Prominente Hamburg

Loki Schmidt: Das Geheimnis ihrer japanischen Blüten

Foto: Hamburger Abendblatt / Andreas L / Andreas Laible

Die 91-Jährige ist besonders stolz auf ihre wilden Kamelien. Die Samen brachte die Blumenliebhaberin einst aus Japan mit.

Hamburg. In Loki Schmidts Garten in Langenhorn dämmern die dramatisch-roten und zärtlich-aprikosenfarbenen Blüten der Camellia japonica ihrem farbenprächtigen Ende entgegen - letzter berauschender Jahresakt einer exotischen Pflanze, die einst von Fürsten, Dichtern und Komponisten über alle Maßen gefeiert und besungen wurde.

"Ich bin besonders stolz auf meine wilden Kamelien , deren Samen ich vor einem Vierteljahrhundert aus Japan mitgebracht und sie im Freien auszupflanzen gewagt hatte", sagt sie. "Damals haben mich Gartenfreunde ausgelacht und spöttisch gefragt: 'Leben ihre Kamelien überhaupt noch?' Ich habe viel experimentiert, mich aber frühzeitig mit meinen japanischen Blütenfreundinnen geeinigt und ihnen gesagt: ,Ihr bekommt im Winter einen Kükendraht und einen Wintermantel aus Gartenlaub, damit ihr nicht friert!' Sie überwinterten darin problemlos unter Schnee. Kamelien mögen keine Heizungsluft, keine scharfen Ostwinde und keine Morgensonne. Daher schauen meine Kamelien immer nach Westen."

Ihr frühes Abenteuer mit der hintergründigen, in Ostasien beheimateten Pflanze aus der Familie der Teestrauchgewächse brachte unserer Hamburger Naturschützerin folgerichtig unter Experten den Ruf einer "Kamelien-Pionierin" ein. Und selbstverständlich sprechen wir vor den mittlerweile bis zu fünf Meter hohen Stauden auch über die überraschende Kamelien-Renaissance im unromantischen Europa des 21. Jahrhunderts wie über die leidenschaftliche Vergangenheit dieser Pflanze im romantischen 18./19. Jahrhundert, als die Kamelie ein Vermögen wert war und zum Ausweis großbürgerlicher Kultur und Lebensart wurde. Camellia japonica - eine Blume mit Vergangenheit!

Den Stoff für den berühmten Roman "Die Kameliendame" hatte ihrem ersten Barden Alexandre Dumas d. J. die Pariser Halbweltdame Marie Duplessis (1824-1847) geliefert, in deren Etablissement sich die reichen Lebenskünstler und Salonlöwen jener Zeit trafen. Die heiß begehrte Kurtisane schwärmte für Kamelien: Weiße Blüten signalisierten ihren Liebhabern, dass sie willkommen waren, rote dagegen, dass vorläufig mit erotischen Genüssen nicht zu rechnen sei.

Die Duplessis starb am 5. Februar 1847, 23 Jahre jung, an der Schwindsucht. Rote Kamelien - rien ne va plus! - zierten fortan das Grab der "Kameliendame" im Friedhof Cimetière auf dem Montmartre. Aber sie versank keineswegs in jenem besonderen Schweigen des Todes und der Vergänglichkeit, mit der Ostasiaten ihre Herzensblume stets in Verbindung gebracht haben: Giuseppe Verdi komponierte 1852 binnen 45 Tagen seine unsterbliche Oper "La Traviata", in der die Duplessis als Violetta Valery liebt und stirbt.

"Die Kamelie ist wie ein schöner, leider viel zu kurzer Traum", sagte Anna Netrebko nach einem ihrer jüngsten "Traviata"-Triumphe, in denen sie die "Kameliendame" so herzzerreißend verkörperte. Und die große Greta Garbo gestand nach ihrem Leinwand-Hit als Kameliendame 1936: "Keine Rolle hat mich so gereizt. Ich wollte, ich musste diese faszinierende Pariserin spielen - um jeden Preis!" Für die "Kamelien-Pionierin" Loki Schmidt birgt die Kamelie, an der sie gerade hingebungsvoll schnuppert, offenbar und erstaunlicherweise keine Geheimnisse: "Sie ist verführerisch und elegant", sagt sie, "sie war einmal sehr teuer und hat große Mode gemacht." Über die Kameliendame dagegen verliert sie leider kein einziges Wort.