Landgericht Hamburg

Feuerwehrmann gesteht neunfache Brandstiftung

Heiko K. legte Feuer in Curslack und Langenhorn - und leidet unter Burn-out-Syndrom. Er galt als besonders zuverlässig und hilfsbereit.

Neustadt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Langenhorn-Nord hatten viel zu tun in den frühen Morgenstunden des 8. Mai. An der Langenhorner Chaussee brannte es an drei Stellen gleichzeitig: Die Feuerwehrleute hielten noch mit der Löschspritze auf den brennenden Carport, als Wehrführer Stefan Laska, 44, die Hiobsbotschaft erhielt. Die Polizei habe den mutmaßlichen Brandstifter in der Nähe festgenommen, es sei einer von ihnen - ein Feuerwehrmann. "Es war noch eine Nachbarwehr im Einsatz. Ich hatte gehofft: Lass es bloß nicht einen von uns sein", sagt Laska vor dem Landgericht. Bei der Polizei wurde die düstere Ahnung zur Gewissheit. "Ich hatte nicht damit gerechnet, einen Namen zu hören, den ich kenne."

Doch er kannte ihn nur zu gut, diesen Namen, der zu jenem jungen Mann gehört, der seit 2005 bei der Langenhorner Feuerwehr arbeitete - Heiko K. Der 31-Jährige galt als besonders zuverlässig und hilfsbereit, und er war mehr als ein x-beliebiger Kamerad. "Wir hatten ein sehr, sehr herzliches Verhältnis", sagt Laska.

Die Ermittlergruppe "Florian", die Jagd auf Autozündler machte, hatte den Täter noch in der Nacht geschnappt. Auch wenn in dem Carport zwei Autos (ein Mercedes 320 CLK und ein Golf Cabrio) verbrannten - ein politischer Hintergrund fehlte hier völlig. Vor dem Landgericht steht seit gestern ein junger Mann, dem das Zündeln offenbar eine krankhafte Befriedigung verschafft. "Er hat gesagt, dass er einen Drang verspürt, etwas anzuzünden, wenn er Alkohol trinkt", sagt Feuerwehrmann Knut Bölke, 45. Ein Alkohol-Sachverständiger sitzt nicht umsonst mit ihm im Gerichtssaal. Im Suff soll er einmal dem Hund seiner damaligen Freundin fast alle Knochen gebrochen haben. Heiko K. erzählte den Beamten nach seiner Festnahme, er habe mal eine Katze erwürgt. "Wenn ich Alkohol trinke", gestand er, "bin ich ein anderer Mensch."

Heiko K. wirkt niedergeschlagen zum Prozessauftakt. In sich zusammengesunken, ganz in Schwarz gekleidet, sitzt er da, die Stirn in Dauerstress-Falten, die Finger ineinander verkeilt wie Schraubstöcke. Neunmal hat er Feuer gelegt, das hat er gestern gestanden. Zuerst 2001 in Curslack, als er nach einem Feuerwehrfest angetrunken die Reetdächer einer denkmalgeschützten Kate und eines Wohnhauses ansteckte. Dann geschah sieben Jahre nichts, erst 2008 zündelte er weiter, immer wieder entlang der Langenhorner Chaussee. Mal fackelte er ein Partyzelt ab, dann eine Garage direkt neben dem neuen Gerätehaus seiner Feuerwehr, einen Schuppen, eine Plastiktonne, eine Holzlaube. Und zweimal wütete er auf dem Grundstück der Familie seiner Ex-Freundin, zuletzt an jenem 8. Mai, als er den Carport und die zwei Autos in Brand steckte. Die Familie war gerade einen Tag aus dem Urlaub zurück, als sie das Inferno miterleben musste. "Die Ex-Freundin fürchtete gleich einen Racheakt von Heiko K.", sagt Polizistin Sandra G., 32.

Nur wenige Meter vom Tatort entfernt hatte sich Heiko K. hinter einer Mülltonne versteckt. Das kam den Polizisten gleich verdächtig vor, sie verhafteten den 31-Jährigen, mussten ihn aber wieder laufen lassen, weil sich der dringende Tatverdacht nicht erhärten ließ. Kurz darauf erzählte er jedoch seinen Feuerwehrkameraden die wahre Geschichte: Er habe Alkohol getrunken, sei nach einem Streit mit der Freundin rüber zur Tankstelle, habe noch mehr Alkohol getrunken - dann habe er die Feuer gelegt. Die Kameraden verstanden nicht, wie aus einem Brandschützer ein Brandstifter werden konnte, sie wussten aber, dass die Polizei von den Fällen erfahren musste. "Wir waren erschüttert", sagt Knut Bölke.

Vielleicht war das Entfesseln des Feuers eine Art Ventil für Heiko K., der immer für alle da war, der es allen recht machen wollte. Seine Dienste waren gefragt, der Fliesenleger galt als geschickter Handwerker. "Er war eine Perle der Feuerwehr", sagt Bölke. Doch über den dienstbaren Geist legt sich Ende 2009 ein Schatten. Heiko K. kommt im Job nicht mehr zurecht, das Verhältnis zu seiner Tochter, 9, verschlechtert sich. Schon morgens habe er sich vor Angst erbrechen müssen, erzählt seine Freundin Anja W. im Gerichtssaal. Auch die Kameraden merken: Da stimmt etwas nicht. Er habe so wirr geredet, total fertig habe der Heiko gewirkt, sagt Bölke vor Gericht. Warum das so ist, erfahren die Kameraden später: Ausgerechnet er, der Feuerteufel von Langenhorn, leidet unter einem Burn-out-Syndrom.