Großneumarkt

St. Pauli – HSV: Schwangere nach Fan-Schlägerei verletzt

Im Wirtshaus Paulaner's sollen St.-Pauli-Fans HSV-Anhänger angegriffen haben. Zehn – auch unbeteiligte – Menschen wurden verletzt.

Hamburg. Das Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli wirft seine dunklen Schatten voraus. In einem Lokal am Großneumarkt ist es am Freitagabend zu einer heftigen Schlägerei gekommen. Zwölf Menschen wurden laut den Einsatzkräften verletzt.

"Gegen 21 Uhr stürmten etwa 15 mit roten Schlauchschals vermummte mutmaßliche St.-Pauli-Fans überfallartig ein Lokal am Großneumarkt", sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth am Sonnabendmorgen. In dem Lokal hielten sich demnach neben etwa 20 mutmaßlichen HSV-Fans auch mehr als 50 Gäste ohne Fußballbezug auf.

Schlägerei unter St.-Pauli- und HSV-Fans im Wirtshaus Paulaner's

Der Betriebsleiter des Wirtshauses Paulaner's sagte dem Abendblatt, dass gegen 21.10 Uhr plötzlich von außen Scheiben zertrümmert wurden. "Die Vermummten suchten offenbar gezielt die Konfrontation", sagte Abbenseth. Die Fangruppen gingen aufeinander los, dabei seien auch Stühle und Bierkrüge geflogen, weitere Scheiben gingen zu Bruch. Außerdem versprühte eine Person Reizgas.

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Bevor die alarmierte Polizei das Wirtshaus erreichte, flüchteten beide Fangruppen. Zehn unbeteiligte Gäste des Lokals erlitten durch das Reizgas Atemwegsreizungen, darunter zwei schwangere Frauen. Zwei Personen seien zusätzlich wegen Kopfplatzwunden von Rettungskräften behandelt worden. Vier Menschen kamen anschließend ins Krankenhaus. Die Kneipe am Großneumarkt ist völlig verwüstet.

Fangruppen wollen an der Reeperbahn aufeinander losgehen

Wenig später setzte sich am Neuen Kamp ein Fanmarsch von etwa 600 St.-Pauli-Fans in Bewegung. Dabei sei auch Pyrotechnik gezündet worden, sagte Abbenseth weiter. Etwa 300 Beteiligte versammelten sich an der Ecke Hein-Hoyer-Straße/Reeperbahn und warfen laut Polizei unter anderem Glasflaschen auf die Beamten.

"Um zu den gegnerischen HSV-Fans zu gelangen, wurde auch hier versucht, die Polizeikette zu durchbrechen", so Abbenseth. Derweil versuchten wiederum etwa 100 HSV-Fans, zu den Anhängern des FC St. Pauli zu gelangen. Die Polizei konnte ein gewaltsames Aufeinandertreffen der Gruppen aber nach eigenen Angaben verhindern. Zeugen berichten, dass Beamte dabei auch Schlagstöcke und Reizgas eingesetzt haben. Die Fangruppen zogen sich jeweils in Lokale zurück.

Sieben mutmaßliche St.-Pauli-Fans festgenommen

Nach Mitternacht kontrollierten Polizisten Kleingruppen mutmaßlicher St.-Pauli-Fans an der Budapester Straße. Sieben Menschen seien vorläufig festgenommen worden. Sie bekamen ein Aufenthaltsverbot auf St. Pauli und rund um das Volksparkstadion erteilt, dann wurden sie entlassen. "Es wird jetzt geprüft, inwieweit den Personen eine Beteiligung an der überfallartig begangenen Auseinandersetzung in dem Lokal am Großneumarkt nachgewiesen werden kann", sagte Abbenseth.

Wegen der aufgeheizten Lage am Abend vor dem Derby war die Hamburger Polizei, unterstützt durch Kräfte aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Bundespolizei, mit einem Großaufgebot im Einsatz. "Die Vorfälle zeigen, dass das Konzept der Fantrennung erforderlich und auch richtig ist", sagt Timo Zill, Leiter der Presseabteilung der Polizei. Zill kündigte an, dass die Polizei dieses Vorgehen im Verlauf des Einsatzes am Sonnabend während des Derbys konsequent fortsetzen werde.