Prominente Hamburg

Warum Hobbyboxer Fatih Akin den Hallenboden wischte

Foto: Martin Brinckmann

Viele Promis wie Fatih Akin, der Regisseur von "Soul Kitchen", kamen zum Boxkampf von Mahir Oral in die Alsterdorfer Sporthalle nach Hamburg.

Hamburg. Zwischen roten Plastikrosen und Kuscheltieren haben sie sich kennengelernt. Genau vor einem Jahr auf dem Hamburger Frühlingsdom. Es war an einem Schießstand, als Regisseur Fatih Akin (36) den Hamburger Profiboxer Mahir Oral (29) traf - es war der Beginn einer wahren Männerfreundschaft.

"Wir haben uns beide sofort erkannt", sagt Akin, der das Mittelgewicht zuvor in Boxvideos bei YouTube im Internet gesehen hatte. "Und Mahir kannte mich von meinen Filmen." Sie kamen ins Gespräch. Schnell war klar: Sympathie ist da. So wollte Fatih Akin, der seit seinem 16. Lebensjahr Hobbyboxer ist, das Angebot nicht ausschlagen, einmal mit dem 1,85 Meter großen Oral zu trainieren. Aus dem einen Mal wurden mehrere Trainingseinheiten. "Zu Anfang wurde mir gesagt: 'Vergiss alles, was du bisher gelernt hast'", erinnert sich Akin, der von Orals Trainer, Bühlent Baser, wertvolle Tipps erhalten hat. Anstrengend, aber auch viel Spaß haben sie in der Zeit gehabt. In lustiger Erinnerung ist Akin sein Beintraining geblieben: "Ich lag schneller am Boden, als ich gucken konnte, obwohl mir keiner eine reingehauen hat. Ich bin einfach über meine eigenen Beine und Füße gestolpert."

Boxen sei für ihn ein philosophischer Sport, aus dem sich vieles auf das Leben beziehen ließe. Akins Lieblingsphilosophie: "Beim Boxen muss man die Augen offen lassen, sonst kann ganz schnell etwas Unvorhergesehenes passieren - und so ist es auch im Leben. Man muss immer wachsam sein." So richtig ins Schwitzen kam der aufgeschlossene Regisseur am Sonnabendabend, obwohl er selbst gar nicht im Ring stand. Mahir Oral kämpfte in der Alsterdorfer Sporthalle gegen Juan Camilo Novoa - und gewann durch K. o. nach der zehnten Runde. Akin stand währenddessen mit dem Team am Ring, feuerte seinen Freund an, hielt den Hocker für die Pause bereit und wischte den Boden. "Während des Trainings hat Fatih Oral immer wieder motiviert", sagte Trainer Baser. Oral ist seinem Weggefährten dafür sehr dankbar: "Fatih hat immer wieder zu mir gesagt: Den Titel holen wir uns, das packen wir. Es ist schön, wenn jemand an dich glaubt, zumal ich nicht erwartet hatte, dass er so emotional dabei ist."

Emotionen bei dem Hauptkampf Stefan Kretschmann gegen Denis Bakhtow zeigten auch die Models Marie Nasemann und Sara Nuru, ehemalige Teilnehmerinnen der Fernsehshow "Germany's Next Topmodel".

Für beide war es der erste Live-Kampf als Zuschauer. Zu Anfang noch etwas skeptisch, ob es ihnen gefallen würde, waren sie zwischen den Runden umso euphorischer. "Jetzt kann ich nachvollziehen, was die Zuschauer am Boxen so sehr begeistert", sagte Marie Nasemann. Ihr gefiel der Einzug der Sportler mit viel Show und "dann die Spannung im Ring". Denn da kann "mit einem einzigen Schlag alles vorbei sein". In der ersten Reihe sitzend, mit übergroßer Brille, hätte sie fast den Schweiß der Sportler abbekommen. Kollegin und Freundin Sara Nuru fügte noch hinzu: "Die Bewegungsabläufe sind einfach faszinierend."

An ihrer Seite saß TV-Moderator und Comedian Oliver Pocher, der in einem grauen glänzenden Synthetiksportanzug und mit Goldkette als "Kalle Wagner, Boxpromotor von Nicolai Klatschko" kam. "Hier gibt's mal was auf die Schnauze, das ist pure Faszination", sagte Pocher alias Wagner. Kiezlegende Kalle Schwensen sieht die Begeisterung für den Sport darin begründet, dass es "Mann gegen Mann ist". Diesen Zweikampf wollten die Menschen sehen. "Dabei haben Prominente die gleichen Interessen wie andere auch." Schauspieler Moritz Bleibtreu schätzt die Auseinandersetzung der Sportler im Ring. "Wenn der Kampf gut ist, dann ist es eine ultimative Konfrontation zwischen zwei Männern." Und was wäre, wenn sein Freund und Kollege Fatih Akin in den Ring steigt? "Dann stelle ich mich in die Ecke und wische den Boden."