Hamburg

„Unhaltbare Zustände“ – die Haspa verlässt Steilshoop

Einkaufszentrum Steilshoop am Schreyerring in Hamburg Steishoop im August 2018

Einkaufszentrum Steilshoop am Schreyerring in Hamburg Steishoop im August 2018

Foto: Michael Rauhe

Auch die Sparkasse kann den Eigentümer des Einkaufszentrums nicht dazu bewegen, Geld in die marode Immobilie zu stecken.

Hamburg. Die Haspa ist nicht die letzte. Aber sie macht die Tür zu in Steilshoop. Die Filiale, einer der letzten großen Gewerbemieter im Stadtteil, schließt am 23. Oktober 2020. Sie folgt damit einer ganzen Reihe von Einzelhändlern, die das marode Einkaufzentrum (EKZ) Steilshoop verlassen. Die „unhaltbaren baulichen Zustände können wir weder den Kunden noch den Mitarbeitern länger zumuten“, erklärte die Haspa.

„Wir mussten die Filiale wegen der erheblichen baulichen Mängel sogar schon zeitweise schließen“, sagte Stefanie von Carlsburg, Sprecherin der Haspa. Vergeblich habe man sich „seit längerer Zeit“ beim Vermieter um eine angemessene Bewirtschaftung der Immobilie bemüht. Alternative, ähnlich große Räumlichkeiten gebe es im Stadtteil nicht. Deshalb bleibe nur die Schließung und der Verweis auf Filialen in anderen Stadtteilen.

Der Eigentümer schweigt zu den Vorwürfen

Zum Bramfelder Dorfplatz seien es 1,6 Kilometer, 1,9 Kilometer zur Fuhlsbütteler Straße 350. In Steilshoop suche die Haspa jetzt einen geeigneten Standort für einen Bargeldautomaten. Ein anderes Geldinstitut gibt es im Stadtteil nicht.

Der Eigentümer, der dänische Investor Henrik Nygaard Johansen, lässt das Nahversorgungszentrum in der Mitte des Stadtteils seit Jahren verkommen. Sein Center-Management antwortete am heutigen Donnerstag nicht auf die Abendblatt-Bitte um Stellungnahme.

CDU-Politiker will durchgreifen

Der Steilshooper CDU-Politiker Sandro Kappe mahnte ein schärferes Vorgehen des Wandsbeker Bezirksamtes gegen die „Machenschaften des Eigentümers“ an. „Die Immobilie ist seit Jahren unattraktiv und verkommt immer mehr. Wasserschäden, Ungeziefer, Vermüllung, gefährliche „Rutschpartien“ bei und nach Regen auf den Fußwegen und ähnliches mehr gehören zu einer Normalität, an die wir uns nicht gewöhnen können. Es muss etwas passieren. Nicht nur für die Läden, sondern auch mit den heruntergewirtschafteten Wohnungen in den beiden Türmen oben auf dem EKZ.“

Nahversorgungszentren bilden die soziale Mitte eines Stadtteils. Verkommen sie, werden die Quartiere für Investoren unattraktiv, die Grundstückspreise sinken. Das ist besonders in armen und sozial problematischen Stadtteilen wie Steilshoop ein Problem, weil damit die Identifikation der Bewohner mit dem Stadtteil sinkt und der Verrohung Vorschub leistet. Das setzt eine Abwärtsspirale in Gang. Die Stadt hat mit dem neuen „Campus Steilshoop“, dem neuen Marktplatz und der Sanierung des Mittelweges durch den Stadtteil zwar erheblich gegengesteuert und gemeinsam mit den privaten Wohnungseigentümern viel investiert, konnte aber das Desaster in der Mitte Steilshoops letztlich nicht auffangen.

Razzia wies bauliche Mängel nach

Immer wieder haben Politik und Bezirks-Verwaltung an den Eigentümer appelliert, das EKZ nicht völlig verrotten zu lassen. Auch ein Runder Tisch brachte keine Ergebnisse. „Das Bezirksamt macht einfach zuwenig“, sagte Kappe. Im Oktober 2019 hatte es die Räumlichkeiten und insbesondere die Wohntürme geprüft und nach eigenen Angaben nichts gravierendes festgestellt. Im November zeichnete laut Kappe dann eine von der Sozialbehörde initiierte Razzia gegen mutmaßliche Sozialbetrüger ein deutlich anderes Bild.

„Es wurden baurechtliche Mängel festgestellt wie z.B. Änderungen der Grundrisse und ungenehmigte Bauten, Flucht- und Rettungspläne passten nicht zu den örtlichen Gegebenheiten“, sagte Kappe. Außerdem seien zum Teil beengte Wohnverhältnisse und Zweckentfremdungen von Wohnungen ermittelt worden. „Es sieht so aus, als hätten die Prüfer des Bezirksamtes nur von außen geguckt und die Häuser gar nicht betreten“, sagte Kappe.

Mit Nadelstichen zermürben

Er forderte eine „Politik der Nadelstiche“ gegen den Eigentümer: Mit regelmäßigen Überprüfungen und zeitweiligen Schließungen müssten ihm die Einnahmen und damit die Lust am Gebäude genommen werden. „Die Stadt sollte das EKZ kaufen“, sagte Kappe. Anders sei der Misere nicht beizukommen.