Erschossener Einbrecher

Räuber von Jenfeld saß bis Mai noch im Gefängnis

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André Zand-Vakili

Die Polizei sucht nach Todesschuss auf den 25 Jahre alten Räuber den unbekannten Komplizen. Stammt er aus der Familie?

Jenfeld.  Nach dem tödlichen Schuss auf einen 25 Jahre alten Räuber in Jenfeld ist gegen den 63 Jahre alten Schützen ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet worden. Der Hauseigentümer hatte keine Erlaubnis für den Besitz der scharfen Pistole. Für den tödlichen Schuss wird er sich vermutlich nicht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann in Notwehr schoss. Trotzdem laufen weiter Ermittlungen wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes. Der 25-Jährige hatte in der Nacht zum Mittwoch in das Einfamilienhaus an der Jenfelder Allee eindringen wollen.

Der getötete Räuber war der Polizei schon bekannt. Der Mann aus dem westafrikanischen Land Niger lebte mit mehreren Verwandten – darunter seine Mutter und sein Bruder – in Dulsberg. Auch zwei Kinder soll er hier haben. Der Mann saß mehr als drei Jahre im Gefängnis und wurde erst vor gut einem Monat entlassen. Die Polizei führte ihn wegen der vielen Straftaten, die er begangen haben soll, als Intensivtäter. Auch weitere Familienmitglieder sind der Polizei wegen Straftaten bekannt. Die Ermittler schließen nicht aus, dass sein Komplize, der unverletzt entkommen konnte, aus dem Familienumfeld stammt. Darauf konzentrieren sich jetzt die Ermittlungen. Ungeklärt ist, warum der 25-Jährige und sein unbekannter Mittäter sich das bereits etwas heruntergekommen wirkende Haus des 63-Jährigen als Ziel ihres Überfalls aussuchten. Dort lebt der Schütze mit seinem kranken Vater.

Der jetzt Erschossene war schon in einen ähnlichen Wohnungsraub verwickelt

Der 25-Jährige tritt die Tür auf – und Dieter B. schießt

Die CDU will den Fall hinterfragen. „Es ist unverständlich, warum ein Mann mit so einer kriminellen Vergangenheit nicht abgeschoben wurde“, sagt Denis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft. Laut Ausländergesetz kann ein Straftäter, der wegen einer oder mehrerer vorsätzlicher Straftaten rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist, laut Paragraf 47 abgeschoben werden. „Nach meinem jetzigen Wissensstand verbüßte der Mann eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren. Wenn das stimmt und keine anderen Hindernisse einer Abschiebung vorlagen, fragt man sich, warum keine Abschiebung erfolgte“, sagt Gladiator. Eine Kleine Anfrage an den Senat in dieser Sache sei in Vorbereitung.

Der Staatsanwaltschaft geht es nach Angaben ihrer Sprecherin „erst einmal darum, den zweiten Tatverdächtigen zu ermitteln und zu klären, ob der Schütze in Notwehr handelte oder nicht“. Tatsächlich dürfte die Vergangenheit des Erschossenen aber eine wichtige Rolle spielen: Der als fast zwei Meter groß und muskulös beschriebene Mann war unter anderem schon in einen ähnlichen Wohnungsraub verwickelt. In der Nacht zum Mittwoch traten die Räuber die Haustür in Jenfeld ein. Der 63-Jährige tötete den 25-Jährigen mit einem Schuss in die Brust.

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