Hamburg

Deutschland trauert um Hannelore „Loki" Schmidt

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Die Ehefrau von Altbundeskanzler Helmut Schmidt war im gemeinsamen Bungalow am Morgen im Alter von 91 Jahren gestorben. Tochter Susanne war in den letzten Stunden an ihrer Seite.

Hamburg. Hamburg trauert um Hannelore „Loki“ Schmidt. Die Ehefrau von Altbundeskanzler Helmut Schmidt starb am frühen Donnerstagmorgen in dem gemeinsamen Langenhorner Bungalow. Nachbarn legten am Nachmittag vereinzelt einen Strauß oder eine einzelne Blume vor dem Haus der Schmidts nieder. Ein rotes Grablicht brannte vor dem Holzzaun des Hauses. Ihr Tod sei ein großer Verlust für Helmut Schmidt und Hamburg, sagt ein 74 Jahre alter Nachbar in Tränen aufgelöst und fügt hinzu: „Loki war eine große Frau, die aus ihrer Prominenz nie etwas Großes gemacht hat.“ Seine Sorge, wie auch die weiterer Nachbarn, gelte nun Helmut Schmidt.

Für einen würdigen Abschied wird im Hamburger Rathaus am Freitag ab 11 Uhr ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das Hamburger ihre Gedanken und Erinnerungen an die verstorbene Loki Schmidt eintragen können.

Das Hamburger Abendblatt berichtet am Freitag auf sechs Sonderseiten über Hamburgs Ehrenbürgerin Loki Schmidt

Ausgerechnet an diesem Donnerstag hatte die Stiftung der 91-jährigen, engagierten Naturschützerin in der Fischbeker Heide die Moorlilie zur „Blume des Jahres 2011“ gekürt. Loki Schmidt selbst, so hatte es am Morgen um 11 Uhr noch offiziell geheißen, könne aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Präsentation der Blume teilnehmen. Sie hatte jedoch für diesen Anlass einige Grußworte vorbereitet, die ihre letzten sein sollten: „Als ich erfuhr, welche Pflanze ausgewählt wurde, habe ich mich sehr gefreut. Warum ich mich so gefreut habe, will ich Ihnen verraten. Ich kenne diese Blume seit mehr als 80 Jahren und habe sie damals als Kind etwa zehn Minuten von hier in einem Moorloch entdeckt“, so wurde vorgelesen.

Loki, die seit ihrer Kindheit diesen Spitznamen trug, war am 3. März 1919 als Tochter des Elektrikers Hermann Glaser und der Schneiderin Gertrud Glaser in Hamburg auf die Welt gekommen. Die Schulferien, so hatte die Volksschullehrerin für den Anlass am Donnerstag noch einmal notiert, habe sie mit ihren drei Geschwistern immer in der Fischbeker Heide bei den Großeltern verbracht.

„Ich war nie ein richtiges Mädchen"

Ihre große Liebe, Helmut Schmidt, mit dem sie 68 Jahre lang verheiratet war, hatte sie in der fünften Klasse kennengelernt. In einem ihrer letzten Interviews hatten sich die beiden gewünscht, den 70. Hochzeitstag noch gemeinsam zu feiern.

Loki Schmidts Gesundheitszustand hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Anlass zu großer Sorge gegeben. Am 23. September war die Ehefrau des Altkanzlers in dem gemeinsamen Bungalow gestürzt, musste daraufhin in der Asklepios Klinik Nord am Fuß operiert werden. Die 91-Jährige kämpfte seitdem mit den Folgen dieser OP.

Schreiben Sie Ihre Gedanken zum Tod von Loki Schmidt

Bundespräsident Christian Wulff hat Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Tod von dessen Frau Loki kondoliert: „Für mich, aber auch für alle anderen, die ihr begegnet sind, war Ihre Frau eine eindrucksvolle Persönlichkeit“, heißt es in einem Beileidsschreiben an Schmidt und seine Tochter. Darin betonte Wulff: „Sie war, wenn ich das so ausdrücken darf, auf eine souveräne Weise bescheiden. 'Ich will stets anständig durchs Leben gehen' war ihr selbst gewähltes Lebensziel. Sie hat das auf wunderbare Weise vorgelebt. Der Tod Ihrer Frau ist ein großer Verlust für uns alle. Wir werden sie nicht vergessen.“

Außenminister Guido Westerwelle sagte: „Wir sind sehr traurig, dass unser Land eine so große Dame, eine so großartige Persönlichkeit verliert." An der Seite ihres Mannes, Alt-Kanzler Helmut Schmidt, habe die engagierte Staatsbürgerin die Nachkriegsgeschichte Deutschlands miterlebt und mitgeprägt. Westerwelle hob das frühe Eintreten von Loki Schmidt für Umwelt und Naturschutz hervor. Damit habe sie die öffentliche Wahrnehmung für diese Frage geschärft.

