Porträt

Alexander Klaws: Tarzan, Winnetou – und fast auch Jesus

| Lesedauer: 11 Minuten
Ulrich Gaßdorf
Alexander Klaws auf der Terrasse des Hotels Treudelberg.

Alexander Klaws auf der Terrasse des Hotels Treudelberg.

Foto: Andreas Laible

Der Sänger und Musicalstar nimmt die Corona-Zwangspause gelassen. Das hat wohl auch mit seiner Herkunft zu tun.

Hamburg. Ein sonniger Tag im Alstertal. Der Blick von der Terrasse des Steigenberger Hotels Treudelberg in Lemsahl-Mellingstedt fällt auf die angrenzende Golfanlage mit ihren kleinen Seen. Idylle pur, kein Mensch zu sehen, wegen des Coronavirus darf auch hier dem Sport nicht nachgegangen werden. Das Hotel hat ebenfalls geschlossen. Aber Alexander Klaws ist da, hat auf einem Stein Platz genommen und posiert entspannt für den Fotografen. Auch das Interview – natürlich mit dem gebührenden Abstand – findet draußen statt. Nur ein paar Minuten entfernt lebt der 36-Jährige mit seiner Familie mit Blick ins Grüne. Ideal, um sich vom – sonst – so schnelllebigen Showgeschäft zu erholen.

Vor einem Monat hat Alexander Klaws noch in Köln das Finale der Castingshow „DSDS“ („Deutschland sucht den Superstar“) auf RTL moderiert. Vier Live-Sendungen waren es, und der Entertainer hatte sich sehr darauf gefreut. Eigentlich hätten in jeder der Sendungen rund 1700 Zuschauer im Studio gesessen. Aber dann kam alles anders. Wegen des Coronavirus war kein Publikum zugelassen. Und Alexander Klaws musste vor leeren Rängen moderieren. „Das konnte keiner voraussehen, und das war natürlich eine große Herausforderung. Denn ich bin eine Rampensau, und für mich ist es wichtig, dass ich direktes Feedback vom Publikum bekomme. Jetzt war ich eigentlich nur auf die Kamera fixiert.“

Klaws hatte die erste Staffel von „DSDS“ im Jahre 2003 gewonnen

Für den gebürtigen Münsterländer aus Ahlen war es nicht einfach nur eine Moderation. Denn Klaws hatte die erste Staffel von „DSDS“ im Jahre 2003 gewonnen. Damals war er 19 Jahre alt und besuchte ein Berufskolleg. „Ich war gerade dabei, für mich herauszufinden, was ich beruflich später machen will.“ Das hatte sich dann von selbst erledigt. Über Nacht war Klaws ein Star. Ein Auftritt reihte sich an den anderen, und überall, wo Klaws auftauchte, war er von kreischenden Teenies umgeben.

Seine erste Single „Take Me Tonight“ verkaufte sich mehr als 1,2 Millionen Mal. Mit der Pop-Ballade „Free Like The Wind“ war er auch wochenlang auf Platz eins der Charts in Deutschland. Beide Songs hatte Dieter Bohlen geschrieben. Der Sänger und Musikproduzent ist seit der ersten Stunde Chefjuror bei „DSDS“, und jetzt traf ihn Klaws bei den Liveshows wieder. Aber diesmal nicht als Kandidat, sondern als Moderator. „Dieter Bohlen und ich haben ein entspanntes Verhältnis, und wir haben viel miteinander gequatscht, wenn wir mal ein paar freie Minuten bei den Proben hatten.“

Offen für konstruktive Kritik

Mit seiner eigenen Performance als Moderator war Alexander Klaws zufrieden. „Ich habe trotz der erschwerten Bedingungen das Beste daraus gemacht. Und RTL hat es auch gefallen.“ Wie geht Klaws mit Kritik um? In den sozialen Medien wurde natürlich auch über seine „DSDS“-Moderation diskutiert. „Klar interessiert es mich, wie den Zuschauern vor dem Fernseher mein Auftritt gefallen hat. Ich bin offen für konstruktive Kritik. Was aber nervt, ist, wenn gefrustete Menschen nur Dampf ablassen wollen und das dann ungefiltert im Netz landet.“ Eigentlich hatte Klaws einen gut gefüllten Terminkalender in diesem Jahr. Bereits für den 8. April hatte ihn RTL für ein großes Live-Spektakel auf dem Burgplatz in Essen gebucht.

