Bundeswettbewerb

Saseler Schüler fertigen Armbänder aus Abfall

Die Chefin und ihr Team: Tabea Weber zeigt die Armbänder, die Kultlaschen herstellt. Die Saseler wurden mit ihrer Idee beste Hamburger Schülerfirma

Die Chefin und ihr Team: Tabea Weber zeigt die Armbänder, die Kultlaschen herstellt. Die Saseler wurden mit ihrer Idee beste Hamburger Schülerfirma

Foto: Michael Rauhe

Schüler gründen Unternehmen. Saseler Kultlaschen vertreten die Hansestadt beim Bundeswettbewerb. Rund 600 Armbänder bisher verkauft.

Hamburg. Von einer Besonderheit abgesehen ist Kultlaschen eigentlich eine ganz normale Firma. Im selbst entwickelten Onlineshop kann jeder Kunde die Produkte bestellen und per Paypal oder Überweisung bezahlen. Das Unternehmen hat eigene Werbefilme und eine Facebookseite. Es besteht aus einem Vorstand, Abteilungsleitern und 14 Mitarbeitern. Der Unterschied: Bei Kultlaschen sind alle Beschäftigten Jugendliche, 15 oder 16 Jahre alt. In dieser Woche machen sie sich auf den Weg nach Berlin. Als bestes Hamburger Schülerunternehmen treten die Oberalster-Gymnasiasten beim Junior Bundeswettbewerb an.

Mehr als 9000 Schüler sind in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb dabei

85.000 Schüler in 6300 Firmen haben seit der Gründung 1994 bei dem Wettbewerb mitgemacht, aus Hamburg waren es 3616 Schüler in 280 Firmen. Tendenz steigend. In diesem Jahr waren es bundesweit gut 9000 Jugendliche in 657 Unternehmen. Bei Junior werden Schüler für ein Jahr befristet Gründer und erlernen die Grundprinzipien unternehmerischen Handelns. Ein dauerhaftes Bestehen der Firmen ist dabei nicht das Ziel, aber schon vorgekommen. So hat ein im Jahr 2000 in Krefeld gegründetes IT-Systemhaus heute 30 Mitarbeiter. Erfolgreich läuft es laut Medienberichten auch beim Münchner Start-up Kragü, die Krawatten zu Gürteln umnähen lassen.

In Sasel gründeten die Schüler des Wahlpflichtkurses Wirtschaft vor acht Monaten ihre Firma. Vorausgegangen war eine lange Diskussion über das Produkt. In einem waren sich die Zehntklässler einig: Ihre Ware sollte ein Beitrag zum Upcycling sein. Dabei werden Abfallprodukte in neuwertige Produkte umgewandelt. In der Endauswahl standen Taschen aus Capri-Sonnen-Verpackungen und Armbänder aus Verschlüssen von Getränkedosen. Die Letzteren machten das Rennen.

„Die Idee stammt von einer Freundin von mir aus den USA, die die Armbänder für sich macht und trägt“, sagt Produktionsleiterin Catriona Butchart. Die Schüler waren überzeugt davon, dass es in Deutschland dafür einen Markt gibt – und begaben sich auf die schwierige Suche nach dem Material. „Wir waren in vielen Supermärkten und haben gefragt, ob wir die Laschen von den Dosen abmachen können“, sagt Vorstandschefin Tabea Weber. Das Problem: Meist werden die Pfanddosen sofort geschreddert, die Verschlüsse sind häufig kaputt. Die Schüler suchten nach einem anderen Weg. Sie schrieben den Dosenhersteller Ball Europe an, der prompt reagierte und ihnen 10.000 Laschen aus einer Fehlproduktion schickte. In einem Kreativmarkt fanden sie das Satinband, das die Laschen miteinander zum Armband verbindet.

Es folgten viele Stunden Handarbeit. Tabea Weber greift eine Lasche, prüft sie auf scharfe Kanten und knickt das Metallstück ab, das die Lasche sonst an der Dose festmacht. Anschließend nimmt sie ein Satinband, legt es in U-Form hin und fädelt eine Lasche nach der anderen auf. „Das Band darf sich nicht verdrehen, die Rückseite des Verschlusses nicht vorne sein“, sagt sie. 19 Verschlüsse werden für ein Armband gebraucht. Zum Schluss kommt das Satinbandende in die Flamme eines Feuerzeugs, damit es nicht ausfranst. „Am Anfang haben wir 40 Minuten für ein Stück gebraucht, jetzt schaffen wir es in zehn Minuten“, sagt Catriona Butchart. Mit einer Schleife wird es am Handgelenk festgemacht.

Rund 600 Armbänder verkaufte Kultlaschen bisher. Auch einen Großauftrag gab es schon. Die schwedische Tourismusorganisation Visitsweden bestellte 100 Stück. „Da haben wir gefühlt Tag und Nacht gearbeitet“, sagt Tabea Weber. Mit silbernen Laschen kostet ein Exemplar 6,95 Euro, das Modell mit goldenen Laschen ist für 7,95 Euro (www.kultlaschen.de) erhältlich. Mehr als 4000 Euro erlösten die Schüler bisher. „Wir haben jetzt das Doppelte von dem in der Kasse, was wir als Startkapital hatten“, sagt Finanzchef Jan-Philipp Kersten. 700 Euro Gewinn verbuchte das Unternehmen. Allerdings setzt es die Arbeitskosten mit 50 Cent pro Stunde auch sehr niedrig an.

200 Euro Gewinn wurden an Unicef als Signal gegen Kinderarmut gespendet

Gut 100 Stunden Zeit investierte jeder aus dem Kernteam der Kultlaschen. Dank ihres Start-ups merkten sie auch, wie eintönig und anstrengend körperliche Arbeit ist. „Uns tun die Finger nach einiger Zeit schon ganz schön weh“, sagt Catriona Butchart. Den Gewinn einer Verkaufsveranstaltung im Alstertal-Einkaufszentrum – immerhin 200 Euro – überwiesen sie daher an Unicef. „Wir spenden gegen die Ausbeutung bei Kinderarbeit“, sagt Marketingleiter Jonas Wimmer.

Für die Zukunft hat das Schülerunternehmen Expansionspläne. „Wir wollen eine Olympia-Edition mit rot-blauem Band machen“, sagt Jonas Wimmer im Hinblick auf Hamburgs Bewerbung für die Spiele. Neben den Armbändern gibt es auch Ohrringe von Kultlaschen. Bald auf den Markt kommen Armbänder aus Lederimitat, die einen Magnetverschluss haben, 13,95 Euro kosten und vor allem Jungs ansprechen sollen. Unabhängig vom Abschneiden beim Bundeswettbewerb in Berlin wolle man in jedem Fall weitermachen, sagt Jonas Wimmer: „Wir wollen unser Armband zum Kult machen.“