Hochbahn-Konzept

Bahnhof Wandsbek Markt wird zum „switchh“-Mobilitäts-Punkt

Mietwagen und Stadträder sollen direkt am Bahnhof als Ergänzung zu U-Bahn, Bus und Taxi bereit stehen. Auch einige andere Bahnhöfe werden bald mit den Umsteigemöglichkeiten ausgestattet.

Wandsbek. Die Hamburger Hochbahn richtet einen Mobilitäts-Service-Punkt am U-Bahnhof Wandsbeker Markt ein. Ende April soll der Bau an der Schloßstraße starten und im Frühsommer abgeschlossen sein. Wie schon an den Bahnhöfen Berliner Tor, Harburg und Bergedorf sollen das Stadtradsystem und der Verleih von Kleinwagen und größeren Autos für Transporte am Eingang zum Bahnhof verzahnt werden, um das Umsteigen auf das jeweils zweckmäßigste Verkehrsmittel zu erleichtern.

Fahrradstellplätze für Privat-Fahrräder unter einer abschließbaren Box, Taxis und der ZOB am Wandsbeker Markt komplettieren das Angebot. Die Handwerkerleistungen sind bereits ausgeschrieben. Für den Bau der Anlage in der Schloßstraße zwischen ZOB und Bezirksamt werden zehn Stellplätze für Pkw verloren gehen. Sie werden für die sechs Kurzzeitmiet-Pkw (Car2go) und die 4 Miet-Pkw (Europ-Car) gebraucht. Wer das „switchh“-Konzept nutzen will, muss Monatskarten-Abonnent sein und zehn Euro zahlen. Dafür bekommt er derzeit noch Rabatte für die Mietwagen, die per Smartphone reserviert werden können.

Wandsbek Markt ist der vierte von insgesamt zehn Mobilitäts-Service-Punkten, die bis Ende 2015 entstehen sollen. Folgen sollen die Bahnhöfe Altona, Schlump und Kellinghusenstraße. Planungen für einen Ausbau laufen auch für Sternschanze, Dammtor/Stephansplatz, Barmbek/Saarlandstraße. Das Hochbahn-Konzept reagiert auf die seit Jahren gegen den Bundestrend wachsende Fahrgastzahl in Hamburg. Im Schnitt nutzen pro Jahr 2,4 Prozent mehr Hamburger Bus und Bahn. Parkplatznot und steigende Kosten für Erwerb und Unterhalt von Privatwagen sowie veränderte Lebensgewohnheiten in der Stadt sind weitere Gründe für die Offensive. Für 2020 rechnet die Bahn mit 525 Millionen Fahrgästen im Jahr. 2012 waren es 433 Millionen.

Den Verkehrsplanern schwebt vor, möglichst viele geschlossene „Mobilitätsketten“ anzubieten, indem Mobilitäts-Service-Punkte an zentrale Einkaufsgebiete andocken. Das soll den privaten Autoverkehr reduzieren und die Straßen für den Wirtschaftsverkehr freihalten.

Die Planung für Wandsbek lief deutlich zäher als erhofft. Der erste Standort an der Wandsbeker Marktstraße scheiterte am Widerstand der Taxifahrer, deren Stand dafür hätte verkleinert werden müssen. Auch der aus Sicht der Hochbahn zweitbeste, weil abseits der Taxis und weniger auffällig platzierte Standort an der Schloßstraße konnte nicht so verwirklicht werden, wie die Verkehrsplaner es gern gesehen hätten.

Die Fahrradbox etwa musste ins Rosenbeet verschoben werden, weil kein Baum geopfert werden sollte und auch der alternative Standort bei den bereits existierenden Fahrradbügeln auf Widerstand gestoßen war. Die Box, 15 Zentimeter höher als die Fahrräder an den bestehenden Bügeln, würde nach Meinung der Stadtplaner im Amt die Blickbeziehung auf die Kirche und den Platz am ZOB stören. Sie musste verschoben werden. Jetzt werden die Radler für das Erreichen ihrer Box den Gehweg queren, was laut Verkehrsplanern Konflikte mit Fußgängern programmiert.

Die Politiker im Verkehrsausschuss Wandsbek fühlten sich von der Planung überrumpelt. Sie gingen noch bis zur zweiten Februarwoche davon aus, dass an der Wandsbeker Marktstraße gebaut werden würde. „Wenn wir gewusst hätten, dass die Hochbahn solche Schwierigkeiten mit den Interessengruppen hat, hätten wir gern geholfen“, sagte der SPD-Fraktionsvize Lars Kocherscheid-Dahm. Die Hochbahn bedankte sich, zog aber jetzt einen verzögerungsfreien Baubeginn vor. Das Amt sah in seiner Informationspolitik keine Versäumnisse.