Mario Adorf

Ein Weltstar als Hamburger Clochard

Zum 100. Gründungstags des FC St. Pauli im Frühjahr ist ein Spielfilm über den Klub geplant. Adorf soll einen Hamburger Clochard spielen.

Kaffee ist nicht so sehr sein Fall. Also wird ein frisch gepresster Orangensaft geordert, um die Lebensgeister zu wecken. "Reichlich was los derzeit", sagte Mario Adorf beim Frühstück mit dem Hamburger Abendblatt gestern Morgen im Hotel Grand Elysée. "Viel Trubel jedoch hält jung." Am 8. September 2010 begeht der Schauspieler, der in Hamburg den ZDF-Film "Das Geheimnis der Wale" vorstellte, seinen 80. Geburtstag.

Ein weiteres Jubiläum kann 2010 die ohnehin engen Beziehungen zwischen Adorf und der Hansestadt krönen. Im Umfeld des 100. Gründungstags des FC St. Pauli im Frühjahr ist ein Spielfilm über den etwas anderen Traditionsklub geplant. "Ich soll einen Hamburger Clochard spielen, der in einer Hütte lebt", berichtete der bekennende Lebemann. Zwar sei der Vertrag noch nicht unterschrieben, jedoch eine feste Absichtserklärung.

"Lust dazu habe ich", ergänzte Adorf. Auch weil Liebe zu Hamburg und Leidenschaft für Fußball bei ihm im Einklang stehen. Temperamentvoll berichtete er von Gastspielen mit dem Ensemble der Münchner Kammerspiele am Theater am Besenbinderhof Ende der 50er-Jahre. Unter anderem standen damals "Die zwölf Geschworenen" auf dem Programm. Gefolgt von dem einen oder anderen gepflegten Kiezbummel inklusive Travestie. "Wunderbare Erlebnisse", erinnert er sich. Das Faible für Oberliga und Bundesliga ist noch älter. "Ich schäme mich fast ein bisschen", kokettierte Adorf, "aber ich bin Anhänger des FC Bayern München." Schon gestern früh bedauerte er, das Match der Bayern in der Champions League abends nicht sehen zu können. Weil es mittags via Frankfurt Flughafen nach Mainz ging. Filmfest mit alten Lichtspielen, Empfängen, Essen mit dem Ministerpräsidenten.

Anlässlich der Fußball-WM 2006 und einer Gala im Hamburger Rathaus hatte Mario Adorf auch Bürgermeister Ole von Beust (CDU) kennen und schätzen gelernt. Adorfs Buch "Über meine Mutter", aber auch die ZDF-Serie "Die Affäre Semmeling" mit Szenen aus von Beusts Arbeitsstätte hatten beiden reichlich Diskussionsstoff beschert. Bei einem der nächsten Hamburg-Reisen ist ein weiteres Treffen vorgesehen.

Erst einmal jedoch hat der Weltstar und Kosmopolit ein Rendezvous mit zwei Verehrten im Visier: Am Wochenende fliegt Adorf zu Ehefrau Monique nach Paris, der von ihm favorisierten Stadt. Nach wochenlangen Dreharbeiten in Asien ist dann doch ein bisschen Ruhe angesagt.