Bad Bramstedt

20.000 Euro Schaden durch selbst gedruckte Leergut-Bons

| Lesedauer: 2 Minuten
Thomas Geyer
Der 21-Jährige stellte sich die Leergutbons aus, ohne Pfandflaschen abgegeben zu haben. (Symbolbild)

Der 21-Jährige stellte sich die Leergutbons aus, ohne Pfandflaschen abgegeben zu haben. (Symbolbild)

Foto: picture alliance

Der 21-Jährige arbeitete in einem Getränkemarkt und betrog seinen Arbeitgeber schließlich so dreist, dass er aufflog.

Neumünster.  Seinem Arbeitgeber schuldet der ehemalige Kassierer eines Getränkemarkts in Bad Bramstedt jetzt 20.000 Euro. Auf diesen Betrag sollen sich die Leergut-Bons summiert haben, die sich der 21-Jährige aus Kaltenkirchen im Dienst heimlich selbst ausdruckte. Weil der Angeklagte zur Tatzeit noch nicht ganz volljährig war, kam er am Dienstag im Amtsgericht in Neumünster mit einer Verwarnung davon.

Die Untreue-Vorwürfe im Prozess vor der Jugendrichterin beschränkten sich auf einen Teil der ursprünglich ermittelten Fälle. Demnach erstellte der Mitarbeiter innerhalb von zwei Wochen 38 Pfand-Bons im Gesamtwert von 7800 Euro. Die Identität zweier Strohleute, die sich damit an seiner Kasse Einzelbeträge zwischen 50 und 300 Euro auszahlen ließen, gab er vor Gericht nicht preis.

1800 Euro Flaschenpfand an einem Tag – da fiel der Leergut-Trick auf

Es war, als hätte er die Lizenz zum Gelddrucken. „Wie im Jackpot-Rausch“ will sich der junge Mann dabei gefühlt haben. Am Ende trieb er es wohl zu weit: Als der Schwindel im Juni des vergangenen Jahres aufflog, hatte er seine Komplizen an einem einzigen Tag mit neun Pfand-Bons versorgt. Die Summe: 1800 Euro. „Das schafft kein professioneller Flaschensammler“, stellte die Jugendrichterin fest.

In einer schriftlichen Erklärung räumte der Verteidiger den Vorwurf ein, betonte jedoch, der Angeklagte habe nur „auf Drängen Dritter“ gehandelt. Er selbst sei bei dem Leergut-Schwindel völlig leer ausgegangen. Peinlich nur, dass sein Mandant einem Sozialpädagogen der Jugendgerichtshilfe das Gegenteil erzählt hatte: Ihm gegenüber räumte er ein, auch selbst profitiert zu haben.

16 Jahre lang monatlich 100 Euro: Der 21-Jährige darf seine Schulden abstottern

Dem geprellten Arbeitgeber unterschrieb der Angeklagte bereits ein notariell beglaubigtes Schuldanerkenntnis über 20.000 Euro. Demnach muss er die Summe mehr als 16 Jahre lang mit Monatsraten à 100 Euro abstottern. Die Supermarkt-Kette habe den jungen Mann „überrumpelt“, um einen vollstreckbaren Titel durchzusetzen, monierte der Verteidiger.

Die Jugendrichterin folgte seinem Antrag, auf die Einziehung der erschlichenen 7800 Euro zu verzichten. Der arbeitslose Angeklagte ist nicht vorbestraft, erlangte 2018 die Mittlere Reife und wohnt noch bei seinen Eltern. Laut Urteil muss er jetzt 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Auch als Sühne für das begangene Unrecht“, erklärte die Richterin. Im Jugendrecht dominiert jedoch der Erziehungsgedanke. Deshalb soll in den nächsten drei Monaten ein Betreuungshelfer den 21-Jährigen bei der Berufsfindung und der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen. Zuletzt hatte der Kaltenkirchener nach eigenen Angaben bei Amazon gearbeitet. Dort habe man ihm wieder gekündigt, „weil sie schon so viele hatten“.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Blaulicht