Hospiz

Mehr Sicherheit am Lebensende

Birgit Koops (l.), Hospizkoordinatorin bei Pflegen & Wohnen Finkenau, begleitet Bewohnerin Marianne Teichmann

Birgit Koops (l.), Hospizkoordinatorin bei Pflegen & Wohnen Finkenau, begleitet Bewohnerin Marianne Teichmann

Foto: Martina Petersen

Das „Netzwerk Palliative Geriatrie Hamburg“ unterstützt stationäre Pflegeeinrichtungen dabei, Hospizkultur im Haus zu verankern

„Ich lebe richtig gern“, sagt Marianne Teichmann, die seit neun Jahren in der Senioreneinrichtung von Pflegen & Wohnen Finkenau lebt. Aus diesem Grund hat die 76-Jährige das Angebot des Hauses für eine „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ angenommen. Denn durch eine persönliche Krise mit Notoperation und vierwöchigem Aufenthalt auf der Intensivstation hat die alleinstehende Seniorin erfahren, dass eine standardisierte Patientenverfügung im Ernstfall keine ausreichende Klarheit über den Wunsch nach lebenserhaltenden Maßnahmen gibt.

„Die meisten Bewohner ziehen mit einer Patientenverfügung ein, in der sie auf einem Vordruck ihre Wünsche angekreuzt haben“, sagt Birgit Koops, die für die Hospizkoordination der Einrichtung zuständig ist. „In vielen Fällen ist über eine Vorsorgevollmacht nicht geklärt, wer für den Bewohner sprechen soll, wenn er sich selbst nicht mehr äußern kann. Zudem wird in den meisten Familien nicht über die konkreten Wünsche für das Lebensende geredet, weil es ein viel zu emotionales Thema ist.“

Durch eine Ausbildung individuelle Begleitung für Sterbende

Das Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 verpflichtet stationäre Pflegeeinrichtungen zur Kooperation mit ambulanten Hospizdiensten, um eine Begleitung für sterbende Bewohner zu gewährleisten. Die „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“, für die sich ein Berater mit einer einjährigen Fortbildung qualifiziert, ist ein wichtiger Baustein, um in einem längeren Prozess individuelle Wünsche zu ermitteln und festzuhalten. Doch um palliative Kompetenz und eine würdevolle Abschiedskultur im Haus zu entwickeln und zu leben, braucht es mehr.

Das „Netzwerk Palliative Geriatrie Hamburg“, dem derzeit 16 Einrichtungen angehören, unterstützt Altenheime bei der nachhaltigen Umsetzung der gesetzlich gesteckten Ziele. Organisiert wird das Netzwerk von der Beratungsstelle Charon der Hamburger Gesundheitshilfe.

Ärzte und Angehörige werden mit ins Boot geholt

„Bei uns sind zahlreiche Pflegekräfte in Palliative Care geschult und wir kooperieren mit Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung genauso wie mit Hospizdiensten“, erzählt Birgit Koops von der Senioreneinrichtung Pflegen & Wohnen Finkenau, die zu den Pionieren im Netzwerk gehört. „Doch genauso wichtig ist, dass alle Mitarbeiter eine hospizliche Haltung haben und im Gespräch sind. Wenn ein Bewohner beispielsweise nicht mehr essen möchte, holen wir Ärzte und Angehörige zu einer ethischen Fallbesprechung mit ins Boot. Die besprochenen Maßnahmen werden von den Teilnehmern abgezeichnet, was allen Beteiligten die notwendige Sicherheit für ihr Handeln gibt.“

Bei der Vorsorgeberatung mit Marianne Teichmann hat Birgit Koops mehrere Gespräche der Bewohnerin mit ihrem gesetzlichen Betreuer und ihrer Hausärztin moderiert. Die Seniorin hat angesichts ihrer chronischen Erkrankung Entscheidungen über medizinische Behandlungen getroffen und diese genauso wie persönliche Vorlieben und Wünsche für eine Sterbebegleitung schriftlich festhalten lassen. „Das war ein Stück harter Arbeit“, gibt die Seniorin zu. „Aber jetzt, wo alles geregelt ist, kann ich das Thema Sterben abhaken und mich wieder mit voller Kraft dem Leben zuwenden.“

Infos auf www.hamburger-gesundheitshilfe.de/ beratungsstelle-charon/netzwerk-palliative- geriatrie-hamburg.html