Hamburg

Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen im UKE

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Foto: Michael Rauhe

Sicherheitsleute haben den 34-Jährigen am Ostersonntag fixiert – nun starb der Kameruner. Links-Fraktion ist entsetzt.

Hamburg. Nach einem Einsatz von Sicherheitsleuten in der psychiatrischen Abteilung des Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE) ist ein 34-jähriger Patient aus Kamerun am Freitag auf der Intensivstation gestorben. Das hat das Klinikum am Wochenende mitgeteilt. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Die Linken-Bürgerschaftsfraktion fordert nun eine vollständige Aufklärung des Vorfalls.

UKE spricht von „medizinischem Zwischenfall“

Das UKE teilte mit, dass es am Ostersonntag bei der Unterbringung eines hilfsbedürftigen Patienten in der Psychiatrie zu einem „medizinischen Zwischenfall“ gekommen sei. Der Patient habe sich der Anordnung widersetzt und musste durch den „zwischenzeitlich hinzugerufenen Sicherheitsdienst des UKE fixiert werden, als er aus bisher ungeklärten Umständen zusätzliche medizinische Hilfe benötigte“. Der Patient habe dabei das Bewusstsein verloren. Das ärztliche und pflegerische Personal habe umgehend die medizinische Versorgung vor Ort eingeleitet und weitere Hilfe angefordert.

Mit Entsetzen reagierte die Linken-Bürgerschaftsfraktion auf den Tod des Patienten. „Mein Beileid und Mitgefühl gelten der Familie des Verstorbenen", sagte Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Links-Fraktion am Sonntag. "Der schwerwiegende Vorwurf der unverhältnismäßigen Gewaltanwendung mit Todesfolge muss vollständig aufgeklärt werden." Auch Zwangsmaßnahmen und der Einsatz von Sicherheitsleuten in den Hamburger Kliniken gehörten auf den Prüfstand. "Daher fordern wir, dass sich der Gesundheitsausschuss in der kommenden Sitzung unter Beteiligung der Verantwortlichen des UKE mit diesem Vorfall befasst“, sagte Celik.

Zum Gedenken: Blumen und Kerzen vor dem UKE

Auch seine Fraktionskollegin Christiane Schneider hatte via Twitter gefordert, dass der "gewaltsame Tod" des Patienten restlos aufgeklärt werden müsse. Dazu postete sie ein Foto, das vor dem UKE aufgenommen wurde: Dort hatten Menschen Blumen in Gedenken an den verstorbenen 34-Jährigen abgelegt und Kerzen aufgestellt.

Am Sonntag versammelten sich Dutzende Menschen vor dem UKE und forderten ebenfalls Aufklärung. "Wir wollen die Wahrheit" stand auf einem der Transparente der Trauernden.

Wie die Tageszeitung „taz“ berichtet, hätten ein Mitarbeiter des Sicherheitspersonals Nieren und Rücken des Wehrlosen traktiert. Die „taz“ titelt: „Patient ins Koma geprügelt?“ Laut den Augenzeugen, die ebenfalls Patienten im UKE sind, habe der Betroffene sich im offenen Bereich der psychiatrischen Abteilung des UKE aufgehalten. Er habe draußen gesessen, als eine Mitarbeiterin der Klinik sowie drei Männer des Sicherheitsdienstes ihn aufforderten, ein Medikament zu nehmen. Als er sich weigerte, seien sie auf ihn losgegangen, schreibt die „taz“.

Gebetswache am UKE

Der aus Kamerun stammende Patient habe sich freiwillig in der Klinik befunden. Bei der Security handelt es sich um den Sicherheitsdienst „Klinik Logistik & Engineering“ (KLE), eine Tochtergesellschaft des Universitätsklinikums. Laut "taz" soll ein UKE-Mitarbeiter von rassistischen Beleidigungen durch den Sicherheitsdienst berichtet haben.

Die Gruppe „Black History Month Hamburg“ hat den Fall an diesem Sonnabend öffentlich gemacht. Sie bezeichnete den Übergriff als „rassistisch“. Der Patient sei eine Stunde lang reanimiert und dann in ein künstliches Koma versetzt worden. Die Gruppe hatte für Sonnabend zu einer Gebetswache aufgerufen.