Schmuck für Joop & Co.

"Ich achte sehr darauf, woher meine Steine kommen"

Colleen Rosenblat in ihrem Showroom am Mittelweg

Colleen Rosenblat in ihrem Showroom am Mittelweg

Foto: Andreas Laible / HA

Die Hamburger Schmuckdesignerin Colleen B. Rosenblat spricht über Prominente, Diskretion und die Faszination von Edelsteinen.

Hamburger Abendblatt: Frau Rosenblat, wären Sie als Kind gerne Kleopatra gewesen?

Colleen B. Rosenblat: Nein, eine Königin wollte ich nie sein, aber ihren Schmuck, den hätte ich schon gerne getragen. Als Zwölfjährige war ich in einer Tutenchamun-Ausstellung und vollkommen begeistert. Die Farbe des Goldes hat mich schwer beeindruckt, so warm. Und die ganze Mythologie! Der Mistkäfer beispielsweise: Für die Ägypter war der Skarabäus ein Symbol der Schöpfung und der aufgehenden Sonne, der Erneuerung. Er wurde gerne den Toten mitgegeben, um Licht in die Dunkelheit zu bringen und die Finsternis zu verdrängen. Ich fand das so geheimnisvoll.

Der Skarabäus-Ring ist heute Ihr bekanntestes Schmuckstück.

Ja, sein Design ist uralt. Als ich mit 25 nach New York ging, kam ich in den Jewelry District, wo ich eine Dependance von Ruppenthal entdeckte, das ist eine Edelsteinfirma aus Idar Oberstein, die ich kannte. Ich ging gleich hinein: „Hallo, ich komme auch aus Deutschland, könnt ihr mir helfen, ich suche einen Werkstattplatz.“ Der Besitzer hat mir einen Platz in einer Werkstatt in der 48. Straße vermittelt, und danach habe ich in den Auslagen gewühlt und einen Stein mit einem Skarabäus-Schliff gefunden. Den habe ich gekauft und daraus meinen ersten Skarabäus-Ring gemacht.

Sie haben direkt nach dem Abitur Minen in Australien und Indonesien besucht, warum?

Ich wollte sehen, wo die Edelsteine herkommen. Normalerweise kommt man in solche Minen nicht rein, aber ein Freund meiner Schwester kannte jemanden, der Kontakt zu den Besitzern von Opalminen hatte. So konnte ich gesichert in die Minen. Ich sage gesichert, weil das nicht unbedingt ein guter Ort für Frauen ist, es herrschen auch nicht unbedingt gute Arbeitsbedingungen dort. Ich achte deshalb heute sehr darauf, woher meine Steine kommen, dass ich keine Blutdiamanten verwende und nur sauberes Gold. Das ist nicht selbstverständlich; wenn das Gold mit Zyankali und anderen chemischen Keulen geschürft wurde, dann ist der ganze Mutterboden hinterher verseucht. Sicher ist nachhaltig geschürftes Gold sehr viel teurer, aber das bezahlen die Kunden meiner Erfahrung nach gerne.

Welcher Arbeitsschritt gefällt Ihnen beim Herstellen der Schmuckstücke am besten?

Den Stein zu finden! Das ist mein Highlight, wenn ein Händler kommt und etwas Schönes dabeihat. Ich finde nicht oft etwas, was meinen Ansprüchen genügt. Aber wenn, dann geht mein Herz auf, und ich fange gleich an zu überlegen, welches Schmuckstück ich mit dem Stein machen könnte. Wir stellen gar nicht so viele Stücke her, um die 80 pro Jahr. Ich bin ein Steinfreak, da könnte ich stundenlang von erzählen. Große Steine sind so rar, und es gibt Stücke, die ich vor Jahren verkauft habe, die gibt es nie wieder. Nie wieder! Manchmal würde ich sie am liebsten zurückkaufen.

Sie haben viele prominente Kunden wie Iris Berben, Jil Sander, Wolfgang Joop, Iris von Arnim und Franziska van Almsick. Wissen Sie vorher, für wen Sie das Schmuckstück entwerfen?

Über meine Kunden rede ich eigentlich nicht so gerne, als Schmuckverkäufer muss man so diskret sein wie ein Arzt. Aber ich kann Ihnen erzählen, wie es zum Beispiel mit Wolfgang Joop war, mit ihm saß ich mal zusammen, und ich hatte schon so lange einen ganz bestimmten Stein in der Werkstatt, und plötzlich wusste ich: Der ist für Wolfgang bestimmt. „Ich mache dir was ganz Verrücktes, Wolfgang!“, habe ich dann gesagt, und er war sofort einverstanden. Ich habe ihm eine Kette mit Anhänger designt, die ihm zum Glück auch sehr gefallen hat.

Was war Ihre beste Idee als Designerin, was Ihre schlechteste?

Mein Verkaufsschlager sind die Skarabäus-Ringe, sie sind mein Markenzeichen geworden. Als mein bestes Design würde ich aber meinen vor langer Zeit entworfenen Spiegelschliff-Ring bezeichnen, den habe ich selbst 25 Jahre lang getragen. Persönlich bevorzuge ich sehr schlichte Designs, in denen der Stein im Vordergrund steht und ich ihn eigentlich nur tragbar mache. Das mag sich komisch anhören, aber so bin ich. Die schlechtesten Designs waren immer die, bei denen ich mir habe reinreden lassen und ich mir nicht bis zum Ende treu geblieben bin. Das passiert inzwischen kaum noch, zum Glück.

Tragen Sie jemals Modeschmuck?

Ich mag keinen Fabrikschmuck, der viel zu teuer verkauft wird. Selbst bei berühmten Marken gibt es Schmuckstücke, die schlecht verarbeitet sind. Wir haben unserer Tochter beispielsweise ein Schmuckstück einer bekannten Marke gekauft, das wollte sie so gerne, junge Mädchen stehen ja auf Statussymbole. Aber das hat sie direkt verloren, weil es schlecht verarbeitet war. Eine Fehlkonstruktion für den Preis – das mag ich einfach nicht. Darum bin ich als Schmuckdesignerin auch nicht groß geworden, sondern bin eine kleine Manufaktur mit nur sechs Festangestellten, in der jedes Teil per Hand hergestellt wird.