Kolumne

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Sabine Tesche Redakteurin

Sabine Tesche Redakteurin

Foto: Andreas Laible

Es ist schwierig abzuschätzen, wie man selber reagiert, wenn der Vater oder die Mutter schwer dement werden.

Mit meinen Eltern rede ich immer mal wieder darüber, was wir machen sollen, falls sie dement werden. Vor allem für meine Mutter ist das eine schreckliche Vorstellung, da sie ihre Mutter fast zehn Jahre lang bettlägerig erlebt hat und auch ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es ist, wenn die eigenen ­Eltern einen nicht mehr erkennen und zu hilflosen Menschen werden. Meine Mutter sagt in solchen Gesprächen, sie würde nicht wollen, dass wir sie so erleben, und ich sage dann, das gehöre doch auch zum Leben.

Deswegen hatte ich zunächst wenig Verständnis dafür, als mir eine Kollegin erzählte, dass sie aufgehört habe, ihre schwer demente Mutter zu besuchen. Und ich war erstaunt, dass ihr die Schwestern des Pflegeheims sogar dazu geraten hatten, die Besuche auszusetzen. Ich konnte mir das für mich nicht vorstellen, aber nachdem ich das Interview mit den beiden Fachkräften eines Altenheims (siehe Artikel) geführt habe, denke ich anders darüber. Wenn die Besuche bei dem dementen Menschen so belastend für die Angehörigen wird, dass sie selber krank werden, sollten sie den geliebten Menschen vielleicht lieber so in Erinnerung behalten, wie er früher war, statt den stetigen Verfall hautnah mitzuerleben.