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In „Die Passion“ sollten die letzten Tage von Jesus Christus in moderner Form dargestellt und mit bekannten Popsongs in die heutige Zeit transportiert werden. Die Hauptrolle des Jesus sollte Alexander Klaws spielen. Damit kennt er sich aus, stand auch schon in Dortmund und im schweizerischen Basel im Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber auf der Bühne. Als Erzähler war Kult-Entertainer Thomas Gottschalk verpflichtet worden, die ersten gemeinsamen Proben gab es schon. Doch dann wurde auch „Die Passion“ wegen des Coronavirus abgesagt.

Insgesamt mimte er in 72 Vorstellungen den Winnetou

Eigentlich würde demnächst das Reittraining für ein weiteres großes Event beginnen. Wie im vergangenen Jahr sollte Klaws bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg den Apachenhäuptling Winnetou geben. Die Premiere von „Der Ölprinz“ war für den 27. Juni geplant. Doch die Karl-May-Spiele wurden auf Juni 2021 verschoben.

Bei seinem Debüt als Winnetou wurde Klaws von den bis zu 7500 Zuschauern pro Aufführung gefeiert – insgesamt mimte er in 72 Vorstellungen den Winnetou. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man auf dem Pferd in die Arena reinreitet, und die Menschen jubeln einem zu. Dann schaue ich kurz ins Publikum, aber danach bin ich wie in meinem Tunnel und komplett auf meine Rolle konzentriert.“

Dass er sich aktuell in einer Zwangspause befindet, darüber beschwert sich der Wahlhamburger nicht. „Mir geht es wirtschaftlich gut, ich kann auch gut ein paar Monate ohne Auftritte zurechtkommen. Außerdem kann ich jetzt mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.“ Die hat vor kurzem Zuwachs bekommen. Am 20. Februar wurde sein zweiter Sohn, Flynn Milow, geboren. Klaws’ Augen strahlen, wenn er von seinem Jüngsten spricht. „Natürlich sind die Nächte kurz, und man hat kaum eine ruhige Minute. Aber Kinder geben einem so viel zurück, und wir haben einfach gerade eine tolle Zeit zusammen.“ Gemeinsam mit seiner Frau Nadja hat er auch den inzwischen drei Jahre alten Sohn Lenny.

Trotz roter Teppiche behält Klaws Bodenhaftung

Die beiden haben sich kennengelernt, als Klaws den Tarzan in dem gleichnamigen Musical in der Neuen Flora in Hamburg spielte. Das war 2010, und die Schweizerin Nadja Scheiwiller verkörperte die Rolle der Jane – im Dezember vergangenen Jahres haben die beiden in Basel geheiratet. Klaws ist ein Familienmensch. Sein Lebensmittelpunkt hat er im beschaulichen Alstertal gefunden. „Ich bin dankbar dafür, dass wir hier ein schönes Zuhause haben und mitten in der Natur leben. Hier können wir stundenlang mit den Kindern spazieren gehen, und ich kann mich im Wald mit Joggen fit halten.“

Trotzdem sei er in einer guten halben Stunde in der pulsierenden City, eine perfekte Kombination. Hamburg ist seine Lieblingsstadt. „Die Menschen begegnen einem hier freundlich, und man kann ein ganz entspanntes Leben führen.“ Natürlich wird Klaws auf der Straße erkannt, um Selfies und Autogramme gebeten. Es gibt auch einen offiziellen Alexander-Klaws-Fanclub. „Ich habe viele treue Fans, die mich schon seit Anfang meiner Karriere begleiten. Fans sind sehr wichtig für einen Künstler, und man sollte sich gegenseitig immer mit Respekt begegnen.“

