Polizeikonzept

Auto-Brandstifter: Polizei setzt auf Handy-Ortung

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Die Ermittler wollen die Jagd auf Auto-Brandstifter jetzt auch mit technischen Methoden intensivieren. Drei Monate wird das Konzept getestet.

Hamburg. Das Polizeikonzept gegen die wachsende Zahl von Auto-Brandstiftungen nimmt Formen an. Drei Monate lang will Innensenator Michael Neumann (SPD) das im LKA ausgearbeitete Maßnahmenpaket dem Vernehmen nach ausprobieren, bevor es einer endgültigen Bewertung unterzogen wird. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass vermehrt regional kundige Beamte Jagd auf die Täter machen sollen. Zudem sollen hochtechnisierte Fahndungsmethoden eingesetzt werden.

Unter anderem setzt die Polizei, wie aus Ermittlerkreisen durchsickerte, auf Telefonüberwachung. Dabei soll nach Abendblatt-Informationen unter anderem untersucht werden, welche Mobiltelefone zum Zeitpunkt von Anschlägen an entsprechenden Tatorten registriert wurden. Die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen würden derzeit noch überprüft, heißt es aus der Behörde.

Hintergrund: Moderne Mobiltelefone lassen sich relativ genau orten. Die Polizei kann durch das Auslesen sogenannter Funkzellen feststellen, welcher Handynutzer sich zu welchem Zeitpunkt wo befunden hat. Stellen die Ermittler fest, dass eine bestimmte Nummer häufiger im Umfeld von Brandorten auftaucht, können sie den Besitzer des Telefons zum Gespräch bitten.

Möglich erscheint auch, dass die Ermittler etwaige Fluchtbewegungen verfolgen können. Allerdings erfordern entsprechende Maßnahmen viel Zeit und Personal. Gerade in dicht besiedelten Wohngebieten, wo sich die meisten der bislang mehr als 120 Autobrandstiftungen des laufenden Jahres ereigneten, sind in jeder Funkzelle Dutzende Mobiltelefone registriert. Erfasst werden die Telefone nämlich nicht nur, wenn von ihnen Daten ausgesendet werden. Auch Handys, mit denen aktuell nicht telefoniert wird, sind gewöhnlich für Fahnder durch das Auslesen der Funkzelle sichtbar.

Weitere Details zum Konzept sollen nach dem Willen von Innensenator Neumann nicht an die Öffentlichkeit dringen. "Manchmal ist es besser, wenn ein Gegenüber nicht weiß, wie man sich verhält", sagt Neumann dem Abendblatt. Klar ist, dass der Senator wie auch die Polizeiführung stärker lokale Polizeibeamte in die Suche nach den Tätern einbinden will. Die bis zu 200 Personen starke Soko "Florian", die für Schwerpunkteinsätze im gesamten Stadtgebiet eingesetzt wurde, war relativ erfolglos geblieben.