Kiel

Falscher Polizist wegen Bandenbetrugs vor Gericht

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Der 28-jährige Angeklagte soll als falscher Polizist ältere Menschen um mehrere 100.000 Euro betrogen haben.

Der 28-jährige Angeklagte soll als falscher Polizist ältere Menschen um mehrere 100.000 Euro betrogen haben.

Foto: Axel Heimken/dpa

28-Jähriger soll mehrere Senioren im Norden um ihr Erspartes gebracht haben – in einem Fall geht es um Gold im Wert von 200.000 Euro.

Kiel. Meist waren die Beute 20.000 bis 25.000 Euro Bargeld, abgelegt in einem Stofftuch in einer Mülltonne oder auf dem Reifen eines Wohnmobils. In einem Fall brachten falsche Polizisten ihre Opfer gar um 4,5 Kilogramm Gold - mehr als 200 000 Euro wert. Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs falscher Polizisten muss sich ein 28-Jähriger seit Mittwoch vor dem Kieler Landgericht verantworten. Dem Angeklagten werden 14 vollendete und ein versuchter Betrug vorgeworfen, wie Staatsanwalt Benedikt Bernzen zu Prozessbeginn sagte.

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde der Prozess unterbrochen. Noch am Mittwoch sollte es ein Verständigungsgespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht geben.

Der Angeklagte soll sich mit weiteren, gesondert verfolgten Tätern im Januar 2019 zu einer Bande zusammengeschlossen haben und von Bremen aus zunächst als Koordinator der Gruppe fungiert haben. Im Juni 2019 setzte er sich in die Türkei ab und stieg dort zum Mitbetreiber eines Callcenters auf, das hinter den Betrügereien stand. Bei einem der Fälle in Kiel gelang es Polizisten jedoch bereits im März 2019, einen der sogenannten Abholer festzunehmen. Die mitangeklagten Fälle spielten sich in der Folgezeit ab.

Falscher Polizist in Kiel vor Gericht

Die Bande habe wiederholt und systematisch vornehmlich ältere Menschen ins Visier genommen, „um diese um ihr Erspartes zu bringen“, sagte der Staatsanwalt. Das Muster war dabei immer ähnlich: Sogenannte Keiler riefen die späteren Opfer an, teils über Stunden. Am Telefon gaben sie sich als Polizisten Wagner oder Borowski aus.

Sie warnten die teils weit über 80 Jahre alten Angerufenen davor, Opfer eines Verbrechens zu werden. Beispielsweise sei deren Anschrift bei einem festgenommen Verbrecher aufgefunden worden und diese seien ebenfalls ins Visier geraten. Ihre Opfer saßen in Kiel, Lübeck und andernorts.

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Die Opfer glaubten, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen und übergaben das Geld dafür entweder direkt den Abholern oder deponierten es an verabredeten Punkten - beispielsweise im Stofftuch in einer Papiertonne oder auf dem Rad eines bestimmten Wohnmobils. Es ging um fünfstellige Bargeld-Beträge. Getäuscht hätten die Opfer die Vermögenswerte ausgehändigt, sagte der Staatsanwalt. Die Gesamtsumme beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Euro.

28-Jähriger in U-Haft

Der nun in Kiel vor Gericht stehende Mann stammt aus Bremen. Von dort aus soll er zunächst „als sogenannter Inlandslogistiker“ die Abholer angeworben und entlohnt sowie die Beute entgegengenommen und in die Türkei weitergeleitet haben, wie Bernzen sagte. Dessen Frau habe als Kurier gewirkt, eine Cousine Flüge gebucht und Beute entgegengenommen.

Für den Kieler Prozess sind zunächst fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Der 28-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft.

( dpa )

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