Bramfeld

Abgelegte Frauenleiche in Hamburg: Der Fall bleibt mysteriös

Die Polizei hat bisher keine Hinweise darauf, wer den leblosen Körper einer Frau vor einem Mehrfamilienhaus abgelegt hat.

Hamburg. Der rätselhafte Fall um die abgelegte Leiche einer 50 Jahre alten Frau in Bramfeld wird möglicherweise nicht aufgeklärt. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage bestätigte, gibt es derzeit keine weiteren Anhaltspunkte darauf, wer den leblosen Körper von Felicia O. in der Nacht zum 11. November vor ein Mehrfamilienhaus am Scheidingweg gelegt hat. "Die Ergebnisse der Sektion des Leichnams gaben keine Hinweise darauf, dass die Frau eines unnatürlichen Todes gestorben sein könnte", so der Sprecher.

Den Polizeiangaben zufolge sei das Ablegen der Leiche selbst keine Straftat. Felicia O. war nach Abendblatt-Informationen vor ihrem Tod bei einem Bekannten im Scheidingweg zu Besuch gewesen und selbst an einer anderen Adresse gemeldet. Nach dem Auffinden der Leiche war der 37-jährige Nigerianer in seiner Wohnung angetroffen worden. Ein Verfahren gegen ihn wegen einer Straftat, etwa wegen unterlassener Hilfeleistung, wurde bislang nicht eröffnet. Derzeit gibt es deshalb keine weiteren Ermittlungen der Polizei.

Nachbar hatte Unbekannten beobachtet

Ein Augenzeuge hatte den Vorfall am späten Abend des 10. November beobachtet. Er habe nur eine Zigarette auf dem Balkon rauchen wollen, sagte er dem Abendblatt. „Dann habe ich Geräusche gehört, es hat mehrfach geknallt.“

Er beobachtete, wie ein Mann aus der Tür des Wohnhauses gegenüber kam, etwas hinter sich herschleppte. Zuerst dachte er an Müll – aber was der Unbekannte trug, sah aus wie ein Arm. Nachdem der Zeuge zurück in seine Wohnung gegangen war, um die Polizei zu rufen, war der Mann verschwunden.

Kein Tatverdacht gegen einen 55-jährigen Mann

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot von 15 Streifenwagen am Scheidingweg in Bramfeld an. Nach Abendblatt-Informationen gibt es Hinweise darauf, dass sie bereits mindestens mehrere Stunden tot war, als ihre Leiche in der Kälte abgelegt wurde.

Die Polizisten nahmen noch in der Nacht des Leichenfundes einen 55-jährigen Mann an dem Wohnhaus fest, überprüfte seine Personalien. „Es ergab sich in der Folge jedoch kein Tatverdacht gegen den Mann“, sagte Polizeisprecher Daniel Ritterskamp.

Ablegen der Leiche ist eine Ordnungswidrigkeit

Ob der Vorfall strafrechtlich relevant war, wurde sofort von den Ermittlern geprüft . Grundsätzlich kommt laut Staatsanwaltschaft eine Störung der Totenruhe nach Paragraf 168 des Strafgesetzbuches infrage. Dafür muss ein Leichnam nach dem Gesetzestext aber „unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten“ entwendet oder daran „beschimpfender Unfug“ ausgeübt werden. Auch die Beschädigung von Grabstätten ist strafbar. Beides kam im aktuellen Fall aber nicht in Frage.

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Sollte der Verantwortliche noch identifiziert werden, erwartet ihn jedoch ein Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit. „Jede Leiche ist unverzüglich nach der Feststellung des Todes in eine Leichenhalle zu überführen“, heißt es im Hamburger Bestattungsgesetz. Und weiter: „Leichen sind in verschlossenen, feuchtigkeitsundurchlässigen, widerstandsfähigen Särgen ohne vermeidbare Unterbrechung zum Bestimmungsort zu befördern“.

Auch besteht eine generelle Pflicht zur ordnungsgemäßen Bestattung. "Sollten sich neue Hinweise auf eine Straftat ergeben, werden wir diesen selbstverständlich nachgehen", sagte der Polizeisprecher Ritterskamp.