Cold Case

Ein Hamburger Mordfall von 1994 wird neu aufgerollt

Heike Uhde, die Leiterin des Cold Case Unit bei der Hamburger Polizei.

Heike Uhde, die Leiterin des Cold Case Unit bei der Hamburger Polizei.

Foto: André Zand-Vakili

Polizei verfolgt neue Spur und sucht mit Phantombild nach Zeugen. Vor 25 Jahren wurde ein 86-jähriger Rentner in Barmbek getötet.

Hamburg.  Fast genau 25 Jahre ist es her, dass der 86 Jahre alte Rentner Bernhard H. ermordet wurde. Nun hat die Cold Case Unit der Hamburger Polizei den Fall neu aufgerollt. Der 86-Jährige war in seiner Wohnung an der Lauensteinstraße erstickt worden. Jetzt hat die Polizei ein Phantombild, das Bewegung in den Fall bringen soll. Es zeigt eine Frau, die am Tattag 1994 zusammen mit einem Mann im Treppenhaus des Gebäudes gesehen wurde, in dem der Mord geschah.

Es war ein grausamer Tod, den Rentner Bernhard H. sterben musste. Ihm waren Taschentücher in den Mund gestopft worden, an denen er qualvoll erstickte. Zuvor hatten der oder die Täter ihn mit bunten Geschenkbändern gefesselt. Dann wurde die Wohnung des 86-Jährigen durchwühlt. Dabei wurden umgerechnet rund 3000 Euro erbeutet.

Die Tat war schnell entdeckt worden. Der Rentner, der nach dem Tod seiner Frau ein Jahr zuvor zurückgezogen in der Erdgeschosswohnung lebte, hatte zwar kaum Kontakte hier in Hamburg. Er telefonierte aber jeden Tag gegen 19.30 Uhr mit seinem Neffen in Hannover. Er und seine Frau waren auch die einzigen Personen, von denen bekannt ist, dass sie hin und wieder den alten Herrn besuchten. Als am 19. Oktober 1994 der Anruf ausblieb, bat der Verwandte eine Nachbarin des 86-Jährigen, nach dem Mann zu schauen. Die entdeckte Bernhard H. tot im Flur.

Rentner ermordet: Ermittlungen brachten keine konkreten Hinweise

Die Mordkommission rückte an. Spuren wurden gesichert und Nachbarn befragt. Dabei kam heraus, dass der 86-Jährige an diesem 19. Oktober 1994 von Anwohnern gegen 16.40 Uhr gesehen wurde, als er auf dem Balkon seiner Wohnung eine Zigarette rauchte. In den drei Stunden danach muss er überfallen und getötet worden sein.

Die Ermittlungen der Polizei brachten keine konkreten Hinweise auf Tatverdächtige. Sicher scheint jedoch: Der misstrauische Rentner hatte dem oder den Tätern offenbar freiwillig die Wohnungstür geöffnet. An ihr konnten keine Einbruchsspuren entdeckt werden. Auch über andere Zugänge war niemand gewaltsam in die Wohnung eingedrungen.

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Verdacht: Rentner in Barmbek von Serientäter ermordet

Wenige Jahre später hieß es dann, dass der 86-Jährige Opfer eines Serientäters geworden sein könnte. 1995 wurde eine Rentnerin (80) in ihrer Wohnung an der Habichtstraße in Barmbek erstochen. Die Witwe hatte sich gerade Kaffee aufgesetzt und ein Brötchen geschmiert, als sie dem Täter die Tür geöffnet haben muss. Der schlug sie und rammte ihr dann mehrfach ein Messer in Hals, Brust und Rücken. Auch in diesem Fall war es ein Raubmord. Der Täter erbeutete umgerechnet 500 Euro.

Bereits 1993 war eine damals 78-Jährige am Glindweg in Winterhude in ihrer Wohnung erwürgt worden. Der Täter raubte eine grüne Geldkassette, in der umgerechnet wenige Hundert Euro waren. 1998 war es dann eine 73-Jährige, die in ihrer Wohnung an der Otto-Speckter-Straße in Barmbek überfallen und beraubt wurde. Die Frau überlebte, lag aber danach im Koma.

Cold Case rollt den Barmbek-Mord von 1994 neu auf

Die Polizei führte die vier Fälle zusammen. Das passierte nicht nur damals, sondern auch jetzt im Rahmen der wieder von Cold Case – unter Leitung von Kriminalhauptkommissarin Heike Uhde – aufgenommenen Ermittlungen. Uhde hatte die Einheit, die viele ungeklärte Fälle auf neue Ansatzpunkte überprüft, erst im November 2018 übernommen. Mittlerweile gehen die Beamten davon aus, dass es hier keine Zusammenhänge mit dem Mord an Rentner Bernhard H. gibt.

Allerdings befragten die Beamten erneut eine Zeugin von damals. Die Frau erinnerte sich an ein Pärchen, das sie am Tattag im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses gesehen hatte. Beide gehörten dort nicht hin und waren dort noch nie gesehen worden.

Mit Phantomskizze: Polizei bittet um Hilfe

Auch jetzt, fast genau ein Vierteljahrhundert nach ihrer Beobachtung, konnte sie zumindest die Frau so gut beschreiben, dass eine Phantomskizze angefertigt werden konnte. Sie war damals etwa 45 Jahre alt, knapp 1,75 Meter groß und hatte kinnlange, auffällig rote Haare und eine „knubbelige“ Nase. Sie trug eine Jacke und einen Rock sowie eine auffällige Hornbrille mit goldenen Bügeln.

Vom Mann ist dagegen deutlich weniger bekannt. Von ihm weiß die Zeugin nur, dass er damals etwa 55 Jahre alt war und eine Stoffhose, ein Jackett und einen Hut trug. „Wir sehen das Pärchen zunächst als mögliche Zeugen“, so ein Beamter. Die Staatsanwaltschaft erwirkte den richterlichen Beschluss für eine Öffentlichkeitsfahndung, die auch für Phantomskizzen nötig ist. „Wir suchen jetzt Personen, die Angaben zu dem Phantombild machen können“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. „Es besteht auch die Möglichkeit sich anonym an die Polizei zu wenden.“

Hinweise zu dem Fall nimmt die Polizei über das Hinweistelefon des Landeskriminalamtes unter der Nummer 4386-567 89 entgegen.