Unterstützung für Trauernde

Das Trauerzentrum in Eimsbüttel hat neuen Träger

Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer Maria Traut, Tobias Woydack, Mechthild Miller (v.l.)

Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer Maria Traut, Tobias Woydack, Mechthild Miller (v.l.)

Foto: Sabine Tesche (FMG) / SABINE TESCHE/HAMBURGER ABENDBLATT

Die Diakonie Hamburg hat die Einrichtung für Kinder und Jugendliche übernommen. Trauernde finden hier Gleichaltrige in Gruppen

Mitten im Raum des „Zentrums für Kinder und Jugendliche in Trauer“ steht ein großer Elefant, auf einem Regal ein grüner Eimer, der umgeben ist von Kerzengläsern, die mit Herzen und Blumenmotiven geschmückt sind. Alle Gegenstände dienen dazu, Kinder während ihres Trauerprozesses zu unterstützen.

Der Elefant steht für den Kummer, der oft mitten im Raum ist, der Eimer ist ein „Brülleimer“, in den die Mädchen und Jungen ihre Wut und Traurigkeit hineinschreien können. „Das Glas dient als Erinnerungslicht. Wir zünden es oft als Ritual an, wenn wir eine Gruppe beginnen“, sagt Maria Traut, die seit 2002 als Trauerbegleiterin arbeitet.

Das Zentrum in der Sophienallee wurde vor zehn Jahren als Verein von Ehrenamtlichen gegründet und geleitet, seit diesem Jahr ist der neue Träger die Diakonie Hamburg, die es als wichtige Ergänzung zu ihrem „Zentrum für Beratung, Seelsorge und Supervision“ sieht. „Für die Ehrenamtlichen war es ein zu großer Kraftakt, den Verein alleine weiterzubetreiben, und wir fanden, es passt sehr gut zu unserem Angebot und unserem Auftrag als christliche Seelsorger. Trauer braucht Gemeinschaft, und die können wir geben“, sagt Tobias Woydack, Vorstand des Diakonischen Werks.

Viel Platz für Fragen, um zu toben und zu spielen

Das Trauerzentrum in Eimsbüttel bietet neben Fortbildungen, Beratung für Hinterbliebene und ihre Angehörigen vor allem Gruppen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an. „Wir begleiten die Gruppen, jedoch unserer Erfahrung nach sind Gleichaltrige die besten Experten. Sie kennen sich mit den Gefühlen von Trauer aus, aber auch damit, dass es daneben ein Leben mit Freunden, Musik und Partys geben muss“, sagt Heilpädagogin Traut. Maximal acht Teilnehmer hat eine Trauergruppe, die sich alle zwei Wochen in den Räumen des Zentrums trifft.

Neben festen Ritualen – wie dem Anzünden des Erinnerungslichts – gibt es viel Platz für Fragen, Reflexion und Kreativität. Es gibt einen Tobe- und Chillraum, Tische, an denen gebastelt werden kann. „Manche sitzen die ganze Zeit mit Kapuze über dem Kopf da, das ist genauso in Ordnung, wie wenn Kinder lachen, sich Witze oder schöne Erlebnisse erzählen“, sagt Traut. Jeder kann sich geben, wie er ist, keiner muss etwas vorspielen.

Die meisten bleiben ein Jahr dabei

Der Kontakt zum Trauerzentrum entsteht meistens über ein Elternteil, Lehrer oder Erzieher. Nach einer Schnupperstunde entscheiden sich rund 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen wiederzukommen. Ein Einstieg in einer der altersgerechten Gruppen ist jederzeit möglich, die meisten bleiben ein Jahr dabei.

„Wenn die Gruppe nicht mehr das Wichtigste ist und andere Themen wieder mehr Platz bekommen, ist das für uns oft ein Signal, dass das Kind weiterziehen kann“, sagt Trauerbegleiterin Maria Traut. Für sie und ihre vier Kolleginnen ändert sich nichts durch den neuen Träger, „außer dass sie die Sicherheit bekommen haben, ihre qualifizierte Arbeit im Trauerzentrum weitermachen zu können“, so Pastor Woydack.

Infos: www.kinder-in-trauer.de