Wandsbek

Bürgerbegehren soll 52 Steilshooper Bäume retten

Baumfällaktion in Steilshoop. Gegner und Befürworter der Baumfällaktion. Befürworter (links): Bernhard Lang, Carsten Heeder, Dennis Paustian-Döscher. Gegner (rechts): Julian Georg

Baumfällaktion in Steilshoop. Gegner und Befürworter der Baumfällaktion. Befürworter (links): Bernhard Lang, Carsten Heeder, Dennis Paustian-Döscher. Gegner (rechts): Julian Georg

Foto: Marcelo Hernandez

Neue Bürgerinitiative akzeptiert Ergebnis der Bürgerbeteiligung nicht mehr und will Steilshoops neue Mitte umplanen.

Steilshoop.  Die neu gegründete Steilshooper Initiative „Kahlschlag stoppen“ will die umstrittenen 52 Bäume in der Steilshooper Mitte mit einem Bürgerbegehren retten. Zur Abstimmung angemeldet und vom Amt bereits zugelassen wurde die Frage: „Sind Sie gegen die Fällung von Bäumen auf öffentlichem Grund im Rahmen der Umgestaltung des Steilshooper Zentrums?“

Bis zum 17. Februar 2016 brauchen die Baumverteidiger 6636 Unterschriften, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Kommt er zustande, können die gut 400.000 Bürger Wandsbeks ihr Votum abgeben, das dann den Stellenwert eines Beschlusses der Bezirksversammlung hat.

„Das unterläuft sieben Jahre Bürgerbeteiligung“, sagte der SPD-Bezirksabgeordnete Carsten Heeder, „das Wettbewerbsergebnis für die neue Mittelachse ist jahrelang breit im Stadtteil diskutiert und im Konsens verabschiedet worden.“ 7,7 Millionen Euro wollen Stadt und private Grundeigentümer in den zentralen Fußweg samt „Markt- und Eventfläche“ investieren.

Steilshooper blockierten Fälltrupps

Als jedoch im Frühjahr die Fälltrupps des Amtes anrückten und zunächst 24 Bäume für den Bau wegnehmen wollten, blockierten einige aufgebrachte Steilshooper aus dem Umfeld des Stadtteilcafés die Fälltrupps und schickten sie nach Hause. Unmittelbar darauf war die Fällsaison abgelaufen. Die Bäume mussten aus rechtlichen Gründen stehen bleiben. Erst im Herbst darf wieder gesägt werden.

Die anschließenden beiden Infoveranstaltungen mit der Verwaltung brachten keine Annäherung im Konflikt, sondern verschärften ihn.

Denn die Baumverteidiger stellten jetzt fest, dass die Fällungen nicht den notwendigen Leitungsarbeiten geschuldet sein sollten, wie es ihnen zunächst mitgeteilt wurde. Stattdessen sollen sie für „Sichtachsen“, „Wegeverbindungen“ und vier Parkplätze weichen. Allerdings hatten zumindest Teile der Protestler um den Wandsbeker Linken-Politiker Julian Georg und den zugewählten Bürger Martin Kersting auf Nachfrage schon im Frühjahr zugegeben, das architektonische Konzept für die neue Mittelachse nicht genau genug gelesen zu haben.

Auch die Zeichnungen, auf denen die zur Fällung vorgesehenen Bäume markiert waren, hatten sie nicht angesehen bzw. die Tragweite der Einträge nicht verstanden. Obwohl sie in den Bürgerbeteiligungssitzungen vorlagen und durchgewunken worden waren. Deshalb hatten Verwaltung und die Vertreter der rot-grünen Koalition in Wandsbek, die das Konzept seit sieben Jahren vorantreiben, mit Unverständnis und Ablehnung auf die verspäteten Wünsche reagiert. Beide Streitparteien warfen sich nun gegenseitig eine „Blockadehaltung“ vor. Im Sommer schwenkte dann die CDU, die sich zunächst neutral verhalten hatte, auf die Linie der Linken und der Protestler ein.

Auch der Petitionsausschuss der Bürgerschaft hatte sich auf Betreiben der Steilshooper mit den Bäumen befasst, allerdings einstimmig für die Fällungen votiert.

Grüner Kontrapunkt zu den Hochhäusern gefordert

Laut Bürgerinitiative entsteht „kein urbanes Zentrum, sondern eine pflegeleichte, autogerechte und menschenfeindliche Fläche.“ Sie fordert einen grünen Kontrapunkt zu den Hochhäusern und der vergleichbar kalten Architektur des Stadtteils. Hintergrund ist vor allem der Streit um den „Marktplatz“ vor dem Einkaufszentrum, der zunächst autofrei sein sollte, jetzt aber befahrbar bleibt und weitgehend baumfrei werden soll.

Er wird auf Betreiben der rot-grünen Koalition für einen Wochenmarkt hergerichtet, obwohl die Marktbeschicker auf Nachfragen bislang keinerlei Interesse daran bekundeten, im einkommenschwachen Steilshoop mit Discountern zu konkurrieren.

Die Protestler hoffen, im Stadtteil bis Herbst erst einmal 2.212 gültige Unterschriften beibringen zu können. Dann tritt eine Sperrwirkung ein, und die Verwaltung darf keine vollendeten Tatsachen schaffen. Also nicht fällen, bis mit Ablauf der Frist am 17. Februar 2016 klar ist, ob das Begehren genug Unterstützer findet und ein Bürgerentscheid anberaumt werden kann.

Ein Sieg der Baumretter würde den Streit freilich nicht entscheiden: Der Senat könnte das Votum des Bezirks kassieren und das Konzept für die Mittelachse trotzdem ohne Änderungen umsetzen.

Ein Bürgerentscheid kostet etwa 250.000 Euro. Ein neuer Baum, den die Stadt im Schnitt mit 20 Zentimeter Stammdurchmesser anpflanzen lässt, liegt laut Statistik bei 1254 Euro. Von Seiten der Protestler hieß es denn auch, man habe das Bürgerbegehren nur „schweren Herzens“ angemeldet. Aber die Stadt habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt.