Rezension

Marlenes Kampf gegen den Krebs

Marlene Bierwirth beschreibt ihre Krankheit und Genesung in ihrem Buch "Meine Medizin seid ihr"

Marlene Bierwirth beschreibt ihre Krankheit und Genesung in ihrem Buch "Meine Medizin seid ihr"

Foto: Eden Books

Eine Jugendliche beschreibt im Buch und auf Instagram ihre Krankheit. Ein Plädoyer, niemals aufzugeben

Marlene Bierwirth ist 18 und befindet sich mitten im Abitur: Die Prüfungen stehen an, der Leistungsdruck steigt, die Vorfreude auf den Abiball wächst – und dann bringt ein Arztbesuch ihre ganze Welt ins Wanken. Die Diagnose bösartiger Hirntumor reißt die Schülerin aus ihrem gewohnten Leben. Die Schule rückt weit in den Hintergrund und ihr wird schmerzlich bewusst, dass nichts mehr ist, wie es war. Die heute 20-Jährige schreibt in ihrem Buch „Meine Medizin seid ihr!“, wie sie den Kampf gegen die lebensbedrohliche Krankheit aufgenommen hat und wie ihre Familie und Freunde sie auf diesem Weg unermüdlich unterstützt haben. Nach dem Schock der Diagnose begegnet Marlene Bierwirth dem Krebs mit lebensbejahendem Optimismus oder mit makaberem Humor: Als ihre langen Haare ausfallen und sie mit Schulkameraden bei einer Sportprüfung zusieht, fragt sie scherzhaft mit einem Haarbüschel in der Hand, ob jemand Extensions brauche.

Nach jedem Tiefpunkt schöpft sie neue Kraft

Den Verlauf ihrer Therapie beschreibt sie ausführlich, sodass man sich ihr sehr nahe fühlt. Die Faszination über die neuen Eindrücke ist bei ihr oft größer als die Angst vor der Krankheit. Den Klinikalltag kannte sie zuvor nur aus dem Fernsehen, weshalb sie neugierig vieles hinterfragt und ganz angetan von einer Fahrt im Krankenwagen ist. Natürlich leidet sie während ihrer 13-monatigen Therapie auch häufig. Nach der ersten Operation am Hinterkopf etwa fühlt sie sich äußerst schwach und hat immense Schmerzen. Doch dank ihrer Familie und Freunde, die immer an ihrer Seite sind, steht Marlene nach jedem Tiefpunkt wieder auf und schöpft neue Kraft.

Die Frage, warum ausgerechnet sie so schwer erkrankt ist, stellt sich die Schülerin von Beginn an. Auch andere betroffene Kinder und Jugendliche beschäftigen sie sehr. Im Laufe der Zeit findet Marlene Bierwirth eine Antwort: „Ich glaube, dass wir stark genug sind, um es zu schaffen, den Krebs zu besiegen, oder mindestens gut mit der Krankheit umzugehen.“ Und genau diese These stellt sie bis zum Ende der Erzählung unter Beweis. Um anderen Betroffenen zu helfen, hat sie einen eigenen Blog ins Leben gerufen, in dem sie berichtet, wie sie Krankheitserlebnisse und Nebenwirkungen verarbeitet, und erzählt, wie ihre Angehörigen die Situation überstanden haben.

Inzwischen ist sie gesund und Influencerin

Mittlerweile ist sie wieder gesund. Sie ist Botschafterin von „DKMS Life – Kosmetikseminare für krebskranke Frauen“, Influencerin und hat gerade mit einem Studium der Erziehungswissenschaften begonnen. Sie setzt sich für den Kampf gegen Krebs ein und erreicht allein über das soziale Netzwerk „Insta­gram“ mehr als 150.000 Menschen.

Es ist überaus beeindruckend, die junge Frau auf ihrer höchst emotionalen „Reise“ zu begleiten. Marlene Bierwirth hat das Buch geschrieben, damit sie nicht vergisst, „wie stark ich sein kann“. Diese Stärke und Energie sind bewundernswert und eine Inspiration auch für andere, nie aufzugeben.