Alexander Klaws hat sich immer weiterentwickelt

Es gibt keinen „DSDS“-Gewinner, der sich wie Klaws im Showgeschäft etablieren konnte. Andere Ex-Kandidaten sorgten immer wieder mit Skandalen oder finanziellen Problemen für Schlagzeilen. Alexander Klaws hingegen hat sich immer weiterentwickelt und ist seit 17 Jahren erfolgreich. Man kann ihn nicht in eine Schublade stecken. Er ist ein Allroundtalent. Der leidenschaftliche Musiker hat sechs Alben herausgebracht, mehr als drei Millionen Tonträger verkauft, hat zahlreiche Gold- und Platinauszeichnungen erhalten.

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Er gehört zu den bekanntesten Musicaldarstellern in Deutschland, hat 2006 eine Schauspiel- und Gesangsausbildung an der Joop van den Ende Academy absolviert. In Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ hat er den Alfred gespielt. Von 2010 bis 2013 verkörperte er den Tarzan in dem Disney-Musical in der Neuen Flora. Und er wurde als Sam im Musical „Ghost“ im Theater des Westens in Berlin besetzt. „Bei allem, was ich mache, gebe ich 100 Prozent, und ich suche immer nach neuen Herausforderungen.“

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Alexander Klaws ist auf dem Boden geblieben. Er ist nicht einer von denen, die vor allem auf roten Teppichen anzutreffen sind, sondern denen, die durch ihre Leistung auf der Bühne überzeugen wollen. „In erster Linie habe ich den Anspruch, einen perfekten Job zu machen.“

Seine Jugend hat Klaws in Sendenhorst, nahe seiner Geburtsstadt Ahlen, verbracht. Dort war er Sänger in der Schulband und ist er zusammen mit seiner drei Jahre älteren Schwester Melanie aufgewachsen. Sein letztes Album, „Auf die Bühne, Fertig, Los!“, hat Klaws im Oktober 2015 veröffentlicht. „Ich habe mir fest vorgenommen, neue Songs zu schreiben und an einem Album zu arbeiten. Dafür könnte ich die durch die Coronakrise gewonnene Zeit nutzen. Aber ich habe es nicht eilig, ich gehe das in Ruhe an.“

3 Fragen

  • 1. Was ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel für die nächsten drei Jahre? Gesund bleiben, meine Kinder aufwachsen sehen und mit allem, was ich tue, den Menschen dabei helfen, Corona schnell zu vergessen.
  • 2. Was wollen Sie in den nächsten drei Jahren beruflich erreichen? Alles, was geht! Ich fange erst mal damit an, wieder als Winnetou durch die Prärie zu reiten, vielleicht werde ich danach mal eine Kinorolle annehmen, wenn die richtige Rolle dabei ist. Besonders liegt mir aber am Herzen, mein siebtes Studioalbum fertigzustellen und wieder mit Musik zu begeistern.
  • 3. Was wünschen Sie sich für Hamburg in den nächsten drei Jahren? Nachts Regen, tagsüber sehr viel Sonne!

Natürlich fehlt ihm der persönliche Kontakt zu seinen Fans, und deshalb hofft Klaws darauf, dass Corona seinem Engagement im Oktober nicht auch noch einen Strich durch die Rechnung macht. In Braunschweig ist für den 22. Oktober die deutsche Erstaufführung des Scott-Alan-Musicals „The Distance You Have Come“ geplant – mit Klaws in einer Hauptrolle. Außerdem wird der Sänger bei der Konzertreihe „Pop meets Movie- and Musicalhits 2020“ am 3. Dezember im Stadeum in Stade und am 4. Dezember in der TriBühne in Norderstedt auftreten.

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