Programm "Gesund macht Schule"

Prävention: Schüler lernen Gesundheit

Foto: AOK

Das Besondere: Schulpatenärzte unterstützen Lehrer und Eltern ehrenamtlich mit medizinischem Fachwissen.

Zu dick, zu träge, physisch belastet - um die Gesundheit vieler Kinder steht es nicht gut. Jeder sechste Schüler ist übergewichtig, jeder dritte leidet an Stresssymptomen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus landen, hat sich in Hamburg seit 2000 verdoppelt. Das Thema Gesundheit wird immer wichtiger - auch an Schulen.

Um den Gesundheitsunterricht an Grundschulen stärker zu verankern, hat die Ärztekammer Hamburg gemeinsam mit der AOK Rheinland-Hamburg das Präventionsprogramm "Gesund macht Schule" initiiert. Das Besondere: Die Ärztekammer vermittelt ehrenamtliche Patenärzte, die den Schulen mit medizinischem Fachwissen zur Seite stehen. Außerdem können die Schulen je nach Bedarf die unterschiedlichen Bausteine des Konzepts nutzen. Dazu gehören speziell aufbereitete Informationsmaterialien zu Themen wie "Mein Körper beim Arzt", "Bewegung und Entspannung" oder "Essen und Ernährung" sowie Fortbildungsangebote.

Im Rheinland läuft "Gesund macht Schule" schon seit 2001 erfolgreich, in Hamburg starteten die ersten Schulen 2008. "Durch gezielte Prävention ist so manche Erkrankung vermeidbar. Gemeinsam wollen wir Lehrer und Eltern darin unterstützen, den Kindern einen guten und gesunden Umgang mit sich selbst beizubringen", sagt der Hamburger Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery.

Er trifft damit ins Schwarze: Eine aktuelle Forsa-Studie im Auftrag der DAK und der Zeitschrift "abc KinderForum" ergab, dass zwei Drittel der befragten Eltern finden, das Thema Gesundheit sollte stärker im Unterricht berücksichtigt werden. In Hamburg zieht es sich als Querschnittsaufgabe durch den Sachkundeunterricht aller vier Grundschuljahre. "Wir wollen gerade diese Kinder ansprechen, weil in dem Alter bestimmte negative Verhaltensweisen noch nicht aufgetreten beziehungsweise nicht so stark ausgeprägt sind", sagt Thomas Bott, stellvertretender Regionaldirektor der AOK in Hamburg. Derzeit beteiligen sich zwölf Grundschulen an dem Präventionsprogramm.

Von Anfang an mit dabei ist die Schule Möllner Landstraße (Billstedt). Neben gesunder Ernährung und Zahnpflege steht dort die motorische Entwicklung der Kinder im Mittelpunkt. "Viele Kinder bewegen sich gar nicht mehr an der frischen Luft und haben kein Gleichgewichtsgefühl", sagt Schulleiter Jürgen Tiberius. Um orthopädische Probleme möglichst früh zu erkennen, beobachten die beiden Patenärztinnen die Schüler im Sportunterricht. Eine weitere Idee, die aus der Zusammenarbeit entstanden ist: "Damit sich die Kinder mal so richtig austoben können, wird die Turnhalle einmal in der Woche zur Abenteuerlandschaft umgebaut, die der Natur nachempfunden ist", sagt Tiberius.

Auch die Schule Rothestraße in Ottensen beteiligt sich an "Gesund macht Schule". "Für uns ist der Kontakt zu unserer Patenärztin besonders wichtig", sagt Schulleiterin Susanne Wagner. Unter anderem hat Allgemeinmedizinerin Cadja Baumann eine Unterrichtseinheit mit Untersuchungsstationen entwickelt, bei der die Kinder sich gegenseitig Herz und Lunge abhören, Reflexe prüfen und Lungenfunktionen testen konnten. "Es ist ein sinnvolles Projekt zur Gesundheitsförderung, weil es sehr früh ansetzt", sagt Bachmann. "Allerdings wäre es langfristig besser, das Thema fester im Stundenplan zu verankern."