Hamburger Schulbehörde

Die Kunst- und Musikreform wird vertagt

Die Hamburger Schulbehörde scheitert auch mit neuem Vorschlag zur Stundentafel. SPD-Vertreter in der Deputation lehnen ihn ab.

Hamburg. Die Deputation der Schulbehörde hat die Entscheidung über die neuen Stundentafeln der Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien verschoben. In dem Gremium hatte Schulsenator Dietrich Wersich (CDU) einen geänderten Entwurf für das Schuljahr 2011/12 vorgelegt. Die Deputierten der SPD-Fraktion stimmten der überarbeiteten Version jedoch nicht zu.

Die erste Fassung des Stundentafel-Entwurfs hatte im Januar teils starken Protest bei Hamburgs bildenden Künstlern ausgelöst. Wersich hatte für die Grundschule vorgeschlagen, im Fach bildende Kunst keine feste Zahl von Unterrichtsstunden vorzusehen - im Gegensatz zum Fach Musik. Die Mindestforderung der Künstler: Das Fach bildende Kunst solle der Musik in der Grundschule gleichgestellt werden - vier Wochenstunden verpflichtend.

Nach öffentlicher Diskussion über Stellenwert und Umfang von Schulunterricht in Musik und bildender Kunst legte die Schulbehörde den Deputierten jetzt eine geänderte Fassung zur Zustimmung vor. Die sah unter anderem vor, alle Künste - also Musik, bildende Kunst und darstellendes Spiel - gleichzustellen und in den Jahrgangsstufen 1 bis 6 zum Pflichtunterricht zu machen. Für alle drei Fächer waren für die vier Grundschuljahre mindestens 14 Wochenstunden vorgesehen - zwei mehr als im ersten Entwurf.

Anfang der Woche hatte der Landesmusikrat Hamburg die Deputation der Schulbehörde aufgefordert, den Entwurf für die Stundentafeln der Grundschule, der Stadtteilschule und des Gymnasiums abzulehnen. Diesmal sorgte die aus Sicht des Musikrates Unterversorgung der Grundschüler mit Musikunterricht für Empörung. Die geplante Stundentafel der Grundschule sei - was Musik und bildende Kunst betreffe - ein Scherbenhaufen, hatte Professor Wolfhagen Sobirey als Präsident des Landesmusikrates der Deputation geschrieben.

Aus Sicht von Ties Rabe, Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hat die neue Stundentafel-Version zwei Probleme nicht geheilt: "Es war wieder ein Schnellschuss, der nicht mit den Lehrerverbänden und Fachleuten abgestimmt worden ist." Der eigentliche "Webfehler" liege allerdings darin, dass die Mehrstunden an der Grundschule für die Unterrichtsfächer Theater, Religion und Englisch aus dem Musik- und Kunstkontingent herausgeschnitten worden seien. Der Pflichtstundenanteil für Musik und Kunst sei nach wie vor zu gering. "Daher begrüße ich die Entscheidung der SPD-Deputierten, dem Entwurf nicht zuzustimmen", sagt Ties Rabe. Musik und Kunst dürften nicht zum Steinbruch für andere Bildungsvorhaben werden.

Die Deputation wird - voraussichtlich in neuer Zusammensetzung entsprechend der neu gewählten Bürgerschaft - am 20. April zusammenkommen. Wersich bedauert die Verzögerung: "Die Schulen hätten diese Stundentafeln jetzt für ihre Planungen und Lehrereinstellungen dringend gebraucht." Das sieht Ties Rabe anders: "Die Schulen arbeiten seit dem Sommer mit der alten Version der Stundentafel." Jetzt sei es wichtig, sorgfältig in Abstimmung mit Künstler-, Musiker-, Theater- und Lehrerverbänden eine Stundentafel zu erarbeiten.