Hamburgs Bürgermeister Christoph Ahlhaus : „Ich habe die Nachricht vom Tode unserer Ehrenbürgerin Loki Schmidt mit großer Trauer und Betroffenheit aufgenommen. Mit ihrem eindrucksvollen Wirken und ihrer Persönlichkeit hat sie die Menschen stets besonders beeindruckt: unaufgeregt, geradlinig, mit einem klaren Blick auf die Menschen und das Leben. So hat Loki Schmidt in unvergesslicher Weise den hanseatischen Charakter verkörpert. Auch als Ehefrau von Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt hat sich Loki Schmidt große Verdienste um unser Land erworben."

Mit großer Betroffenheit hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen auf den Tod von Loki Schmidt reagiert: „Schleswig-Holstein trauert um eine Frau, die ein großartiges Beispiel gegeben hat durch ihr Engagement als Staatsbürgerin und als Naturschützerin“, erklärte der CDU-Politiker. In dieser Stunde gelte sein ganzes Mitgefühl Helmut Schmidt. Am Brahmsee hätten beide sich immer wieder zurückziehen und neue Stärke gewinnen können. Er wünsche Helmut Schmidt von Herzen die Kraft, die er jetzt brauche, kondolierte Carstensen dem Altkanzler und Ehrenbürger Schleswig-Holsteins. „Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Loki Schmidt. Schleswig-Holstein wird sich stets mit großer Dankbarkeit an sie erinnern.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: „Die Nachricht von ihrem Tod bewegt uns alle sehr.“ Gabriel bezeichnete Loki Schmidt als eine „außergewöhnliche, eigenständige Persönlichkeit“. Mit ihrer „unangestrengten Noblesse" habe sie die Herzen der Menschen im In- und Ausland gewonnen. Zudem habe sie sich als leidenschaftliche Naturschützerin bleibende Verdienste um den Erhalt unserer Umwelt erworben. „Vielen in unserem Land wurde sie wegen ihrer liebenswürdigen, menschlichen Art und ihrer beeindruckenden Haltung zum Vorbild. Wir denken mit Dankbarkeit an eine überzeugte Sozialdemokratin, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem unverwechselbarem Stil um unser Land verdient gemacht hat. Wir sind in diesen Stunden mit unseren Herzen und Gedanken bei ihrem Ehemann Helmut Schmidt und ihrer Tochter Susanne Schmidt“, sagte Gabriel.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat Loki Schmidt als „eine Frau voller Umsicht und Menschlichkeit“ gewürdigt. Sie habe über ein großes Gerechtigkeitsempfinden verfügt, sagte Beck. „Sie war längst nicht nur die Ehefrau des früheren Bundeskanzlers, sondern genoss ebenso selbst höchstes Ansehen.“ Das Mitgefühl der Rheinländer und Pfälzer gelte nun Helmut Schmidt und seiner Tochter. Loki Schmidt habe stets durch ein natürliches Selbstbewusstsein und Geradlinigkeit beeindruckt, unterstrich der Ministerpräsident. „Ich behalte unsere Begegnungen in angenehmster Erinnerung. Sie gehört zu den Frauen, die ohne eigenes Amt durch ihr lebenslanges, beständiges, diszipliniertes und soziales Wirken unvergessen bleiben werden.“

Hamburgs SPD-Chef Olaf Scholz sagte: „Eine bewundernswerte und starke Frau ist von uns gegangen.“ Mit Loki Schmidt verliere Hamburg eine großartige Persönlichkeit und Ehrenbürgerin, die auch international hohes Ansehen besitzt. Sie sei bekannt als engagierte Pädagogin, Naturschützerin und Autorin. „Für ihre Verdienste um den Naturschutz erhielt sie eine Vielzahl von Preisen und Ehrungen. Die SPD hat Loki Schmidt von ganzen Herzen geliebt. Wir trauern mit Helmut Schmidt“, erklärte Scholz.

Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner sagte: „Wir trauern mit dem Altkanzler und Ehrenbürger Schleswig-Holsteins, Helmut Schmidt, und Tochter Susanne um einen liebenswerten, großartigen Menschen.“

Hamburgs GAL-Fraktionschef Jens Kerstan : „Sie wird uns als eine charakterstarke, warmherzige und engagierte Hamburgerin in Erinnerung bleiben. Ich finde es beeindruckend, wie sie sich für ihre Herzensangelegenheit – den Schutz der Natur - eingesetzt hat.“

Hamburgs FDP-Chef Rolf Salo : „Loki Schmidt, Ehrenbürgerin der Freien und Hansestadt Hamburg, war eine starke, unabhängige und eindrucksvolle Frau, die das offene Wort geführt hat und deshalb von den Menschen in ganz besonderem Maße geschätzt wurde. Loki Schmidt war eine Hanseatin im besten Sinne des Worts.“

