Reeperbahn

Autofahrerin schleift Mann mit – Bewährungsstrafe

Das Opfer klammerte sich an die Scheibenwischer und schrie um Hilfe. In der Folge verlor der 42-Jährige seinen Job.

Hamburg.  Kopflos, intuitiv, panisch: Wenn man hört, wie Nicola P. ihr Verhalten am Steuer beschreibt, war an jenem Tag für ein vernünftiges, ruhiges Fahren offenbar kein Raum mehr. Im Januar vergangenen Jahres, nach einem leichten Auffahrunfall auf der Reeperbahn, hätte sie einfach abwarten und ihre Personalien angeben, dazu eventuell auf die Polizei warten können. Doch die 37-Jährige gab Gas und ließ zu, dass ihr Unfallgegner auf ihrer Motorhaube landete, sich dort festklammern musste und nach etlichen Metern hinunterstürzte und sich schwer verletzte.

Jetzt steht die Hamburgerin unter anderem wegen Unfallflucht und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schöffengericht. Sie habe an jenem Abend nach einem Streit mit ihrem Freund ein Glas Wein getrunken und gefürchtet, nach dem leichten Unfall ihren Führerschein loszuwerden – wieder einmal.

Unfallgegner lehnte 100 Euro ab

Schon zuvor hatte sie ihre Fahrerlaubnis mehrfach eingebüßt, unter anderem wegen Alkohols am Steuer. Also habe sie ihrem Unfallgegner 100 Euro angeboten, um den Fall gütlich zu regeln. Als dieser ablehnte, sei sie in einer „Kurzschluss­reaktion“ losgefahren.

Bei der nächsten Ampel hatte sich der Mann vor ihr Auto gestellt, da fuhr sie einfach weiter. Weil der 42-Jährige „wirklich, wirklich böse“ gewirkt habe, habe sie vor ihm Angst gehabt. Als er auf ihrer Motorhaube hing und sich an den Scheibenwischern festhielt, fuhr Nicola P. leichte Schlangen­linien, „damit er loslässt“. Dann fuhr die Hamburgerin nach Hause. „Für mein Verhalten entschuldige ich mich“, sagt sie heute.

Opfer verlor seinen Job wegen Krankschrift

Ihr Unfallgegner berichtet, wie er auf dem Wagen der 37-Jährigen hing und „um Hilfe schrie. Ich hatte nur den Scheibenwischer in der Hand, dann fiel ich runter.“ Zeugen berichten, wie das Opfer „reglos auf dem Boden gelegen“ habe. Bei dem Sturz erlitt der 42-Jährige unter anderem eine Gehirnerschütterung und eine Beckenprellung, war sechs Wochen krankgeschrieben.

Durch die lange Fehlzeit habe er seinen Job verloren, erzählt der Zeuge. Ein Jahr und sieben Monate Haft mit Bewährung lautet schließlich das Urteil des Schöffengerichts. Und ihren Führerschein ist Nicola P. erneut los – diesmal für fünf Jahre.