Von Mensch zu Mensch

Streit ums Sorgerecht: Tim braucht seinen Vater

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Viele Männer müssen vor Gerichten und Jugendämtern um Kontakt zu ihren Kindern kämpfen. Ein "entsorgter" Vater aus Norderstedt wehrt sich.

"Vater, Mutter und zwei Kinder, das Bild einer glücklichen Familie?" Klaus T. kann bei diesen Worten nur bitter lachen. Sein Traum vom Zusammenleben in einer fröhlichen Gemeinschaft voll Liebe und Verständnis ist geplatzt. Schlimmer noch: Klaus T. darf seine beiden Söhne Tim und Tom, heute sechs und neun Jahre alt, nicht mehr sehen. Forciert von der Mutter, haben deutsche Gerichte festgestellt: Klaus T. fehlt die Eignung für den Umgang mit dem eigenen Kind.

"Klaus T. ist als Vater jetzt so gut wie vernichtet, ein Paradefall für die Väterausgrenzung", sagt Johannes Zink. Der Diplom-Ingenieur aus Norderstedt bezeichnet sich selbst als "entsorgter Vater" und betreibt das Internet-Portal www.kindernzuliebe.de .

In Deutschland gibt es etwa fünf Millionen Trennungskinder. Das macht rund 30 Millionen Betroffene, wenn man Eltern, Großeltern und Geschwister dazuzählt. Seit der Reform des Kindschaftsrechts 1998 teilen sich eheliche Eltern das Sorgerecht, auch nach einer Scheidung. Das Kind hat ein Recht auf Umgang mit Vater und Mutter. Laut Gesetz müssen Eltern alles unterlassen, was die Beziehung des Kindes zum jeweils anderen Elternteil stört.

Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Anwälte, Ämter und Gerichte machen es vielen Gutwilligen schwer, sich nach Trennung oder Scheidung noch als Vater um den Nachwuchs zu kümmern. Auch wenn es Männer gibt, die ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen oder sich gar nicht um ihre Kinder kümmern, so sind doch andererseits riesige Aktenberge und enttäuschte Kinder immer häufiger Zeugen eines verzweifelten Kampfes von Vätern um Umgangs- und Sorgerecht.

Klaus T. und seine Frau trennten sich vor fünf Jahren. Sie zog mit den Kindern aus. Zuerst durfte der Vater seine beiden Söhne alle zwei Wochen für einen Tag sehen. "Aber nach zwei Jahren wollte die Mutter das nicht mehr", berichtet Johannes Zink. "Sie warf dem Vater vor, ihm fehle es an Feinfühligkeit und Verständnis für die Kinder." Besonders Tom, der Ältere, litt darunter und wollte den Vater nicht mehr besuchen.

Zink stellt hier eine Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation Syndrome PAS) fest: Kinder trauen sich nicht, Sympathien für den abwesenden Elternteil zu entwickeln, weil sie fürchten, auch den Kontakt zum betreuenden Elternteil zu verlieren.

Die Mutter der Jungen setzte vor Gericht durch, dass Klaus T. seinen Sohn Tom nicht mehr sehen durfte. Eigentlich nur für ein Jahr, mittlerweile sind drei Jahre daraus geworden. Seinen Sohn Tim durfte er weiterhin alle zwei Wochen treffen und in die Arme schließen - bis vor Kurzem. Da hat ein Gericht entschieden, dass auch Tim und sein Vater bis auf Weiteres keinen Kontakt mehr haben dürfen. Klaus T. soll sich einer Gutachterin stellen.

"Das tut er nicht mehr", erklärt Johannes Zink, "denn die Gutachterin hat Klaus T. schon zweimal als völlig erziehungsunfähig gebrandmarkt. Er gibt jetzt auf. Es ist für diesen Vater die Hölle. Und für die Kinder erst recht, darauf nimmt niemand Rücksicht."

Dass es auch anders geht, zeigt der Gerichtsbezirk Cochem in Rheinland-Pfalz mit der "Cochemer Praxis". Es geht darum, die Eltern so zu schulen, dass sie sich als Eltern gemeinsam um die Kinder kümmern - selbst wenn sie als Paar getrennt sind. Umgangsboykott ist in Cochem nicht möglich.

"Kinder lieben beide Eltern", sagt Johannes Zink. "Das ist in unserer menschlichen Natur so angelegt. Das erzwungene Fernbleiben des Vaters führt zu nachhaltigen Fehlentwicklungen der jungen Menschen, das ist belegt. Die - oft mit hässlichen Begleiterscheinungen vollzogene - Ausgrenzung eines Elternteils raubt den betroffenen Kindern die Hälfte ihrer Identität."

Kontakt: zink@kinderzuliebe.de

Väteraufbruch für Kinder, Hamburg, www.vafk-hh.de

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