Die Vorsitzende der Hamburger Links-Fraktion Dora Heyenn sagte: „Ihren Beruf als Hamburger Lehrerin musste sie eintauschen in ein Leben 'im öffentlichen Interesse'. Sie nutzte die Chance, stellte ihre Liebe zur Botanik in den Dienst des Naturschutzes und ging mit Wissenschaftlern auf verschiedene Forschungsreisen. (...) Diese bemerkenswerte Frau hat in Anerkennung ihres Engagements bisher über fünfzehn Auszeichnungen erhalten.“

Der Bischofsvertreter für Hamburg und Lübeck, Propst Jürgen F. Bollmann , sagte: „Loki Schmidt war lebensklug und protestantisch nüchtern. Trotz ihrer großen Prominenz ist sie mit dem Herzen immer bei den Menschen geblieben. Wie so viele Frauen ihrer Generation musste sie harte Schicksalsschläge aushalten und hat doch bewundernswerte Kraft bewiesen“, fügte Bollmann hinzu.

Hamburgs Bürgerschaftpräsident Lutz Mohaupt würdigte die im Alter von 91 Jahren gestorbene Hamburger Ehrenbürgerin Loki Schmidt als eine offenherzige und starke Frau: „Ich bin sehr traurig“, erklärte Mohaupt. Loki Schmidt sei allen so sehr ans Herz gewachsen, „dass wir sie unendlich vermissen werden“. Sein Mitgefühl gelte nun vor allem Altkanzler Helmut Schmidt (SPD). „Ich wünsche, dass ihm und seiner gesamten Familie in diesem Augenblick viel Kraft geschenkt wird.“

Handelskammerpräses Frank Horch : „Der Tod von Hannelore ‚Loki’ Schmidt ist für Hamburg ein großer, schmerzlicher Verlust. Ihr Engagement als Botanikerin und Naturschützerin machte sie überregional und international bekannt. Mit ihrer sozialen und herzlichen Art war sie vielen Hamburgern ein großes Vorbild. Die Hansestadt verliert mit Loki Schmidt eine große Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise mit Hamburg identifiziert hat. Mein Mitgefühl gilt der Familie, allen voran ihrem Mann, Altkanzler Helmut Schmidt."

Josef Katzer, Präsident der Handwerkskammer Hamburg : "Hamburg hat heute einen großen Verlust seiner Ehrenbürgerin zu beklagen. Loki Schmidt war eine starke Persönlichkeit. Sie war eine Vorkämpferin, insbesondere für nachhaltiges Denken und Handeln im Umgang mit der Natur. Meine Gedanken sind bei der Familie Schmidt."

Der Chef der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Frank Schira , sagte: "Loki Schmidt war mit Leib und Seele Hamburgerin und steht wie keine andere Frau für unsere Stadt“. Als selbstbewusste, mutige und engagierte Frau sei sie heute vielen ein Vorbild. „Mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz für den Naturschutz war sie schon lange aus dem Schatten ihres Mannes heraus getreten. Trotzdem sind Loki und Helmut Schmidt für uns untrennbar miteinander verbunden“, betonte Schira.

Die Universität Hamburg und die Hamburger Helmut-Schmidt-Universität haben mit großer Trauer auf den Tod von Loki Schmidt reagiert: „Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit ihrem Interesse, insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich und in der Biologie, die Menschen begeistern konnte“, erklärte Universitätspräsident Dieter Lenzen. „Mit Loki Schmidt hat unser Land einen außergewöhnlichen Menschen verloren“, erklärte Wilfried Seidel, Präsident der Hamburger Bundeswehruniversität, die nach Altkanzler Schmidt benannt ist. „Wir verneigen uns in Achtung und Dankbarkeit vor ihrer Person, ihrem Wirken und ihrer beispielhaften Lebensleistung.“ Loki Schmidt war Ehrensenatorin der Universität Hamburg.

Für Hamburgs DGB-Chef Uwe Grund war Loki Schmidt eine „Bilderbuch-Hanseatin, uneigennützig, engagiert, bescheiden und doch hoch kompetent. Dieser Verlust schmerzt die ganze Stadt.“

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat Loki Schmidt als kompetente Naturschützerin gewürdigt: „Bescheiden hat sie sich zu einer in Fachkreisen anerkannten Kapazität entwickelt. Mit ihr verlieren wir eine charismatische Streiterin für den Schutz pflanzlicher Artenvielfalt, die für sie immer eine Herzenssache war.“ Lange vor der Internationalen Umweltkonferenz von Rio de Janeiro (1992) habe Loki Schmidt wissenschaftliche Schutzkonzepte für gefährdete Pflanzen und Ökosysteme gefordert und 1976 das Kuratorium zum Schutz gefährdeter Pflanzen ins Leben gerufen, das heute als Stiftung Naturschutzprojekte leitet.