Hotel Grand Elysée Hamburg

Afrika zeigt Flagge in der Hansestadt

Foto: Patrick Piel

Die 18 diplomatischen Vertretungen luden zum Empfang im Großen Festsaal des Hotels Grand Elysée. 350 geladene Gäste kamen.

Hamburg. Lutz Mohaupt kam im Anzug. Und im Vergleich zu den teils farbenfroh gekleideten Konsulatsmitarbeiterinnen kam auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust gewohnt hanseatisch in Anzug und Lederschuhen. Im Großen Festsaal des Hotels Grand Elysée sagte er: "Afrika ist zu Gast in Hamburg. Aber auch Hamburg engagiert sich in Afrika." 18 afrikanische Konsulate in Hamburg luden zum 17. Mal unter dem Motto "Afrika zeigt Flagge" ein. Alles drehte sich gestern Abend um den Kontinent, auf den in zwei Tagen die ganze Welt schaut, weil dort erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

350 geladene Gäste kamen. Jens Peter Breitengroß, Vizepräses der Handelskammer und Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, begründete einst diese Treffen, um den Anliegen der vertretenen afrikanischen Länder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Zugleich bedankten sich die Diplomatem bei der Stadt Hamburg, den Vertretern aus Politik und Wirtschaft für die gute Zusammenarbeit.

Ole von Beust (CDU) sprach von sehr guten Beziehungen der Hansestadt zum afrikanischen Kontinent. So besteht seit 2007 eine Städtekooperation mit Daressalam in Tansania, die im Juli zur Städtepartnerschaft ausgebaut wird. Die Weltmeisterschaft zeige, dass Afrika mit seinen Möglichkeiten nicht zu unterschätzen sei. Und das sei die Nachricht, die auch noch nach der Weltmeisterschaft um die Welt gehen solle. Zudem seien die afrikanischen Länder "wertvolle, wichtige und angenehme Partner für Hamburg".

So sah das auch der Generalkonsul von Tunesien, Mohamed Imed Torjemane. Er wisse zwar, dass Afrika Probleme habe, doch habe sich gezeigt, dass ein Weg in die richtige Richtung eingeschlagen wurde. Somit appellierte er an seine Kollegen: "Wir als Konsuln wollen unsere Länder noch näher zusammenbringen, und dafür müssen wir gemeinsam Anstrengungen unternehmen."

Nach den Reden tauschten die Gäste bei afrikanischer Musik und Essen (Seebarsch und schwarze Bohnen, Erdnusssuppe und Bananenkuchen) Erfahrungen aus. Die Honorarkonsuln schwärmten dabei natürlich von den Ländern, die sie vertreten. So seien die Menschen, egal, ob in Malawi, Ghana, Madagaskar oder Guinea, liebenswert, freundlich und hilfsbereit.

Also keine Gewalt? Doch, die gebe es, bestätigte Manfred Mehr, Honorarkonsul von Malawi. Allerdings habe er das Land so nicht von Anfang an kennengelernt. "Zum ersten Mal war ich dort mit meinem Vater in den 1970er-Jahren. Wir betrieben dort eine Textilfabrik. Erst mit der Einführung der Demokratie entwickelte sich eine steigende Unsicherheit in der Bevölkerung." Seitdem gebe es Wachhunde und umzäunte Häuser. Dennoch mag er das Land sehr und fährt gerne an den Malawi-See. Dass die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ausgetragen wird, beurteilte er kritisch.

Seiner Meinung nach ist es für Europäer zu weit weg, die Stadien könnten dadurch leer bleiben. Stephan Bührich, Honorarkonsul von Ghana, sieht der Weltmeisterschaft mit gemischten Gefühlen entgegen, allerdings hat er einen diplomatischen Grund: "Ich bin für beide Mannschaften, wenn Ghana gegen Deutschland spielt. Ich hoffe, es wird unentschieden ausgehen. Allerdings hat Ghana eine starke Mannschaft."

Von einem gar "südafrikanischen Sommermärchen" sprach Eberhart zu Rantzau, Honorarkonsul der Republik Südafrika. Er habe eine enorme Aufbruchstimmung gespürt, als er im Mai dort gewesen sei. Das kann von Rantzau beurteilen, als Diplomat und privat besucht er seit 50 Jahren das Land am Kap der guten Hoffnung.

Eine ganz andere Erfahrung machte Lothar Golgert, Honorarkonsul von Guinea: "Hamburg hat in Guinea eine Forschungseinrichtung, und wir haben mit der Bundeswehr Krankenhausbetten gebracht - einmal quer durch den Busch", sagte er. Da es dort keine befestigten Straßen gibt, sei er mit dem Auto im Schlamm versunken. "Es dauert Tage, bis Hilfe kommt. Dort gibt es einfach eine andere Zeitvorstellung, die nicht in unsere Industriegesellschaft passt." Durch die Erlebnisse könne man die Mentalität verstehen, allerdings reiche dafür kein Reisebericht, sondern nur die eigene Erfahrung.

Besucher würden Lebensfreude und Gelassenheit lernen, sagte Eckhard Koll, Honorarkonsul der Republik Madagaskar.

Unternehmer Arthur E. Darboven brachte vielleicht das Gefühl des Abends am besten auf den Punkt, als er sagt: "Die WM macht einmal mehr deutlich, wie wir als Weltgemeinschaft zusammenwachsen."