwohnern vor dem Oberverwaltungsgsericht beklagt. Einen Hinderungsgrund für die Fertigstellung sieht Senatorin Leonard dennoch nicht: „Wir sind in sehr guten Gesprächen mit den Anwohnern. Und mit den Tiefgaragen wird es auch keinen Parksuchverkehr geben.“ HPA-Chef Meier versicherte, dass man auch an „intelligenten Lösungen“ für die Belieferung des Terminals und der Schiffe arbeite.

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Das neue Kreuzfahrtterminal, das künftig über zwei Schiffsliegeplätze verfügen soll, erhält auch eine eigene Landstromversorgung. Damit würden alle drei Terminals, die Hamburg künftig betreibt, Altona, Steinwerder und HafenCity, über einen Landstromanschluss verfügen. „Wir haben viele Erfahrungen, auf die wir aufbauen können. Wir werden noch in dieser Woche die Landstromanlage am Cruise Center Steinwerder von den Herstellern übernehmen“, sagte Iris Scheel, Co-Geschäftsführerin des CGH. „Bei dem Thema Nachhaltigkeit sind wir Vorreiter“, ergänzte Meier.

Das Signal an die Kreuzfahrtbranche ist klar: Leinen los! Hamburg wartet auf Euch.