Prozess

Mordanschlag auf Hells-Angels-Boss: BGH hebt Urteil auf

Polizisten sichern Spuren neben dem Auto auf dem Millerntorplatz, nachdem Schüsse gefallen waren.

Polizisten sichern Spuren neben dem Auto auf dem Millerntorplatz, nachdem Schüsse gefallen waren.

Foto: Michael Arning

Grund ist ein Verfahrensfehler. Erneute Verhandlung soll in Hamburg stattfinden. Mord war aus Rache in Auftrag gegeben worden.

Hamburg. Der Prozess um die Schüsse auf Hells-Angels-Boss Dariusch F. muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil gegen Arash R., den Drahtzieher des Angriffs, aufgehoben und den Fall zur erneuten Verhandlung nach Hamburg zurückverwiesen (Az: 5 StR 542/19 ). Grund hierfür ist ein Verfahrensfehler der für den Fall zuständigen Strafkammer: Diese habe ihre schriftliche Urteilsbegründung einen Tag zu spät vorgelegt, rügte der BGH. Anfang Juni hatte das Landgericht Arash R. (29) – Ex-Mitglied der inzwischen aufgelösten Hamburger Rocker-Gang Mongols – zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er aus Rache einen Mord an Dariusch F. in Auftrag gegeben hatte.

In dem neuen Prozess wird nicht nur gegen Arash R. verhandelt, sondern vermutlich auch gegen dessen Vater Torgjali R. und den eigentlichen Attentäter. Möglicherweise ließen sich die Verfahren verbinden, sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen. Erst vor einer Woche war Torgjali R. verhaftet worden. Offenbar hatte der 73-Jährige nicht geahnt, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermittelte.

Vater und Sohn planten Mord gemeinsam

Unmittelbar nach seiner Verhaftung erhob sie Anklage gegen den Taxifahrer wegen (mittäterschaftlichen) versuchten Mordes. Demnach planten er und sein Sohn den Mord an Dariusch F. gemeinsam, zudem soll er die Tatwaffe beschafft haben. Wegen versuchten Mordes wird sich im neuen Verfahren auch der 27 Jahre alte mutmaßliche Auftragsmörder verantworten müssen. Laut Anklage soll Arash R. den Schützen über Mittelsmänner angeworben haben. Gegen 10.000 Euro habe sich der Bulgare bereit erklärt, Dariusch F. zu erschießen.

Am 26. August soll er sich mit Lisa S., der Freundin von Arash R., getroffen haben. Gemeinsam sollen sie Dariusch F. vor dessen Stammlokal auf St. Pauli aufgelauert haben. Weil der Rockerboss das Lokal in Begleitung verließ, habe sich der Schütze geweigert, ihn auf auf offener Straße zu erschießen. Stattdessen wies er laut Anklage Lisa S. an, dem Bentley des Hells Angels zu folgen und sich am Millerntor mit dem Auto neben ihn zu stellen. Von der Beifahrerseite aus soll er fünf Schüsse auf Dariusch F. abgefeuert haben. Der Rocker überlebte das Attentat, ist seither aber querschnittsgelähmt.