Wellingsbüttel

Aula der Irena-Sendler-Schule vor dem Abriss

So soll die Irena-Sendler-Schule 2018 aussehen

So soll die Irena-Sendler-Schule 2018 aussehen

Foto: sander.hofrichter architekten GmbH

Rettungsversuch im Alstertal gescheitert: Die Stadt lehnt eine Sanierung ab. SPD-Fraktionschef Dressel setzt auf private Sponsoren.

Wellingsbüttel.  In den 1970er Jahren beneidete das ganze Alstertal die noch Peter-Petersen-Schule heißende Irena-Sendler-Schule um ihre Aula. Für damalige Verhältnisse war sie riesengroß (350 Plätze) mit einer tollen Akustik und einer echten Theaterbühne. Heute kämpfen Schule, Eltern, Institutionen im Stadtteil und die oppositionelle CDU um den Erhalt des abrissgeweihten Rotklinkerbaus. Er soll dem Musterflächenprogramm von Schulbau Hamburg zum Opfer fallen und hat nach dem laufenden Neubau der Schule keinen Platz mehr in den Konzepten der Finanzstrategen.

Die alten, maroden Schulgebäude aus den 1960er Jahren werden derzeit ersetzt. Bei laufendem Schulbetrieb. 38,5 Millionen Euro investiert die Stadt, im Herbst 2017 sollen Schüler und Lehrer umziehen, 2018 die Außenanlagen fertig werden. Doch zum Ärger von Schülern, Eltern und Lehrern schrumpft damit das Raumangebot nach den Flächen-Vorgaben der Behörde von derzeit 12.000 auf unter 10.000 Quadratmeter. Prominentestes Opfer des Flächensparkurses ist die Aula der Schule mit dem Theater-Schwerpunkt.

Dabei gibt es für sie durchaus Interesse auch außerhalb der Schulmauern. Das Sasel Haus, sehr erfolgreiche Institution der Stadtteilkultur und vor allem mit seinen klassischen Kammerkonzerten eine echte Hausnummer auch in der Gesamtstadt, hatte die Aula in einer Kooperation mit der Schule als zweite Spielstätte etablieren wollen. Ohne Erfolg. „Wir können das nicht wie ein kommerzieller Konzertveranstalter drei bis fünf Jahre durchziehen“, sagte Sasel-Haus-Geschäftsführer Friedemann Boltes. „Dafür fehlt uns schlicht das Geld.“ Am 18. April 2015 hatte das Abenteuer mit einem Auftritt von Lotto King Karl begonnen. Jetzt ist es vorbei.

Die Konzertbesucher lasen die Plakate oft nicht bis zum Ende und standen dann in festlicher Abendgarderobe vor dem falschen Konzertsaal: Aus alter Gewohnheit fuhren sie zum Saseler Markt statt in die Wellingsbütteler Schule. „Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagte Boltes.

Aus dem Lehrerkollegium der Schule war zu hören, dass das strikte Nein der Finanzbehörde zum Erhalt der Aula es etwaigen Interessenten für eine Trägerschaft sehr schwer mache, die Aula zu betreiben oder gar zu übernehmen. „Das erschreckt die Leute. Gegen den Finanzsenator zu agieren ist fast schon aussichtslos“, hieß es, „zumal Schulbau Hamburg ins gleiche Horn tutet.“

Neues Raumkonzept stößt bei Schule auf Unverständnis

Der Alstertaler CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering hielt der Finanzbehörde vor, die Auskunft zu den Sanierungskosten zu verweigern und damit der Diskussion um den Erhalt jede Grundlage zu entziehen. „Wer ein Nutzungskonzept erarbeiten will, braucht Kostenschätzungen“, sagte Thering. Schwierig zu liefern wäre sie laut Elternrat nicht: Die Wellingsbütteler Aula sei ein Typenbau: Eines ihrer baugleichen Pendents stehe am Gymnasium Farmsen und wurde saniert.

Die Finanzbehörde bekräftigte auf Abendblatt-Nachfrage ihr Nein zum „unwirtschaftlichen Erhalt“ der Aula und verwies auf die Pausen- und Mehrzweckhalle, die sich im Eingangsbereich des neuen Hauptgebäudes befinde und auch als Kantine genutzt werden soll. Die jüngste Einigung mit der Volksinitiative, nach der die Schulen ab jetzt selbst ein Raumkonzept nach eigenen Bedürfnissen entwickeln können sollen (wir berichteten), habe in Wellingsbüttel keinen Einfluss mehr. „Die Planungen sind abgeschlossen“, sagte Finanzbehördensprecher Daniel Stricker.

„Etwas Zeit haben wir noch“, hieß es Lehrerkollegium und Elternrat. Die Aula solle erst 2018, nach dem Abriss der anderen Schulgebäude, fallen. Dem Raumkonzept der Finanzbehörde begegnet die Schule mit Unverständnis: „Die neu einzurichtende Flüchtlingsklasse ist darin ebenso wenig berücksichtigt wie die Büros der staatlichen Jugendmusikschule, die mit dem Neubau ersatzlos entfallen“, hieß es aus dem Kollegium. „Das Angebot der Musikschule ist also auch in Gefahr.“ An nachmittäglichen Musikunterricht im Rahmen des Ganztags sei gar nicht zu denken. „Musiklehrer sind ja teurer als Erzieher.“

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel, Pate der Irena-Sendler-Schule und für viele Bürgerproteste der letzte Rettungsanker, forderte eine Initiative privater Sponsoren, die er „gern konstruktiv begleiten“ werde. Die öffentlichen Mittel aber seien „endlich“. Dennoch werde die Schule von der Einigung mit der Volksinitiative profitieren Mittel für einen verbesserten Ganztag in den Klassen fünf und sechs bekommen, kündigte Dressel an.