Schlaganfall

Neue Wohnpflegegemeinschaft für junge Schlaganfallpatienten

Henrik Wentzel hatte einen Schlaganfall. Seine Ehefrau Barbara setzte sich für ein Wohnprojekt ein, in das er ziehen kann

Henrik Wentzel hatte einen Schlaganfall. Seine Ehefrau Barbara setzte sich für ein Wohnprojekt ein, in das er ziehen kann

Foto: Andreas Laible

Das Projekt „Haus für morgen“ bietet Menschen mit Hirnschädigung neue Perspektiven. Weitere Mitbewohner gesucht

Wie soll es weitergehen, wenn ein Familienmitglied in relativ jungen Jahren zum Pflegefall wird? Eine Frage, die sich viele Betroffene und Angehörige stellen. Auch die fünfköpfige Familie Wentzel stand plötzlich vor diesem Dilemma, als Vater Henrik vor sieben Jahren mit 55 Jahren nach einem Schlaganfall auf Betreuung angewiesen war. Wir berichteten auf der Seite „Von Mensch zu Mensch“ über die Bemühungen von Ehefrau Barbara Wentzel, ihren Mann bestmöglich zu versorgen.

Die berufstätige Frau und ihre drei Kinder stießen mit der Pflege zu Hause jedoch bald an ihre Grenzen. Ihren Mann in einer Senioren-Pflegeeinrichtung unterzubringen, war für Barbara Wentzel allerdings keine Lösung. Sie wollte für ihn ein Zuhause ohne Krankenhausatmosphäre, in dem er „in seinen noch vorhandenen Fähigkeiten gefördert werden kann, und nicht nur das Gefühl hat, anderen zur Last zu fallen“, so Wentzel.

Es gab nichts Passendes, also gründete Barbara Wentzel einen Verein

Weil sie nichts Passendes fand, beschloss sie, selbst ein solches Wohnprojekt anzustoßen. Es entstand der Verein „Haus für morgen“. Sein Ziel: eine betreute Wohngemeinschaft für jene Schlaganfall-Patienten, „der vor der Herausforderung steht, in seinem Leben einen neuen Sinn zu finden“, sagt Barbara Wentzel. Die ersten Schritte finanzierte der Verein dank Spenden und Erlösen des Buches „Käsekuchen und Sauerkraut“ (Piper Verlag, 11 Euro). Darin beschreibt Barbara Wentzel mit Miriam Collée, wie sich die Familie durch das krankheitsbedingte Chaos kämpfte.

Bei der Planung des Wohnprojektes ließ sich der Verein von Experten beraten und suchte nach einer Immobilie. Im vergangenen Jahr entstand der Kontakt mit der Heerlein- und Zindler-Stiftung. Die Stiftung betreibt auf einem parkähnlichen Gelände in St. Georg Senioren-Wohnungen und eine Pflegeeinrichtung und baut derzeit einen Gebäudetrakt für Wohn-Pflege-Gemeinschaften um. Dort soll ab 15. Mai auch das „Haus-für-morgen“-Projekt bezugsfertig sein.

Einzelzimmer mit Bad und 24-Stunden-Betreuung

Auf einer Etage wird es dann eine betreute Wohngemeinschaft (WG) mit insgesamt neun Plätzen für Menschen geben, die wegen den Folgen eines Schlaganfalls oder eines Aneurysmas nicht allein leben können. Ausgestattet ist die Wohnfläche mit Einzelzimmern samt Bad für jeden Bewohner. Ein geräumiger Wohn- und Essbereich mit offener Küche bildet das Zentrum für gemeinsame Aktivitäten.

Neben der 24-Stunden-Betreuung durch Fachkräfte soll es auch Angebote wie etwa Musik- oder Kunsttherapie oder Begleitung durch Sozialpädagogen geben. Für nicht von den Krankenkassen bezahlte Maßnahmen strebt der Verein eine Spendenfinanzierung an. Auch Angehörige sollen sich mit Aktivitäten einbringen können, sind aber von der täglichen Pflege entlastet.

Pflegekasse zahlt einen Teil der Kosten - fünf Plätze sind noch frei

Für die Bewohner kommen zur Miete weitere Kosten etwa für die Verpflegung hinzu. Die Betreuung wird zum Teil durch die Leistungen der Pflegekasse gedeckt, da nur Mieter mit Pflegestufe (bis Stufe 4) aufgenommen werden. Auch Wohngruppenzuschläge sind möglich. Mit Henrik Wentzel werden Mitte Mai vier Menschen mit ähnlichem Schicksal einziehen. Doch es gibt auch noch fünf freie Plätze, auf die sich Interessenten bewerben können. Einzelheiten erfahren Betroffene, Angehörige oder Betreuer auf der nächsten Info-Veranstaltung.