Frank Beuster will Jungen helfen, Männer zu werden

Hamburg. Wenn es nach Frank Beuster geht, dann sollten Jungen in ihrem täglichen Umfeld von einer Vielzahl von Männern umgeben sein. Die Realität sieht anders aus. "Viele Kinder wachsen in Ein-Eltern-Familien auf, aber jedem Jungen tut eine Vielfalt von Männer-Persönlichkeiten gut. Es reicht auch nicht der Vater. Es braucht auch den Großvater, den Onkel, den Lehrer, den Trainer", sagt der Hamburger, der seit mehr als 20 Jahren Lehrer ist. Er hat an seiner Schule, der Gesamtschule Bergstedt, vor einiger Zeit sein "Jungen-Paten-Projekt" eingeführt. Dem 49-jährigen Pädagogen, selbst Vater von zwei Jungs, ist es ein großes Anliegen, dem Männermangel in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen und im privaten Umfeld etwas entgegenzusetzen.

Der Verein "Paten-t für Jungen" bietet regelmäßige Treffen zwischen Jungen und Männern an, die bereit sind, sich Zeit zu nehmen. Die gemeinsamen Treffen (etwa einmal im Monat) finden im Normalfall in der Schule statt, gelegentlich stehen auch Ausflüge an. Bei diesen Treffen können Jungen endlich einmal reale Männer als Vorbilder erleben. "Jungs muss man mit Inhalten locken, die sie interessant finden." Ob Schnitzen, Segeln oder mit dem Förster nachts in den Wald gehen, "das sind Dinge, die Jungs Spaß machen", sagt Beuster. Voraussetzung, um Pate zu werden: "Verbindlichkeit und die Fähigkeit, über die eigene Männerrolle nachzudenken. Es wird genau vereinbart, was man leisten kann. Diese Männer sind keine Leihväter, sondern Paten, die Zeit spenden."

Beuster hat mit mehreren Schulen Kooperationen vereinbart und ist dabei, weitere Kontakte zu knüpfen. Wie notwendig es ist, sich um Jungs zu kümmern, untermauert der Jungenfachmann mit ein paar statistischen Zahlen: "Es gibt doppelt so viele männliche Sitzenbleiber wie weibliche, mehr als zwei Drittel der Sonderschüler sind Jungen, von den Schulabgängern ohne Abschluss sind dreiViertel männlich. Und die Zeugnisnoten von Jungs sind im Schnitt um eine Note schlechter."

Wenn den Jungs männliche Vorbilder fehlten, dann würden sie stark verunsichert, "dann suchen sie sich ihre Vorbilder im Mainstream. Das sind falsche Rollen-Bilder, die sind nicht alltagstauglich", sagt Beuster.

Buchtipp: "Die Jungenkatastrophe. Das überforderte Geschlecht". Von Frank Beuster, rororo Taschenbuch, 352 Seiten, 8,95 Euro