Nachverdichtung

Protest gegen geplante Rodung eines Wäldchens in Bramfeld

Protestierte mit einem Konzert im Brakula gegen die Abholzung des Wäldchens an Chaussee: Stefan Gwildis (Archivbild).

Protestierte mit einem Konzert im Brakula gegen die Abholzung des Wäldchens an Chaussee: Stefan Gwildis (Archivbild).

Foto: Juergen Joost

Stefan Gwildis spielte ein Benefizkonzert, Anwohner sind klar dagegen – trotzdem soll die Grünfläche gerodet werden.

Hamburg. Auf einem knapp 10.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Bramfelder Chaussee nahe dem Dorfplatz steht ein todgeweihtes Wäldchen. Praktisch abgeschnitten von öffentlichen Wegen hat es sich jahrzehntelang entwickelt. 160 alte Bäume stehen hier. Jetzt soll gerodet werden.

„Das Wäldchen ist auf Kilometern die einzige zusammenhängende Grünfläche östlich der Chaussee“, sagt Herbert Siegert, Sprecher der Anwohnerinitiative „Bäume statt Beton“. Diese wehrt sich gegen die geplante Abholzung und den mit dem Bebauungsplan Bramfeld 70 avisierten Bau von 64 Sozialwohnungen in vier viergeschossigen Häusern.

Stefan Gwildis gab Benefizkonzert gegen die Rodung des Wäldchens

Umweltbehörde, BUND und CDU haben sich klar dagegen positioniert, Prominente wie Stefan Gwildis haben im Bramfelder Kulturladen (Brakula) gegen die Rodung gesungen, der Umweltsenator und selbst der Bürgermeister wurden angeschrieben. Bislang vergebens. Die Anwaltskanzlei Klemm & Partner steht in den Startlöchern für eine Klage.

Unverständlich ist den Anwohnern, dass der Bebauungsplan im sogenannten „beschleunigten Verfahren“ nach Paragraf 13a Baugesetzbuch erlassen wird, das die Stadt von der Pflicht zur Anfertigung eines Umweltberichts und von Ausgleichsmaßnahmen für Umweltschäden befreit. Der die Umweltbehörde beratende Naturschutzrat hatte unter Verweis auf "um sich greifende Politikverdrossenheit" gefordert, hamburgweit auf das „beschleunigte Verfahren“ zu verzichten.

Im Wäldchen an der Bramfelder Chaussee leben seltene Tierarten

Eben weil das strittige Grundstück nicht ans Straßennetz angebunden ist und kaum von Menschen betreten wird, nistet hier ein Greifvogelpaar, finden sich diverse Fledermausarten und geschützte Molche. Aber die Anwohner sehen nicht nur umweltpolitische Schwachstellen. Die verkehrliche Erschließung der 64 Wohnungen müsste über eine neu zu schaffende kleine Straße erfolgen, die ihrerseits auf eine kleine Straße führen muss, den praktisch einspurigen Mützendorpsteed.

Bezirks-SPD und -Grüne hatten versichert, dass die Einwände der Bürger berücksichtigt werden. Jetzt ist der Plan beschlossen, aber noch ist keine einzige Einwendung der Anwohner beantwortet. Dies werde passieren, wenn der Plan Gesetz sei, erklärte das Bezirksamt Wandsbek. Im Frühjahr, so das Amt, solle die Baugenehmigung erfolgen