Psychiatrie

Schwere Vorwürfe gegen UKE nach Tod eines Patienten

Ein 34-jähriger Psychiatrie-Patient war gewaltsam fixiert worden, Tage später starb er. Augenzeugen erheben schwere Vorwürfe.

Beschreibung anzeigen

Der 34-jährige William T. war von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes gewaltsam fixiert worden. Zeugen äußern sich in Videos.

Hamburg. Der Tod eines Psychatrie-Patienten sorgt für Empörung und schwere Vorwürfe gegen das UKE. In Videosequenzen, die dem Abendblatt vorliegen, berichten mehrere Zeugen davon, dass der 34-jährige Kameruner William T. von Sicherheitspersonal der Klinik bei einer Fixierung gewalttätig angegriffen worden sei. Die Wissenschaftsbehörde kündigte auf Anfrage an, die Abläufe und der konkrete Fall genau zu überprüfen. Inzwischen liegt nach Beginn der polizeilichen Ermittlungen auch ein vorläufiges Obduktionsergebnis vor.

Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft starb William T. demnach an einer „sauerstoffmangelbedingten Hirnschädigung infolge eines Herzversagens“. Bislang kann damit weder eine äußere Todesursache, ein Herzversagen infolge der unmittelbaren Aufregung in der Situation noch eine andere Todesursache ausgeschlossen werden. Weitere Untersuchungen sollen nun ergeben, ob auch Vorerkrankungen des Mannes (mit-)ursächlich für seinen Tod gewesen sein könnten. Die Frage, ob Gewalt eine Rolle gespielt habe, sei Gegenstand der Ermittlungen wegen des Verdachts auf eine Körperverletzung mit Todesfolge.

Schwere Vorwürfe an Klinik und Sicherheitsdienst

Das UKE hatte in einer ersten Stellungnahme von einem „medizinischen Zwischenfall“ gesprochen. William T. war offenbar zunächst freiwillig in Behandlung, sollte schließlich aber in eine geschlossene Unterbringung gebracht werden. Dabei hätte der Patient durch den „zwischenzeitlich hinzugerufenen Sicherheitsdienst fixiert werden müssen, als er aus ungeklärten Umständen zusätzliche medizinische Hilfe benötigte.“ Der 34-jährige wurde nach dem Vorfall am Ostersonntag zunächst auf der Intensivstation behandelt, verstarb dort jedoch am vergangenen Freitag.

Mitglieder der Gruppe „Black History Month“ und Linken-Politiker hatten dagegen von Hinweisen auf eine massive Gewalteinwirkung gesprochen. Vor allem die Schilderungen mehrerer Menschen, die den Vorfall beobachtet haben wollen – darunter weitere Patienten der Psychiatrie – werfen Fragen auf.

„Du konntest sehen, dass der Mann Angst hatte“

William T. habe demnach zunächst friedlich gewirkt und eine Zigarette im Außenbereich des Klinikums geraucht. Anschließend seien zunächst mehrere Pflegerinnen mit einem Glas Wasser und einem Medikament zu ihm gegangen. „Es ging dann darum, dass er die Tablette nicht nehmen wollte“, so eine Zeugin. Drei Sicherheitsleute seien hinzugekommen und hätten ihn zunächst gebeten, mit ihnen zurück in das Gebäude zu gehen.

Als William T. erneut Nein sagte, hätten sie ihn sofort auf den Boden gedrückt. Danach habe die Zeugin nur gesehen, „wie sie ihn immer wieder getreten haben“, so eine Frau in einer der Videosequenzen.

Ein weiterer Mann gab an, durch die Schreie des 34-Jährigen auf die Szene aufmerksam geworden zu sein und ebenfalls schwere Tritte in die Rückengegend von William T. beobachtet zu haben: „Du konntest sehen, dass der Mann Angst hatte.“ In der Folge sei William T. in die Sitzposition aufgerichtet worden, habe eine Spritze bekommen und sei erneut zusammengebrochen.

Spuren von Gewalteinwirkung an William T.s Körper

Wie es aus dem Umfeld der Ermittlungen heißt, sind tatsächlich auch Spuren von Gewalteinwirkung am Körper von William T. festgestellt worden. Nach bisherigem Stand sei es aber sehr unwahrscheinlich, dass William T. nur wegen der körperlichen Angriffe starb.

Im Raum steht auch die Frage, ob es rechtmäßig war, den Mann zu fixieren und William T. unter extremen Stress zu setzen. Dies kann im Ermessen des Pflegepersonals und auch der Sicherheitsleute einer psychiatrischer Station liegen, wenn ein Patient eine akute Gefahr für sich oder andere darstellt. „Die fehlende Bereitschaft, sich ärztlich behandeln zu lassen, rechtfertigt für sich allein nicht die Unterbringung“, so ein Sprecher.

Behörde: Keine schweren Verfehlungen des Sicherheitsdienstes bekannt

Nach Abendblatt-Informationen litt William T. eigenen Angaben zufolge bereits seit seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 2008 an paranoider Schizophrenie. Er kam laut Ausländerbehörde zunächst mit einem Visum nach Hamburg, um an der TU Harburg Ingenieurwissenschaften zu studieren. Er verlor später seinen Aufenthaltstitel und wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, nach dem er auf St. Pauli ein Glas auf Personal eines Lokals geworfen hatte. Aktuell klagte der Mann gegen einen abgelehnten Asylantrag. Wie es aus Ermittlungskreisen heißt, sind neben einem früheren Gaumenödem offenbar keine weiteren körperlichen Vorerkrankungen des Mannes bekannt.

Eine Sprecherin des UKE drückte den Hinterbliebenen des Verstorbenen ihr Mitgefühl aus. Nach Auskunft der Wissenschaftsbehörde sind keine ähnlichen Vorfälle oder schwere Verfehlungen des Sicherheitsdienstes aus den vergangenen Jahren bekannt. Ob die betroffenen drei Mitarbeiter aktuell weiter im Dienst sind, wollte die Sprecherin nicht kommentieren: „Zu Personalangelegenheiten geben wir aufgrund des Personaldatenschutzes keine Auskunft.“