Mein Quartier - Stadtteilreporter berichten

Rindermarkthalle: Anwohner begrüßen neues Konzept

Edeka hat sich mit der Finanzbehörde über die Nutzung geeinigt. Geplant ist ein Edeka-Center, ein Discounter und ein Drogeriemarkt.

Hamburg. Rund 15 Monaten steht die alte Rindermarkthalle an der Straße Neuer Kamp auf St. Pauli nun schon leer. Seit die Supermarktkette Real im Vorjahr auszog, herrscht auf der 29.000-Quadratmeter-Fläche tote Hose. An Ideen für die künftige Nutzung mangelte es nicht. Eine Konzerthalle (Music Hall) war ebenso im Gespräch wie ein neuer Einkaufsbereich. Am vergangenen Freitag verkündete das Bezirksamt Mitte dann überraschend die Entscheidung: Die Edeka Handelsgesellschaft Nord GmbH wird für zehn Jahre neuer Hauptmieter. Die Entscheidung kam so schnell, dass die Architekten-Zeichnungen erst am Montag nachgereicht werden konnten.

Vertreter von Edeka Nord, der Verwaltung Sprinkenhof AG, der Finanzbehörde und des Bezirksamtes Mitte präsentierten heute die detaillierten Pläne für die Gestaltung der ehemaligen Rindermarkthalle.Wie bereits berichtet wird im Eingangsbereich als „Herzstück“ der Halle eine 4000 Quadratmeter große Markthalle mit „Wochenmarkt-Atmosphäre“ entstehen. Edeka erhält eine Verkaufsfläche von 5900 Quadratmetern. Auch Aldi (900 Quadratmeter) und Budnikowsky (780 Quadratmeter) ziehen in die 2013 neu öffnende Rindermarkthalle.

Bei den Anwohnern wird die Entscheidung für den neuen Einkaufsbereich mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. „Endlich kann ich wieder in meiner Straße einkaufen gehen“, sagt Jörg Jensen. Er wohnt seit elf Jahren am Neuen Kamp. „Das ganze Viertel war betroffen. Es war eine Verschandelung, das Gebäude so brach liegen zu lassen“.

Auch Margot Elvers ist erfreut. Sie wohnt seit 30 Jahren in der Marktstraße im benachbarten Karolinenviertel. „Ich bin heilfroh. Zur Zeit muss ich zum Einkaufen bis zum Schulterblatt laufen“, sagt sie.

Mehmet Yilmaz wird ebenfalls von der Wiederbelebung der Rindermarkthalle profitieren. Der Imam nutzt einen Teil des Gebäudes für seine Mevlana-Moschee. Dort kamen im vergangenen Jahr noch wöchentlich rund 400 Muslime zum Freitagsgebet. Seit der Real-Markt die Tore dicht gemacht hat, sind es nur noch halb so viele. „Die Menschen wollen nach dem Gebet noch einkaufen“, erklärt Yilmaz.

Er blickt voller Vorfreude auf die Eröffnung des Edeka-Marktes. „Dann wird es hier endlich wieder lebendiger“. Von einer Musikhalle hätte er nichts gehalten. „Wir werden durch den Dom und den Spielen des FC St. Pauli schon extrem von Lärm belästigt. Eine Musikhalle hätten wir nicht verkraftet“, sagt Yilmaz, der in der benachbarten Clemens-Schultz-Straße wohnt. Seine Moschee darf er auch in Zukunft betreiben, das habe ihm die Stadt versichert.

Auch die Zahnarztpraxis von Dr. Frank Schlüter soll erhalten bleiben. Neben Yilmaz ist Schlüter aktuell der einzige Mieter in der Rindermarkthalle. Derzeit sei er allerdings nur geduldet. Sollte die Miete im Zuge der Sanierung erhöht werden, gibt er seine Praxis auf. Die Nutzung des Geländes als Einkaufsbereich hält er dennoch für wichtig.

Das sieht auch Till F.E. Haupt so. Der Künstler, der lange Jahre auf St. Pauli wohnte, hat derzeit unmittelbar vor dem Eingang seine „Planungswürfel“ aufgestellt. Dort trifft sich die Stadtteilinitiative „Unser Areal“ seit Kurzem, um über die Nutzung des großen Geländes zu diskutieren. „Die Nahversorgung ist zu begrüßen. Aber die Stadt hat erneut die Chance verpasst, die Bürger zu beteiligen“, sagt Haupt. Auf der Fläche sei schließlich noch mehr Platz als für Edeka und Aldi.

„Wir haben schon eine Anfrage für frühkindliche Musikerziehung“, sagt Carsten Koch, Geschäftsführer von Edeka Nord. Wichtig sei es dem Investor, eine „Quartiersatmosphäre“ herzustellen. „Wir wollen ein vielfältiges Angebot, kein Schickimicki“.

Bezirksamtsleiter Markus Schreiber ist froh, mit dem neuen Konzept für die Rindermarkthalle eine anwohnerfreundliche Lösung gefunden zu haben. „Wir haben auf den Wunsch der Bevölkerung reagiert“, sagt Schreiber, der zwischenzeitlich auch die Music Hall für möglich gehalten hatte.

Auf dem Parkdeck wird in Zukunft indes Platz für 300 Fahrzeuge sein. Für Fans des FC St. Pauli sind die Stellplätze aber keine Alternative zum Stadionbesuch. Das Spielfeld am anliegenden Millerntor ist vom Parkdeck aus nicht einsehbar.