Fahrradstadt Hamburg

Realsatire: Woran die Mobilitätswende in Rahlstedt scheitert

| Lesedauer: 2 Minuten
Axel Ritscher
Das neue Straßenschild, das auf Stellplätze speziell für Lastenräder hinweist.

Das neue Straßenschild, das auf Stellplätze speziell für Lastenräder hinweist.

Foto: Bundesanstalt für Straßenwesen

Schon zwei Mal hat der Bezirk versucht, drei Parkplätze eigens für Lastenräder einzurichten. Doch das ist schwieriger als gedacht.

Hamburg. Ohne Verkehrsschild keine Mobilitätswende. Folgerichtig scheiterte der Regionalausschuss Rahlstedt mit der im Herbst letzten Jahres gleich zweimal beschlossene Einrichtung dreier Schrägparkplätze für Lastenräder an der zentralen Rahlstedter Fußgängerzone. Wer Plätze für Spezialfahrzeuge reservieren will, muss laut Straßenverkehrsordnung entsprechende Kennzeichnungen anbringen können, hieß es von Seiten der Polizei. Zuerst sei diesem Mangel abzuhelfen.

Dabei reicht es nicht, dass die Zeichen eindeutig und allgemein verständlich sind. Sie müssen auch ein Zulassungsverfahren durchlaufen und nach Veröffentlichung im Amtlichen Anzeiger im offiziellen Verzeichnis des deutschen Schilderwaldes (BASt Verkehrszeichenkatalog) registriert werden. Nicht bei der Bundesanstalt für Straßenwesen verzeichnete Schilder gibt es sozusagen gar nicht.

Mobilitätswende: Ein Platz für Lastenräder direkt am Wochenmarkt

Vor der Bücherhalle an der Amtsstraße soll in unmittelbarer Wochenmarktnähe ein Kfz-Stellplatz umgewidmet werden, um verkehrswendewilligen Bürgern den muskulären Abtransport von wahlweise größeren Einkäufen oder Kindern zu ermöglichen, begründete die rot-grüne Koalition ihren Vorstoß in Sachen Umverteilung des Straßenraums.

Merke: Auch der Radler will nicht laufen und ist deshalb, wie der Kfz-Führer, im Zuge der Gleichberechtigung auf weiß umrandete Parkplätze direkt am Zielort angewiesen.

Bekommt die Bücherhalle zum Mobilitätskongress im Oktober Stellplätze?

Jetzt kann die Polizei die fortschrittliche Idee umsetzen, hieß es am aus der Politik. Denn jetzt gibt es das Schild 1010-69, das ein langgestrecktes Lastenrad zeigt und somit gleichsam im Vorbeifahren erklärt, dass Lastenräder mit kurzem Radstand nicht existieren. Am Mittwoch wollen die Rahlstedter Kommunalpolitiker das Bezirksamt verpflichten, ein weiteres Mal in der gewohnt höflichen Form beim Polizeikommissariat 38 jene Anordnung zu erbitten, die das Bezirksamt zur Ordnung des ruhenden Lastenradverkehrs befugt.

Lesen Sie auch:

Wenn alles gewohnt glatt und schnell geht, könnte die Bücherhalle Rahlstedt pünktlich zum ITS Weltkongress 2021 im Oktober mit nagelneuen Lastenradparkplätzen glänzen und der Welt zeigen, dass die Verkehrswende in Hamburg kein Hexenwerk ist.

Umbau von Parkplätzen: Die Ausführungsvorschrift ist schon fertig

Als Partner des Kongresses zur intelligenten Mobilität wollen die Bücherhallen dann mit einer speziellen Themenwand verschiedene Zukunftsmobilitätskonzepte der Hamburger Stadtgesellschaft vorstellen. Dafür soll die Verwaltung mit „Informationsmaterial zu weiteren wegweisenden Projekten in Wandsbek“ unterstützen.

Die Chancen stehen gut dafür. Aus informierten Kreisen der Lokalpolitik heißt es, die für den fahrradgerechten Parkplatzumbau erforderliche neue Ausführungsvorschrift sei schon fertig.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wandsbek