Farmsen-Berne

2,5 Zimmer, 550 Euro – die Wohnung, die niemand wollte

Bezahlbare Wohnungen sind in Hamburg schwer zu bekommen (Symbolfoto)

Bezahlbare Wohnungen sind in Hamburg schwer zu bekommen (Symbolfoto)

Foto: imago/Hoch

Der Fall der Simona Ambrosius und wie schwierig es sein kann, in Hamburg eine bezahlbare Wohnung in guter Lage loszuwerden.

Hamburg. Bezahlbarer Wohnraum in guter Lage, der ist in Hamburg schwer zu bekommen. Manchmal ist es offenbar ebenso schwer, diesen bezahlbaren Wohnraum wieder loszuwerden. So zumindest die Erfahrung von Simona Ambrosius. Seit wenigen Tagen ist die 46-Jährige Mieterin einer Wohnung, die sie seit mehr als einem Monat eigentlich gar nicht mehr haben möchte.

Anfang Mai hatte die Verkäuferin aus Bienenbüttel im Landkreis Uelzen die Wohnung an der Berner Koppel zum 15. Juni angemietet. „Eine ganz tolle Wohnung“, wie Ambrosius sagt. Die U-Bahnhaltestelle Berne ist wenige hundert Meter entfernt, der Berner Gutspark noch näher. Die Wohnung selbst, das sind 64 Quadratmeter. Sie kostet knapp 550 Euro im Monat.

Die zukünftige Mieterin wird arbeitslos

Doch aus der Einstellung, für die sie aus der Lüneburger Heide nach Hamburg ziehen wollte, wurde kurzfristig doch nichts. Zeitgleich lief der Arbeitsvertrag bei ihrem alten Arbeitgeber in Lüneburg aus. Ambrosius: „Ich habe die Sachbearbeiterin bei der Saga über meine wirtschaftliche Notlage informiert und darum gebeten, dass sie die Wohnung erneut den anderen Interessenten anbietet.“ Sie habe die Wohnung nun weder gebraucht, noch sie bezahlen können. Die Frau von der Saga sei sehr nett und ebenso zuversichtlich gewesen, habe ihr aber nichts versprechen wollen, so Ambrosius.

Auch Simona Ambrosius war da noch optimistisch: „Bei der Nachfrage an bezahlbarem Wohnraum in Hamburg und der Vorlaufzeit von fünf Wochen war ich mir sicher, dass sich ein anderer Mieter findet.“ Sie findet zwischenzeitlich eine neue Arbeitsstelle in Lüneburg und kann in ihrer Bienenbütteler Wohnung bleiben.

„Ich habe regelmäßig bei der Sachbearbeiterin angerufen und nachgefragt“, sagt sie. Am 14. Juni erreicht die Verkäuferin die Nachricht, sie müsse am Folgetag die erste Miete und die Kaution zahlen. Sie überweist die Miete und schickt eine schriftliche Kündigung an die Saga – etwa fünf Wochen, nachdem sie ihre Sachbearbeiterin informiert hatte, dass sie die Wohnung nicht mehr haben möchte. Saga-Sprecher Gunnar Gläser sagt dazu: "Eine schriftliche Kündigung ist für eine Neuvermietung zwingend erforderlich. Eine mündliche oder elektronisch übermittelte Kündigung reicht nicht aus."

Simona Ambrosius ist trotzdem ärgerlich. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich innerhalb von fünf Wochen kein neuer Mieter findet.“ Und sie hat Angst. Angst, dass es „noch ein Jahr so weiterläuft“. Denn Ambrosius hatte einen unbefristeten Vertrag unterschrieben mit einen „Kündigungsausschluss von einem Jahr“, wie es heißt.

40.000 Interessenten auf der Wohnungs-Warteliste

Siegmund Chychla, Sprecher vom Mieterverein zu Hamburg, sagt: „Angesichts des Wohnungsmangels in Hamburg kann es eigentlich nicht sein, dass jemand, der so offen und kooperativ ist, büßen muss.“ Immerhin, so Chychla, umfasse die Warteliste beim größten kommunalen Wohunungsunternehmen Deutschlands bis zu 40.000 Interessenten.

Und dennoch sei es nicht so leicht, auf solche Situationen zu reagieren, heißt es aus der Pressestelle der Saga-GWG. Gläser sagt: „Es ist auch nicht in unserem Interesse, dass vermietete Wohnungen ungenutzt sind.“ Im Fall von Simona Ambrosius sei die Saga der Mieterin bereits entgegengekommen. Gläser: „Aus Kulanz verzichten wir auf den einjährigen Kündigungsausschluss.“

Auch habe es trotz ausstehender Kündigung bereits Besichtigungen gegeben, weitere seien geplant. Die Saga sei optimistisch, dass zum 1. Juli, spätestens zum 15. Juli ein Mieter gefunden ist. Gläser: „Trotz Warteliste kann es dauern, einen geeigneten Mieter zu finden.“ Oft seien die Kandidaten selbst an Fristen gebunden oder wollen nicht ad hoc umziehen, sagt er.